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Meine Halte – Folge 18: Schlörstrasse

Susanne Schöb

 

Wir haben unsere guten und schlechten Zeiten und manchmal können wir uns nicht ausstehen, aber dennoch lieben wir uns. Scheinbar nicht erwähnenswert, aber dennoch polarisierend: Die Schlörstrasse – Meine Halte.

Wie die Halte Verrückte anzieht

„Schau mal, schon wieder einer!“ Die Nase ans Fenster gedrückt warten wir ab. An unserer Halte: unbedeutend, hässlich und laut. Für uns ein Stückchen Heimat, teil unseres Weitblicks. Alles klar, er hat den ersten Grünstreifen erreicht, zwei Spuren überquert. – Du hast noch sechs mein Freund – Weitere Minuten vergehen, die Gesichter werden länger und länger. „Ich mach mir mal was zu essen. Das kann dauern!“ Mhhh… die letzten vier sind die schwersten. Er rennt und erreicht einen weiteren Grünstreifen. Nur noch zwei… Wenn er es jetzt schafft, nicht noch von einem Fahrrad überfahren zu werden, dann  hat er sein Ziel – nach ca. 15 Minuten – erreicht.

Was daran so besonders ist? Dass es täglich jemand versucht.

Und was? Die Landshuter Allee und den Mittleren Ring zu überqueren, die zwischen der Donnersberger Brücke und dem Landshuter Allee-Tunnel achtspurig sind.

Was daran lustig sein soll? Dass die Unterführung genau neben der Haltestelle liegt und sie niemand findet.

Was daran traurig ist? Dass es jeden Tag einer versucht, anstatt wenn nicht die Unterführung, dann wenigstens die Ampel zu benutzen.

Der Charme einer achtspurigen Strasse

Auch wenn die Halte Schlörstrasse heißt, stiehlt ihr doch die Landshuter Allee die Show. Sie ist nicht nur für den Lärm und die vielen Autos verantwortlich, sondern auch für die ständigen Verspätungen der Linie 53 und 63, die hier ihren Weg teilen. Steigt man bei der Donnersbergerbrücke, auf dem Weg zum Rotkreuzplatz ein, scheint man schon fast auf der Autobahn zu sein. In die andere Richtung fühlt man das Gleiche. Meine Halte befindet sich inmitten dieses Gefühls, in dem man manchmal gerne einfach in einen der vorbeifahrenden Fernbusse steigen möchte.

Warum meine Halte dennoch liebenswert ist

Der Fernbus ist zwar immer eine Option, dennoch steige ich doch manchmal gerne in die Busse die mich anstatt nach Paris, Florenz oder nur an den Bodensee zur Münchner Freiheit oder ins Westend bringen. Steigt man nämlich, auf dem Rückweg, aus dem vollen Bus, kehrt „der großen Strasse“ unmittelbar den Rücken und vergisst für kurze Zeit den Lärm, dann steht man vor einem Stück Münchner Kinogeschichte, die niemand missen will: dem Maxim. Findet man seinen Weg in die Schlörstrasse, die durch seine Pflastersteine auch die Autos wieder langsamer fahren lässt, vorbei an der unsichtbaren Unterführung, kommt man am Ryan´s Muddy Boot, einem der – meiner Meinung nach – schönsten Pubs der Stadt vorbei. Fünf Meter weiter wartet eine super leckere Pizza von Neuhauser. Einen weiteren Katzensprung entfernt liegt die Kreuzung, an der die Schlörstrasse auf die Schulstrasse trifft, die Kreuzung, für die mein Herz schlägt und an der mir, im Barista an der Ecke, draußen an der Sonne, mein Kaffee am besten schmeckt.

Es ist also eine Art Hassliebe, die uns da verbindet und tatsächlich versuche ich die Halte so gut es geht zu vermeiden. Dennoch ist es auch diese Halte, die mein wunderschönes Neuhausen mit der Welt verbindet und mich jeden Tag daran erinnert, wie viel es zu erleben gibt in dieser Stadt.

 


Beitragsbild: Susanne Schöb

 

 

 

 

 

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