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„Messages of Refugees“ – Geflüchtete machen Radio

Jana Lapper

Stadtmensch vom Land. Sieht gerne das Gute im Menschen. Leidenschaftliche Zuhörerin. Und, oh oh, Feministin.
Jana Lapper

Viel wird dieser Tage über Geflüchtete, die zu uns kommen, in den Medien berichtet, geschrieben und gesagt. Die Betonung liegt auf „über“, denn die Geflüchteten selbst kommen kaum zu Wort. Das Radioprojekt „messages of refugees“ will das ändern. Die Redakteurin Caroline von Lowtzow erzählt von der gemeinsamen Radioarbeit mit Geflüchteten.

Woher kommt der Name eures Projekts? Und was bedeutet er?

Den Namen „messages of refugees – Flüchtlingsbotschaften“ haben sich die jungen Geflohenen, mit denen wir seit dem Sommer zusammen Radio machen, selbst gewählt. Und der Name ist Programm: Es geht darum, dass die Geflohenen eine Stimme bekommen, dass sie ihre Geschichten erzählen und von dem berichten, was sie interessiert, bewegt, ärgert, freut, stört uvm. Es richtet sich einerseits an andere Geflohene und andererseits an die deutsche Mehrheitsgesellschaft, der sie von sich erzählen wollen. Der zweisprachige Titel ist Programm, denn manche der Refugee-Radio-Macher sprechen sehr gut Deutsch, andere nur Englisch und darum wird es in Zukunft sicher vermehrt gehen: eine gemeinsame Sprache zu finden.

Was ist neu, anders und einzigartig an eurem Projekt?

Es wird nicht über Flüchtlinge berichtet, sondern sie berichten selbst. Sie bestimmen, was sie erzählen wollen und was nicht, sie wählen die Themen aus, die sie interessieren.

Wie viel Zeit habt ihr in euer Projekt investiert/ werdet ihr investieren?

Von der Idee bis zur ersten Sendung im Oktober 2015 hat es ein gutes dreiviertel Jahr gedauert. Jetzt versuchen wir monatlich eine Sendung auf die Beine zu stellen. Es kann aber auch mal schneller gehen oder mal länger dauern.

flüchtlingsradioWo findet man euch?

Alle Sendungen, Artikel und Beiträge gibt es unter www.messages-of-refugees.de

Wer unterstützt euch?

„messages of refugees – Flüchtlingsbotschaften“ ist ein Gemeinschaftsprojekt von Bayern 2/Zündfunk, den BR-Bildungsprojekten und dem Verein HPKJ (Heilpädagogisch-psychotherapeutische Kinder- und Jugendhilfe), der in München rund  200 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge betreut. Unterstützt werden wir vom Intendanten des Bayerischen Rundfunks, Ulrich Wilhelm.

Was macht ihr, wenn ihr nicht an eurem Projekt arbeitet?

Die Flüchtlinge gehen zum Teil noch in die Schule, zum Teil machen sie eine Ausbildung oder sie besuchen Sprachkurse, um dann studieren zu können. Wir vom Radio arbeiten beim /Zündfunk auf Bayern 2 oder in anderen Redaktionen des BR.

Was liebt ihr an München besonders?

Dass es diese Stadt – anders als Berlin – geschafft hat, dass auch an Wochenenden, an denen auf einen Schlag 20.000 Menschen nach München kamen, kein Flüchtling auf der Straße schlafen musste. Hier funktioniert einfach alles, das ist toll.

Wenn euer Projekt eine Person wäre, wie wäre diese Person?

Dieses Projekt ist viele Personen, denn es lebt von den Personen, die mitmachen. Wenn es eine Person wäre, würde auf sie der Titel von Richard David Precht passen: „Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?“ Denn diese Person wäre definitiv viel gereist, unerschrocken und unsicher zu gleich, polyglott, multireligiös, schwarz und weiß, männlich und weiblich, cool, politisch, musikalisch, zielstrebig, klug, aber auch traumatisiert, ängstlich und einsam und zum Glück auch jugendlich, fröhlich und ausgelassen.

Eure Infos im Netz?

www.messages-of-refugees.de

Ein Song, der mit eurem Projekt zu tun hat?

Der Musiker Jarck Boy war die „Studioband“ für die erste Ausgabe von „messages of refugees“ und hat im Zündfunk Studio für uns Songs eingesungen. Er wird uns auch weiter begleiten, zum Beispiel mit diesem Song hier:

Gerade hat er auch ein Stück geschrieben, das „Refugees Welcome“ heißt.

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Die Start-up Ausgabe

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