Aktuell, Kultur, Was machen wir heute?

Midsommar 2018 – Das Festival der Schallvagabunden – „Im Freien zu feiern fand ich immer netter, als verschwitzt im Club.“

Tobias Wullert

Mit Grunge und Indie und einem Berg Mixtapes aufgewachsen, verschlug es mich Ende der Neunziger nach München. Ich kam über die Musikredaktion von M 94,5 zum Journalismus.Nächte im Atomic Café wie auch in der Registratur und in der Roten Sonne prägten meinen Musikgeschmack, den ich seit über zehn als DJ und freier Journalist auslebe. Aktueller Partytipp: "Up The Bracket" im Strom.
Tobias Wullert

Eine Stunde östlich von München, in der Nähe von Gars am Inn, findet jedes Jahr Mitte Juni das Midsommar-Festival des Kollektivs Schallvagabunden statt, das mehr ist als nur ein Openair-Rave.

Wir haben mit Festivalmacher Aaron Kokal gesprochen:

Aaron Kokal

 MUCBOOK: Aaron, du veranstaltet seit vielen Jahren das Midsommar-Festival in der Nähe von Wasserburg auf einem stillgelegten Bauernhof. Wie kam es dazu?

Aaron: Ich habe vor elf, zwölf Jahren ein Festival begonnen dort zu feiern und früher, als ich noch ein Kind war, hat mein Vater dort schon Sonnenwendfeste veranstaltet, bei denen die ganze Nachbarschaft zusammen gekommen ist. Ich bin selber auch dort aufgewachsen.

Vor 12 Jahren dachte ich mir, ich mache auch mal so eine Sonnenwendparty und fing mit wenigen Freunden an. Wir haben uns immer wieder neu erfunden. Ich war damals nach München gezogen und Party aufm Land und im Freien fand ich immer netter, als verschwitzt im Club zu stehen. Dann haben mich die Leute gefragt, wann ich’s wieder mache. Bei der Eröffnung vom Bahnwärter Thiel 2016 habe ich die Jungs von der Kommune Vertikal kennengelernt. Dort standen viele nur rum und  haben nicht getanzt, aber da war eine Gruppe, die offensichtlich großen Spaß hatte. Ich war alleine dort, deswegen gesellte ich mich zu ihnen, kam mit ihnen ins Gespräch und erzählte vom Festival und dass ich das Midsommar gerne mal etwas größer machen würde. Sie veranstalteten selber kleine Raves in der Natur und waren sofort begeistert bei der Sache. Dann wuchs das Festival, von unter 300 auf über 700 Gäste.

Es war unglaublich schön, als wir merkten: wir haben hier etwas geschaffen, das wirklich Potential hat. Gäste kamen und sind beim Sonnenwendfeuer spontan in Tränen ausgebrochen, weil sie es so schön fanden.Aber mein Team von Freunden, die alle mit geholfen haben, haben sich drei Tage totgearbeitet ohne zu schlafen. Sie meinten dann auch: wenn das nochmal so läuft sind wir raus. Aber wir waren uns alle einig, dass wir weitermachen wollen.

Jetzt seid ihr eine Stufe weiter gegangen und habt das Festival auch offiziell angemeldet.

Wir haben seitdem sehr viel dazu gelernt. 2017 habe ich mich noch um die Anmeldung herumgedrückt. Da waren wir auch noch „Underground“. 2017 habe ich mir noch andere Kooperationspartner dazu geholt. Aus der Region, wie das vielfach preisgekrönte Programmkino Utopia aus Wasserburg und aus München die Jungs von INRS (It’s Not Rocket Science) aus der Radio 80000-Community.

Wie hast du die Acts und DJs für das Festival ausgesucht?

Es ist eine bunte Mischung. Wir holen uns ja immer Münchner Crews, die Underground-Parties veranstalten. Neben der Kommune Vertikal sind das in diesem die Jahr die Leute von Netzwerk, die bekommen ihre eigene Bühne und machen ihr Booking komplett selbstständig. Dann haben wir unsere eigene Bühne, die wir selbst bestücken und auf der nur Livemusik gespielt wird. Dafür holen wir regionale Musiker – warum viel Geld ausgeben, wenn es hier doch auch eine tolle regionale Szene gibt.

Andererseits holen wir uns auch jedes Jahr ein, zwei internationale Acts. Dieses Mal kommt Moderator, ein Instrumental-Hip-Hop-Producer aus Athen, der gerade sein zweites Album veröffentlicht hat. Den wollte ich einfach haben. Er war noch nie in Deutschland und freut sich schon total und wollte immer schon mal hier spielen.

2016 hatte ich Anudo, eine Synthpop-Band aus Italien beim Midsommar. Anudo haben gerade ein neues Projekt gestartet und spielen dieses Jahr noch mal. Primär sind es neue, vielversprechende Bands aus München.

Vor zwei Jahren sind auch „Ströme“ beim Midsommar aufgetreten, die mittlerweile auf den größten Festivals spielen.

Ströme hatten ihren ersten Open-Air-Festivalauftritt bei uns und das war auch „der geilste“, meinte die Band später zu mir – und da geht mir natürlich das Herz auf. Das ist natürlich der Traum jedes Veranstalters, die Band zu haben, die zwei Wochen später durch die Decke geht. I

m Jahr darauf passierte das gleiche mit Matija, die mittlerweile im Radio laufen. Der Frontmann kommt dieses Jahr mit seinem Sideproject Aggressive Swans zu uns.

Wir sind nicht die Riesenveranstaltung und wollen wir auch gar nicht werden. Mehr als 1000 Gäste lasse ich nicht rein und ich nehme auch an, dass wir in diesem Jahr wieder ausverkauft sind.

In diesem Jahr will ich auch das Workshop-Programm erweitern, denn die Leute sollen nicht nur zum Konsumieren kommen, sie sollen etwas mit nach Hause mitnehmen von diesem Wochenende und Teil des Ganzen werden. Ich will dieses Festival auch in zehn Jahren noch machen.

 Warum musstest du das Festival in diesem Jahr anmelden?

Nach 2017 gab es Ärger. Die Gemeinde Gars am Inn hat sich bei mir gemeldet und dann hieß es: „Sie machen da ein Fest, wollen wir da nicht mal drüber reden?“ Total überraschend war die Reaktion der Gemeinde, die von dem Konzept ganz angetan war, das ja doch auch den Fokus auf Livemusik legt, so dass sie mir auch bei der Anmeldung entgegen gekommen sind und jetzt  auch hinter mir stehen.

Was unterscheidet Midsommar von anderen Festivals?

Wir meinen das mit der Nachhaltigkeit sehr ernst. Für mich ist das Festival keine Kuh, die gemolken werden muss. Für mich ist das eine Herzensangelegenheit, die in ganz enger Zusammenarbeit mit der Umgebung stattfindet. Dort in der Gegend sind fast nur Biobauernhöfe und die Felder sind ihre Lebensgrundlage, trotzdem lassen sie uns da feiern. Die Anwohner in dem Ort Hub, in dem ich aufgewachsen bin, sind Feuer und Flamme für das Fest. Es ist sehr familiär und ich habe noch nie Geld damit verdient. Wir arbeiten für die Finanzierung und die faire Bezahlung der Künstler.

 Wie macht ihr das mit dem Lärmschutz auf dem Dorf?

Darauf achten wir sehr. Für die Menschen, die dort leben, ist es ja OK, wenn es mal länger geht, aber die Kühe drehen total durch. Einer der anliegenden Landwirte hat sich beschwert, dass seine Kühe gelitten haben. Deswegen gab es im letzten Jahr ab 2 Uhr Silent Disco mit Kopfhörern. In diesem Jahr wurde uns eine Nachtruhe verordnet, die auch um 2 Uhr beginnt.

Ihr habt das Festival in diesem Jahr auch um einen Floor vergrößert.

Neben der Live-Bühne und dem Obstgarten, der von der Kommune Vertikal und den Höhenreglern bespielt wird und der Jurte, gibt es in diesem Jahr das Fahrsilo. Den Floor macht das Netzwerk, die machen Techno-Partys mit sehr großem Aufwand und sehr viel Liebe zum Detail. Bin gespannt, was dort passiert.

Was machst du neben dem Festival?

Wir arbeiten mit den Schallvagabunden gerade an einer Labelgründung. Wir wollen Musiker unter Vertrag nehmen, Platten verlegen, Tourmanagement übernehmen. Außerdem baue ich mir gerade einen Bestand an Equipment auf, um an kleine Partyveranstalter und Zwischennutzungen, die sich das sonst nicht leisten können, Ausstattung zu verleihen.

Zuletzt habe ich auf der Art Muc das Musikprogramm zusammengestellt und betreut.

Danke fürs Gespräch, Aaron!

+++Wir verlosen Tickets+++

Haben wir deine Neugierde geweckt und du willst dabei sein beim Midsommar 2018? Dann solltest du jetzt rüber zu unserer Facebook-Seite und einen Like und einen Kommentar da lassen, denn wir verlosen 2×2 Tickets! Ausgelost wird am Dienstag.


In aller Kürze:

Was? Midsommar 2018

Wann? Freitag, 15. bis Sonntag, 17. Juni

Wo? Unterreit

Wieviel? Tagesticket 26,60 €, Festivaltickets ab 48,80 €,

Tickets hier


Fotos: © Schallvagabunden

No Comments

Post A Comment

Die Start-up Ausgabe

Simple Share Buttons
Simple Share Buttons