Kultur

„Mit Pelzig würde ich mich gut verstehen.“

Thomas Steierer

Autor und Journalist, Schwerpunkt Kultur (Kabarett, Literatur, Film). Eine Auswahl von Printveröffentlichungen der auf mucbook veröffentlichten Interviews findet sich hier: https://www.torial.com/thomas.steierer
Thomas Steierer

Pelzig_stellt_sich

Mit seiner pfiffigen Kleinbürger-Kunstfigur „Pelzig“ ist Frank-Markus Barwasser einem TV-Millionenpublikum bekannt ( „Neues aus der Anstalt“ und „Pelzig hält sich“). Nun kehrt der 52-jährige Würzburger mit seinem aktuellen Programm „Pelzig stellt sich“ zurück auf die Bühne. Vor der München-Premiere am Mittwoch im Lustspielhaus und weiteren Auftritten in Circus Krone (12. Juli) und Schlachthof (18. bis 22. Juli) spricht Barwasser im Interview über Ideenfindung, seine kabarettistischen Anfänge und die unterschiedliche Herangehensweise Bühne-Fernsehen.

Was erwartet die Zuschauer in „Pelzig stellt sich“, warum stellt sich Pelzig?

Vor allem stellt er sich wieder einmal auf eine Bühne. Das wurde auch höchste Zeit. Ich komme ja von der Bühne, nur ist sie zuletzt durch die vielen TV-Sendungen aus zeitlichen Gründen zu kurz gekommen. Aber Pelzig stellt sich natürlich auch den Widersprüchen, die er in sich und außerhalb aufgespürt hat, gerade jetzt in den Zeiten dieser tiefen Krise.

Wie kommen die Themen zu Frank-Markus Barwasser, wie wiederum zu Pelzig/Hartmut/ Dr. Göbel? Wie fand die Herangehensweise, der Vorlauf, die Ideenfindung für das neue Programm statt?

Im letzten Programm wählte ich den Begriff „Vertrauen“, von dem aus ich dann das Programm entwickelt habe. Ein wichtiger Begriff im neuen Programm ist „Selbstbetrug“. Ich suche also immer ein Thema, das mich leitet. Dem ordne ich dann alles unter und beginne, die Dinge so unter die Lupe zu nehmen, ob das nun Politik ist oder die Gesellschaft an sich. Es war übrigens interessant für mich, nach mehreren Jahren Bühnenpause die beiden Herren Hartmut und Dr. Göbel wieder  zu aktivieren. Anfangs haben wir noch etwas gefremdelt, aber jetzt ist es wieder wie früher: wir quälen Dr. Göbel und haben große Freude daran.

Welche Themen bringen Sie in den TV-Formaten „Neues aus der Anstalt“ und „Pelzig hält sich“ unter, was in den Bühnenprogrammen, haben Sie zwei Mappen zur Stoffsammlung? Worin bestehen diesbezüglich die größten Unterschiede in Sachen Herangehensweise?

Bei einem Abendprogramm läßt sich eine gewisse Dramaturgie aufbauen und Gedanken können über einen längeren Zeitraum langsam entwickelt und variiert werden. Das ist im TV schwieriger. Hier muß man innerhalb von drei oder vier Minuten auf den Punkt kommen. Beides hat seinen Reiz. Bühne und TV profitieren dabei gegenseitig voneinander. Im neuen Programm habe ich einige Ideen aufgegriffen, die ich in der „Anstalt“ oder bei „Pelzig hält sich“ angerissen hatte, konnte sie jetzt aber gründlich weiterspinnen.

Worin bestand Ihre Motivation nach dem Volontariat bei der Main-Post kabarettistisch aktiv zu werden, was waren die ersten Schritte?

Es waren kleine Schritte, die ins Kabarett hineingeführt haben. Begonnen hat es zunächst mit Marionetten-Theater. Und irgendwann stand ich dann mit beiden Beinen und bis zum Hals im Kabarett. Da  konnte ich nicht mehr raus. Und ich wollte es dann auch gar nicht mehr, obwohl ich sehr gerne als Journalist gearbeitet habe. Meine Arbeitsweise heute ist ja auch immer noch journalistisch, was die Recherche angeht.

Wie ist die Kunstfigur Pelzig entstanden?

Sie war zunächst nur ein Typus in einem Soloprogramm, in dem ich auch andere Figuren dargestellt hatte. Aber Pelzig war von Anfang an ein Sympathieträger und sehr prägnant. So hat er sich dann durchgesetzt.

Ihre Auftritte sind stets weit im Voraus ausverkauft. Gab es in Ihrer kabarettistischen Karriere weniger erfolgreiche Momente, Gegenwind?

Klar, es gab anfänglich Vorstellungen zum Beispiel in Berlin, die gar nicht gut liefen. Es waren kaum Leute da und nach der Pause waren auch die fast alle weg. Schwieriger war aber am Anfang für mich, daß die Figur Pelzig eine Weile braucht, um aus der Schublade zu klettern, in die man sie steckt, wenn man nur von der äußeren Erscheinung ausgeht. Man muß ihr schon etwas Zeit lassen.

Was kann/soll/will Kabarett? Hat diesbezüglich bei Ihnen eine Wahrnehmungsveränderung stattgefunden?

Wenn man es schafft, ein paar originelle, interessante und komische Gedanken zu entwickeln, die das Publikum mitnehmen kann und die es danach noch beschäftigt, dann ist das schon viel. Die Wirkung des Kabaretts kann man ansonsten gar nicht genug überschätzen.

Hypothetisch: Frank-Markus Barwasser und Erwin Pelzig kommen in einer Würzburger Weinstube ins Gespräch. Wie würden sie sich verstehen, worüber würden sie sich unterhalten, gibt es Gemeinsamkeiten, worin bestehen die größten Unterschiede der beiden Persönlichkeiten?

Mit Pelzig würde ich mich in der Weinstube mit Sicherheit gut verstehen und über genau die Themen sprechen, die er – oder ja eigentlich ich – auf der Bühne behandelt. Im Unterschied zu mir ist er ziemlich direkt. Und er hat etwas fast rührend Optimistisches in sich. Das ist ein Wesenszug, um den ich mich sehr viel stärker bemühen muß als er.

Gibt es mittelfristig neue Pelzig-Projekte, etwa erneut einen Film oder ein Theaterstück?

Jetzt freue ich mich erstmal nur, daß ich wieder ein Bühnen-Solo habe. Ansonsten halte ich es mit dem jüdischen Sprichwort: wenn du Gott zum Lachen bringen willst, dann mache einen Plan.

Foto: www.pelzig.de

Erwin Pelzig, „Pelzig stellt sich“: In München zu sehen am 12. Juli im Circus Krone.  Die München-Premiere im Lustspielhaus am 27. Juni  und die Auftritte vom 18. bis 22. Juli im Schlachthof sind bereits ausverkauft.

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