Kultur, Nach(t)kritik

Mozart remixed

Corinna Klimek

Ich reise gerne, gehe oft ins Musiktheater und lese viel. Manchmal kombiniere ich auch alles miteinander. Seit 7 Jahren schreibe ich darüber unter www.nacht-gedanken.de

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Die Uraufführung einer neuen Mozart-Oper, das wäre natürlich eine Sensation. Nun, ganz neu war die Musik, die bei der Premiere von „Der Diener zweier Herren“ im Hubertussaal des Schlosses Nymphenburg gespielt wurde, dann doch nicht. Ein Brief, den Mozart im Februar 1783 schrieb, legte den Grundstein für das neueste Projekt der Kammeroper München. Darin beschreibt er, dass er eine neue Oper in Arbeit habe, die auf der titelgebenden Komödie von Carlo Goldoni beruhe. Leider ist daraus wohl nichts geworden, denn mehr als eine Bassarie „Männer suchen stets zu naschen“ und ein weiteres Arienfragment ist davon nicht bekannt. Damit daraus ein abendfüllendes Werk wird, entstand ein Pasticcio aus den Opernfragmenten „L´Oca del Cairo“ und „Lo Sposo deluso“, die aus der gleichen Zeit wie das geplante Werk stammen, sowie ausgewählten Konzertarien und Ballettmusiken. Alexander Krampe arrangierte und Dominik Wilgenbus verfasste das Libretto und führte Regie.

Die Handlung ist schnell erzählt: Truffaldino ist der Diener von Beatrice, die sich als ihr eigener Bruder Herr Rasponi ausgibt, der von ihrem Geliebten Aretusi getötet wurde, und nach Venedig reist um einerseits den gewesenen Schwiegervater in spe ihres Bruders, Pantalone, abzuzocken und andererseits Aretusi zu finden, um mit ihm ein neues Leben zu beginnen. Kompliziert wird es, als ihr Diener Truffaldino, ewig hungrig, auch bei Aretusi anheuert, der zufällig im gleichen Gasthaus wie Beatrice abgestiegen ist. Dazu kommt noch Clarice, die Braut des Verstorbenen, die schon einen anderen, Silvio,  liebt und partout nicht mit dem wiederauferstandenen Rasponi vermählt werden will und ihre Zofe Smeraldina, die ein Auge auf Truffaldino geworfen hat. So weit alles klar? Ob sich Truffaldino aus dem Dilemma, zwei Herren gleichzeitig bedienen zu müssen, befreien kann und wer am Ende wen heiratet, sieht man sich am besten selbst an.

Das Bühnenbild besteht aus Tischen auf verschiedenen Ebenen, die ein Halbrund um das Orchester bilden. Das Publikum sitzt wie in einem Amphitheater um die Bühne herum, mit dem Unterschied, dass es keine ansteigenden Ränge gibt. Diese Anordnung ist vermutlich zur optimalen Platz- und Akustikausnutzung die einzig mögliche, birgt aber einige Schwierigkeiten. So bemühte sich der Regisseur zwar, möglichst das ganze Publikum einzubeziehen, was dazu führte, dass die Sänger öfter von einer Seite zu anderen wanderten, aber eben auch, dass sie oft mit dem Rücken zu einer Seite sangen, was der Verständlichkeit des Textes sehr abträglich war. Ich saß zwar ziemlich weit vorne, aber ganz außen an einer Seite und konnte der Handlung nicht immer folgen, da zum Beispiel ein aufgeklappter Koffer auch mal die gesamte Bühne verdeckte. Nun bin ich aber auch sehr klein, ein Sitzriese hätte diese Schwierigkeiten vielleicht nicht. Grundsätzlich würde ich mich bei der Platzwahl eher an der Mitte orientieren. Die Kostüme  waren passend, die Ausleuchtung den schwierigen Verhältnissen angemessen.

Das Orchester unter Nabil Shehata traf den Mozartton genau, die Tempi spritzig und kurzweilig, die Stücke sorgfältig zusammengestellt und hervorragend musiziert. Der Teil vor der Pause zog sich bis zu der bekannten Essensszene etwas, es waren viele Ensembles und wenige Arien. Die Szene, in der Truffaldino versucht, zwei Herren und seinen eigenen Magen gleichzeitig mit Essbarem zu versorgen, war allerdings großartig. Ausgezeichnet choreographiert und mitreißend gespielt von allen Beteiligten, ist sie einer der Höhepunkte des Stückes. Ein weiterer ist die Arie „Meinen Tod aus deinen Händen“ nach der Pause, sehr berührend von Sela Bieri als Clarice vorgetragen. Dieser Teil war sehr kurzweilig und machte mir Lust darauf das Stück noch einmal anzusehen. Neben einigen weiteren Terminen im Hubertussaal gibt es auch drei Vorstellungen zwischen Weihnachten und Neujahr im Cuvilliestheater.

Die Sänger waren allesamt gut bis sehr gut. Angefangen von dem herrlichen Buffo-Paar Katharina Preuß als Smeraldina und Andreas Burkhart als Truffaldino über die Liebespaare Anna Steffens (Beatrice) und Niccoló Paudler (Aretusi) sowie Sela Bieri als Clarice und Manuel Günther als Silvio bis hin zu den Vätern Erik Ginzburg (Pantalone) und Georg Führer (Dr. Lombardi), waren alle Partien ansprechend besetzt. Von diesen jungen Sängern würde ich in Zukunft gerne mehr hören.

Am Ende der knappen drei Stunden Spielzeit inklusive Pause gab es langen, verdienten Applaus für alle Beteiligten. Der Kammeroper München ist es mal wieder ausgezeichnet gelungen, die Theatersommerpause mit einem sehenswerten Stück zu füllen. Weitere Termine gibt es noch bis 15.September im Hubertussaal, Karten über Münchenticket oder die Homepage der Kammeroper.

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