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Tod & Teufel Theater: „In einer Zeit, wo Solidarität, Humanismus und Freiheit Mangelware sind“

München ist durchaus eine Stadt, die sich mit ihrer Kultur schmücken kann. Es gibt ein breites Angebot an Museen, Veranstaltungen und Ausstellungen, bei denen Münchens Künstler/innen ihr Talent präsentieren dürfen. Selbst der Stadtrat fordert mehr Kunst, mehr Farbe und heuert Graffiti-Künstler an, die grauen Mauern der Stadt aufzuhübschen. Wie heißt es so schön? „München ist bunt!“

Wir befinden uns aber auch in einer Zeit, in der die Nachfrage und das Interesse nach Theateraufführungen sinkt. Während man hört, dass in anderen Städten Ensembles schließen müssen, schießt hier aber das Theaterkollektiv Tod und Teufel aus dem Münchner Untergrund an die Oberfläche. Da der Künstler als Einzelkämpfer rar wird, sucht das Kollektiv nach einer Künstlergemeinschaft und sie bieten Theatermachern eine Plattform. Wir haben ihnen 10 Fragen gestellt:

1. Woher kommt der Name eures Projekts? Und was bedeutet er?

„Tod und Teufel“ ist der Fluch, den Schillers Räuber ausrufen, weil sie sich einer neuen Freiheit verpflichtet fühlen. Der Wahlspruch ist Inbegriff einer materialistischen Lebensauffassung. Wer ihr Rechnung trägt, fürchtet nicht den Tod, noch hat er Angst davor, dass ihm das Paradies für die eigene Überzeugung verweigert wird. Wir haben Die Räuber in den letzten Spielplan und „Tod und Teufel“ als Projektnamen aufgegriffen, weil wir die nonkonformistische Räuberbande als programmatisch für unser Vorhaben erachten. In einer Zeit, wo Solidarität, Humanismus und Freiheit Mangelware geworden sind, ist es nur konsequent genau darauf zu beharren – und wenn es nur auf der Bühne ist!

2. Was ist neu, anders und einzigartig an eurem Projekt?

Wir schaffen ein zeitgemäßes, anarchistisches Theater. Mit Anarchie ist hier vor allem die Ablehnung hierarchischer Machtstrukturen gemeint. Es gab Zeiten, da haben sich Theatermacher ein Theater einfach genommen und das gemacht, was sie für richtig und wichtig hielten. Castorf und die Volksbühne sind dafür ein gutes Beispiel.  Es war noch nie so schwierig wie heute, in der Theaterlandschaft Fuß zu fassen. Die Stadt- und Staatstheater sind die letzten Diktaturen in der Bundesrepublik. Mit der Kundmachung „Wir werden euren Theaterhimmel zerreißen“ wehren wir uns dagegen und gehen dafür sozusagen in den Untergrund. Wir bieten dort all jenen einen Schlupfwinkel, die nicht an staatlichen Theaterakademien und Schauspielschulen genommen worden sind, oder aber vorhaben dort vorzusprechen. Bei uns ist Erfahrung die wertvollste Tauschware. Und damit ist nicht die jahrelange Selbstausbeutung an irgendwelchen Landestheatern gemeint. Es geht um die Erfahrungen, die junge Leute mit dem Theatersystem und ihrer Leistungsgesellschaft machen.

Neu ist allerdings, dass wir sehr gut organisiert sind, und unsere Kräfte bündeln so gut es geht. Dabei bieten wir nicht nur Theatermachern eine Plattform, sondern auch bildenden Künstlern und Musikern. Der Künstler als Einzelkämpfer ist ein Auslaufmodell. Was wir brauchen, ist eine solidarische Künstlergesellschaft. Kunst muss demokratisiert werden. Sowohl der Zugang als auch der Schaffensprozess.

3. Wie viel Zeit habt ihr in euer Projekt investiert/ werdet ihr investieren?

Wir investieren dafür unsere Freizeit. Denn dafür ist sie ja da – wie der Name schon sagt. Die Zeit ist deshalb aber immer noch frei. Und in dieser freien Zeit machen wir Theater, sprechen wir über Theater und gehen ins Theater. Das durchdringt gewissermaßen alle Lebensbereiche. Aber solange das alles nicht als verlorene Zeit empfunden wird, und auch nicht als Arbeit, sondern eher als Ausgleich, bleibt es das, was es ist – Freizeit. Was wir konkret investieren: Nicht jede, aber viele freie Minuten. Natürlich gibt es verdammt viel zu tun.

4. Wo findet man euch?

Unsere Inszenierungen sind an vielen freien Häusern in München zu sehen. Auch Gastspiele in Italien und Polen sind für 2017 geplant. Innerhalb der Bundesrepublik haben wir Kontakte zu einigen Häusern in Süddeutschland. Ganz aktuell kann man unsere Inszenierung „Die Polizei“ am 21. Und 22. Oktober im Pepper Theater sehen.

5. Wer unterstützt euch?

Unterstützt werden wir maßgeblich vom KULTURATOR – Die-Gute-Dinge-Stiftung. Das ist ein Stiftungsprojekt von zwei jungen Münchnern, die soziales und kulturelles Engagement in der Landeshauptstadt fördern. Dabei geht es nicht nur um Geld, sondern auch um die Überwindung von bürokratischen Hürden, zum Beispiel aufwändigen Vereinsstrukturen und Förderangelegenheiten. In den Anfängen war der Keller der kleinen Künste e. V. ein wichtiger Unterstützer. Der musste leider im Sommer 2016 schließen. Für die nahe Zukunft sind Kooperationen mit dem Kulturbetrieb vom „Bahnwärter Thiel“ und dem frisch renovierten „Heppel&Ettlich“ an der Münchner Freiheit geplant.

6. Was macht ihr, wenn ihr nicht an eurem Projekt arbeitet?

Die meisten von uns sind Studenten: Linguisten, Literatur- und Theaterwissenschaftler, Journalisten und Philosophen. Das Studium nimmt natürlich einen großen Teil ein, aber man profitiert wechselwirkend von interessanten Seminaren an der Uni und dem eigenen künstlerischen Schaffen.

7. Was liebt ihr an München besonders?

Die Isar, das Bier, die Architektur der Stadt, das Provinzielle (das ist gar nicht abwertend gemeint), die mentale Unbeweglichkeit (weil wir deshalb eine Angriffsfläche haben) und natürlich die Theaterlandschaft. Es gibt auf wenigen Quadratmetern verdammt viel Kultur. Dieses Umfeld braucht jeder junge Kulturschaffende. Zudem kennt man sich oder wird sich – wenn man lange genug da bleibt – kennenlernen. Das ist für unser Projekt besonders wichtig, weil Kontakte und Dialoge so wertvoll sind. München hat in dieser Hinsicht ein perfektes Format.

8. Wenn euer Projekt eine Person wäre, wie wäre diese Person?

Sie wäre etwas kleiner als die Durchschnittsperson, aber festentschlossen noch weiter zu wachsen. Sie wäre idealistisch und nostalgisch, offenherzig und egalitär. Die Person wäre von der Veränderbarkeit der Dinge überzeugt.

9. Eure Infos im Netz?

Im Netz gibt’s Lebensläufe und Ideen des Ensembles, Trailer und Vorankündigungen zu aktuellen Veranstaltungen, den Ticketverkauf und einen Spendenaufruf für den KULTURATOR. Das alles unter Tod und Teufel oder auf unserer Facebook-Seite.

10. Ein Song, der mit eurem Projekt zu tun hat?


Beitragsbild: Tod & Teufel Theater

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