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Frisch verliebt in München – Berliner Content Creator geht mit Video viral
München und Berlin – zwei Städte, die unterschiedlicher kaum sein könnten und ihre gegenseitigen Vorurteile mit voller Hingabe pflegen. Auf Instagram räumt der Berliner Content Creator Kanao gerade mächtig mit diesen Klischees auf. Während er im Eisbach treibt, durch die Altstadt radelt und im Umland über die Natur staunt, bekennt er sich zu seiner Begeisterung für das Millionendorf an der Isar.
Seit Kanao im vergangenen Jahr das Wandern für sich entdeckt hat, weiß er die Natur immer mehr zu schätzen. Nach mehreren Besuchen in München und einem Familienausflug nach Österreich hat er sich nun endgültig in die bayerische Landeshauptstadt verliebt – und würde am liebsten direkt herziehen.
Im Interview mit MUCBOOK spricht der gebürtige Berliner über seine persönlichen Erfahrungen, seinen Sommer in München und seine neu entdeckte Liebe zur Stadt. Und weil aus dieser Liebe offenbar etwas Ernstes werden könnte, ist Kanao inzwischen ganz offiziell auf Wohnungssuche: entweder nach einer bezahlbaren Einzimmerwohnung oder nach drei Zimmern für eine WG – möglichst, ohne dafür gleich seine beiden Nieren hergeben zu müssen. Falls ihr ihm weiterhelfen könnt, schreibt ihm einfach per Instagram.
Das Reel von Kanao über München :
Mucbook: Was hat dich an München unerwartet positiv überrascht?
Kanao: Ich glaube, zum einen wirklich die Sauberkeit – vor allem im Vergleich zu Berlin. Natürlich hat Berlin ebenfalls viele saubere und schöne Bezirke; nicht alles ist wie der Görlitzer Park. Aber weil München etwas kleiner und der Großteil der Stadt sauber und gepflegt ist, wirkt die ganze Stadt sehr ordentlich. Das fand ich sehr beeindruckend.
Zusätzlich hat mich überrascht, wie viel sich draußen abspielt. Bei meinem ersten Spaziergang durch den Englischen Garten war ich völlig begeistert: wie viele Menschen im Wasser sind, die Eisbachwelle, die tollen Altbauten und wie viele Leute in der Isar schwimmen oder sich einfach treiben lassen. Dazu kommen die vielen Wiesen und die Natur. Alles wirkt irgendwie sommerlicher und einladender.

Mucbook: Welche München-Klischees stimmen tatsächlich und welche nicht?
Kanao: Ich glaube, es stimmt, dass die Menschen insgesamt mehr Geld haben. Ich bin selbst noch nicht lange in München, habe aber einige Freunde gefragt, ob die meisten Leute tatsächlich reich sind oder nur so wirken. Häufig wurde mir geantwortet, dass viele wirklich viel Geld haben – vielleicht auch durch ihre Familie oder durch Familienbesitz, etwa ein Haus in München. Es kann natürlich sein, dass das nur eine bestimmte Bubble und eine sehr subjektive Wahrnehmung ist.
Was meiner Erfahrung nach nicht stimmt, ist, dass alle Münchner – böse gesagt – Arschlöcher sind. Ich hatte erwartet, dass sie als Kollektiv deutlich abgehobener wären. Aber die Menschen, die ich bisher kennengelernt habe, waren alle sehr freundlich.
Meine erste Erfahrung mit München war allerdings negativ. Damals war ich 16, und die Leute, die ich kennenlernte, waren sehr abgehoben und weit von meiner persönlichen Realität entfernt. Weil ich selbst mit wenig Geld aufgewachsen bin, fühlte es sich damals so an, als würden sie sich vor allem über ihren Wohlstand definieren.
Die Menschen, die ich jetzt in München kennengelernt habe, sind dagegen sehr freundlich, zuvorkommend und vor allem höflich. Sie haben gute Manieren. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass München insgesamt etwas konservativer ist – bisher ist mir das aber eher positiv aufgefallen.
Warum wird gesagt Berliner „hassen“ Münchner?
Ich glaube, weil der Kontrast so groß ist. Berlin ist für das Image „arm, aber sexy“ bekannt, und darauf sind wir auch ein bisschen stolz. Die Stadt ist cool und multikulturell. Hier leben viele Menschen mit wenig Geld oder einer etwas schwierigeren Kindheit. Ich bin ebenfalls mit wenig Geld aufgewachsen. Man ist dann stolz darauf, es trotzdem geschafft zu haben.
Wenn man von München dagegen das Bild hat, dass dort alle aus wohlhabenden Familien stammen, seit Generationen reich sind und nie wirkliche Probleme hatten, ist das sehr weit von der eigenen Lebensrealität entfernt. Dann denkt man schnell: Das sind ein paar verwöhnte Arschlöcher. Aber auch das ist nur ein Klischee und nicht vollständig wahr.
München ist definitiv konservativer, aber überall gibt es Arschlöcher und überall gibt es coole Menschen. Es würde wahrscheinlich helfen, eine Brücke zu schaffen, die Gegensätze weniger extrem zu betrachten und über die eigenen Vorurteile hinauszuschauen.

Wie haben die Leute auf dein -München-Reel reagiert?
Unter meinem Instagram-Video habe ich viele Kommentare bekommen, in denen auch Münchner geschrieben haben: „Ja, du hast recht, Berlin ist scheiße.“ Das ist natürlich ebenfalls Quatsch. Berlin hat beides: tolle und ruhige Ecken sowie viel Natur – beispielsweise den Grunewald und alles, was etwas weiter außerhalb liegt.
Mir persönlich ist Berlin mittlerweile zu laut, und ich habe mich ein wenig sattgesehen. Das bedeutet aber nicht, dass die ganze Stadt schlecht ist. Außerdem dürfen nur Berliner Berlin kritisieren – die meisten anderen haben entweder keine Ahnung oder waren einfach an den falschen Orten.
Was kann sich München von Berlin abschauen?
Ich würde schon sagen, dass München ebenfalls relativ multikulturell ist. Es herrscht aber etwas mehr Dorfatmosphäre. Das Berliner Nachtleben oder die Technoszene muss sich München meiner Meinung nach nicht unbedingt abschauen.
Vielleicht könnte München etwas mehr Offenheit übernehmen. Unter meinen Videos habe ich einige Kommentare von Münchnern oder Bayern gelesen, die sinngemäß lauteten: „Schleich dich, komm auf keinen Fall her, hier sind schon genug Leute.“
Auch wir Berliner sind nicht begeistert davon, dass immer mehr Menschen nach Berlin ziehen und die Stadt dadurch teurer wird. Aber nur weil jemand an einem bestimmten Ort geboren wurde, ist diese Person nicht als Einzige dazu berechtigt, dort zu leben. Diese Haltung finde ich unangenehm.
Generell könnte München sich also vielleicht etwas Offenheit abschauen. Es gibt schließlich das Klischee, dass die Menschen in Berlin herzlicher, offener und netter seien. Ich war allerdings noch nicht lange genug in München, um das wirklich bestätigen oder widerlegen zu können.

Was hast du über München gedacht, das sich als falsch herausgestellt hat?
Ich dachte wirklich, dass die Menschen arroganter und stärker auf Geld fixiert wären. In München leben vermutlich mehr wohlhabende Menschen, und es fühlt sich auch so an. Geld spielt aber eine geringere Rolle im direkten Umgang, als ich erwartet hatte. Stattdessen spiegelt es sich eher im Lebensstil wider – teilweise auf eine sehr gesunde und schöne Art.
Zum Beispiel scheinen die Menschen mehr Zeit für Sport oder bestimmte Randsportarten zu haben, die möglicherweise auch etwas teurer sind. Insgesamt gefällt mir dieser Lebensstil ziemlich gut, auch wenn die Leute besser betucht wirken.
Zusammenfassend würde ich sagen: Nur weil Menschen Geld oder potenziell etwas mehr Geld haben, sind sie deshalb keine schlechteren Menschen.
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