Kultur

Hexenwald in der Alten Messe

_MG_0471Hänsel und Gretel, die berühmte Märchenoper von Engelbert Humperdinck, ist die klassische Familienoper für die Weihnachtszeit. Jetzt ist das Stück in einer neuen Inszenierung in der Alten Kongresshalle zu sehen.

Die neue Produktion der Sarré Musikprojekte gGmbH ist ideal, um Kinder an das Thema „Oper“ heranzuführen. Sie ist auch für Erwachsene musikalisch etwas Besonderes, weil die beiden Titelrollen, Hänsel und Gretel, hier tatsächlich von Kindern gesungen werden. Die klaren Stimmen der Kinder geben diesem Stück etwas Unmittelbares, einen unverbrauchten Charme, der die Oper ganz neu wirken lässt. Das Niveau ist sehr hoch, die jugendlichen Sänger wurden im Kinderchor des Gärtnerplatztheaters ausgebildet und können mit den Profis gut mithalten.

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Bevor es losgeht, kann man im Foyer Malte Arkona dabei zusehen, wie er vom Maskenbildner mit Hilfe von Schminke, meterlangen Ponywimpern und einer gigantischen Nase von einem hübschen jungen Mann in eine hässliche alte Hexe verwandelt wird. Er scherzt mit den Kindern, hat für jeden ein nettes Wort und macht seinem Ruf als Kindermagnet alle Ehre. „Ich habe gar keine Angst!“ ruft ein blondgelocktes Mädchen und lässt sich mit der Hexe fotografieren.

Eine märchenhafte Atmosphäre wird verbreitet von einer kleinen aber feinen Instrumentenbesetzung, von Martin Steinlein sehr feinfühlig dirigiert. Diese wunderbar leichte Orchesterbearbeitung gefällt mir tatsächlich besser als die Fassung mit vollem Orchester. Julia Riegel inszeniert diese Märchenoper kurzweilig und verspielt. Als Hänsel und Gretel sich im Wald verirren, wird die Stimmung ganz zauberhaft: Kinder kommen mit Tiermasken und Pilzhüten, das Sandmännchen streut Schlafsand, und die verschiedensten Figuren bevölkern die Träume von Hänsel und Gretel: Da steht der gestiefelte Kater neben Harry Potter, und auch Pumuckl ist dabei.

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Torsten Frisch und Rita Kapfhammer als Vater und Mutter waren einfach großartig. Die Hexe war natürlich große Klasse und wurde zum Dank beim Schlussapplaus ausgebuht, bei der ersten Applausrunde noch etwas zaghaft, danach mit voller Kraft. Während der Vorstellung war es ziemlich ruhig, aber dann drängten sich Menschentrauben um die Sänger, die im Blitzlichtgewitter standen und jetzt auf unzähligen Smartphones verewigt sind; es fehlte nur noch der rote Teppich. Verena Sarré erzählte mir begeistert von der Arbeit mit „ihren“ vielen Kindern und schwärmte von dem hohen Niveau der Opern-Jugend. Die Helfer mampften beim Kulissen-Abbauen Lebkuchen. Genau das Richtige zur Einstimmung auf Weihnachten.

(Für Kinder, die vielleicht gerne mitmachen wollen, und Erwachsene, die sich als Sponsoren oder Förderer engagieren möchten, hier der Kontakt: www.sarre-musikprojekte.de)

Alte Kongresshalle München, Theresienhöhe 15 (U4, U5 Schwanthalerhöhe). Weitere Vorstellungen Samstag 22.12. um 17.30 Uhr sowie am Sonntag 23.12. um 11.00 und um 17.00 Uhr. Viel Vergnügen!

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Fotos © Sarré Musikprojekte gGmbH

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