Rathausschau, Stadt

Neuer Konzertsaal für München: nein, doch, ohh?

Tobias Mayr

war sich eigentlich mal sicher, dass er München öde findet. Hat dann aber Bier, Brezn und das blau der alten U-Bahnen zu sehr vermisst und seine Meinung wieder geändert.
Tobias Mayr

Braucht München einen neuen Konzertsaal? Erst heißt es jahrelang Ja, dann sagen Land und Stadt überraschend Nein, jetzt sagt Ministerpräsident Seehofer vielleicht. Wer ist jetzt dafür, wer ist dagegen? Wer blickt überhaupt noch durch? Der Versuch einer Bestandsaufnahme:

Vorgeschichte:

Wir blicken zurück in das Jahr 2009. Im Januar machte Horst Seehofer (CSU) dem Chefdirigenten des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunk Mariss Jansons ein Versprechen. Wörtlich sagte er: „Maestro Jansons hat mich überzeugt, dass wir in München einen Konzertsaal brauchen“.

Drei Jahre später wird Seehofer noch konkreter. Während eines Gastspiels des BR-Symphonieorchesters in Berlin verkündet er öffentlich, er werde sich persönlich für mehr Kultur in ganz Bayern einsetzen. An vorderster Stelle stehe ein neuer Konzertsaal für München, den sich das Orchester schon lange wünscht. Die Süddeutsche Zeitung berichtet, der Grund für die plötzlichen Zusagen zur Kulturförderung rührten daher, dass die Steuereinnahmen weitaus höher als berechnet ausfielen. Seehofer ist so begeistert, dass er das Thema 2013 sogar in die Regierungserklärung mitaufnimmt. Als Standort favorisiert der Ministerpräsident den Standort des leerstehenden Kongressbaus im Deutschen Museum. Damaliger Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP) wird schon konkret damit beauftragt ein Gutachten zu erstellen, inwiefern sich der Standort tatsächlich eignet.

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Chefdirigent Maestro Mariss Jansons (©Lelli e Masotti via flickr.com)

Aber wieso eigentlich ein neuer Saal?

Weil das Symphonieorchester  des Bayerischen Rundfunks das so möchte

München kann sich mit drei Spitzenorchestern rühmen: Dem bayerische Staatsorchester, den Münchner Philharmoniker und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Zwei der drei Orchester haben fixe Spielstätten: Das Staatsorchester ist in der Oper beheimatet und die Philharmoniker in der Philharmonie am Gasteig. Lediglich das BR-Symphonieorchester, ausgerechnet jenes, das vom internationalen Musikmagazin Gramophone als sechstbestes Orchester weltweit gekürt wurde, muss zwischen Herkulessaal in der Residenz und Philharmonie pendeln. Der Stammplatz Herkulessaal ist für die großen Symphonischen Werke zu klein und langsam aber sicher sogar baufällig. Die Philharmonie am Gasteig steht von Beginn an aufgrund der schlechten Akustik in Verruf, außerdem haben hier die Münchner Philharmoniker das Sagen. Auch die Proben- und Garderobensituation am Gasteig ist katastrophal. Verständlicherweise stinkt das einem Top-Ten Weltklasseorchester.

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Viel beschimpft, kaum gelobt. Der Gasteig – Münchens einziger großer Konzertsaal (cc: sanfamedia.com via flickr.com)

Mal so, mal so

April 2014: In den nächsten drei Jahren war das Thema wieder still, solange bis sich auch Heubisch Nachfolger Ludwig Spaenle (CSU) für einen neuen Konzertsaal ausspricht. Er setzte die bestehende Arbeitsgruppe neu ein, um einen geeigneten Standort zu finden, berichtete der BR. In den Blick gerät nun auch der Finanzgarten unweit der Staatskanzlei, den die Arbeitsgruppe letztlich favorisiert.

September 2014: Oberbürgermeister Reiter und Ministerpräsident Seehofer bringen einen „Ein-Konzerthaus“  Vorschlag ein. Demnach soll geprüft werden, ob der Gasteig nach einer Renovierung Platz für sowohl das BR-Symphonieorchester als auch die Münchner Philharmoniker bieten kann. Sollte das nicht durchführbar sein, sei man offen ein neues Konzerthaus zu bauen, berichtete der Münchner Merkur.

Dezember 2014: Der Architekturstudent Markus Krempels entwirft ein Konzerthaus auf dem Gelände des Finanzgartens. Die Region um den Finanzgarten soll durch eine attraktive Verbindung zwischen Odeonsplatz und Englischem Garten aufgewertet werden. Der Entwurf trägt den Namen „Neues Odeon“ angelehnt an das im 19. Jahrhundert und im zweiten Weltkrieg zerstörte Konzerthaus am Odeonsplatz. (SZ)

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Der Entwurf „Neues Odeon“ (cc: Master-Thesis von Markus Krempels, Visualisierung DIMENSIONhoch3)

Ende Dezember 2014: Während eines Treffens zwischen OB Reiter, Seehofer, Kulturreferent Hans-Georg Küppers (SPD) und Kunstminister Ludwig Spaenle einigt man sich einen Neubau zwar weiter zu verfolgen, eine Sanierung von Herkulessaal und Gasteig aber zu bevorzugen. (SZ)

Die aktuelle Lage

Anfang Februar 2015: Die Generalsanierung des Gasteigs und zugleich „Ertüchtigung“ des Herkulessaales ist die beschlossene Strategie zwischen Freistaat und Stadt. Überlegungen die Philharmonie abzureißen habe es nicht gegeben. Im Zuge der Sanierung soll der Herkulessaal um Sitzplätze erweitert werden und das BR-Symphonie Orchester zusätzliche Räume in der Philharmonie zugesprochen bekommen. Auch die Münchner Philharmoniker müssten nach der Sanierung öfter für Konzerte in den Herkulessaal umziehen, womit diese etliche Abonnements nicht mehr bedienen könnten, so die Süddeutsche Zeitung. Baubeginn ist auf 2020 festgesetzt, die Dauer des Umbaus wird auf zwei Jahre geschätzt.

Auch die CSU Landtagsfraktion stellt sich hinter Seehofers Pläne. Der Umbau solle nur 50 Millionen Euro kosten. Bei einem Neubau sei dagegen mit 200 bis 300 Millionen Euro gerechnet worden. (SZ).

Ludwig Spaenle entwirft dazu ein Konzept: Nach dem Umbau soll es zu einer Doppelnutzung im Gasteig kommen. Die Münchner Philharmoniker und die BR-Symphoniker sollen in 14-tägigem Abstand die Säle tauschen. Werke von Barock bis Wiener Klassik sollen vermehrt im Herkulessaal aufgeführt werden, Werke aus der Romantik bis zur Moderne eher im Gasteig. Sollte sich die Zwillingslösung als nicht durchführbar herausstellen, sei ein Neubau am aber Finanzgarten noch im Gespräch, äußert sich Spaenle. (SZ)

20. Februar 2015: Ministerpräsident Seehofer reagiert auf die heftige Kritik von Seite kultureller Verbände. Er relativiert seine Entscheidung: Es sei „nichts aufgegeben und nichts endgültig entschieden“, versichert er der SZ. In dem Gespräch mit OB Reiter sei lediglich beschlossen worden, die Zwillingslösung zu prüfen. Wer noch neue Standortvorschläge einbringen möchte, muss aber nachweisen können, dass die Adresse für einen Konzertsaal geeignet sei.

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Ministerpräsident Horst Seehofer (cc: blu-news.org via flickr.com)

Die Tore sind zwar geschlossen, die Hintertür bleibt aber angelehnt. Inwiefern es hier um Wählerbesänftigung geht oder ob Seehofer tatsächlich zu seinem langjährigen Versprechen stehen möchte, bleibt vorerst offen. Wahrscheinlich ist letzteres eher nicht. Darum:

Karten auf den Tisch: Wer unterstützt den bisherigen Beschluss der Regierung?

Pro:

CSU Landtagsfraktion: Die CSU Landtagsfraktion steht geschlossen hinter Horst Seehofer. Die Generalsanierung des Gasteigs koste schließlich nur den Bruchteil eines Neubaus.

SPD Stadtratsfraktion: Die SPD Stadtratsfraktion unter Fraktionsvorsitzendem Alexander Reissl begrüßt den Vorschlag, da es endlich zu einem Beschluss gekommen sei. Der Gasteig werde zu einem erstklassigen Konzerthaus umgebaut, über die finanzielle Unterstützung des Freistaats sei man erfreut. Auch im SPD Landtag stimmte die Mehrheit der Abgeordneten für Seehofers Konzept und damit auch verheerend gegen ihren Fraktionschef Markus Rinderpacher, der sich bis zu letzt für einen neuen Konzertsaal starkmachte.

Kulturreferat: Das Kulturreferat sieht eine gleichberechtigte Bespielung eines modernisierten Saals im Gasteig durch die beiden Orchester und private Veranstalter möglich, wenn der Herkulessaal als Ausweichstätte  zur Verfügung steht und genutzt wird.

Münchner Philharmoniker: Die Münchner Philharmoniker loben die Entscheidung für eine Generalsanierung des Gasteigs und nennen es eine Chance die Philharmonie wettbewerbsfähig mit den Konzerthäusern in Tokio, Berlin oder Luzern zu machen.

Werkstatt für Ökodesign und lebendige Kunst GbR: Die Werkstatt für Ökodesign und lebendige Kunst spricht sich auf ihrer Seite finanzgarten.net klar gegen eine Bebauung des Finanzgartens aus. Mit der These „Öffentliche Grünanlagen sind keine Baulandreserven für Konzertsäle“ werben sie für den Erhalt der innerstädtischen Grünflächen. Gegen einen neuen Konzertsaal an sich spräche nichts, nur eben nicht im Finanzgarten.

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Der Herkulessaal soll „ertüchtigt“ werden (cc: Stacey MacNaught via flickr.com)

Contra:

Freie Wähler Landtagsfraktion: Die Freien Wähler fordern einen neuen, internationalwettbewerbsfähigen Konzertsaal für München, damit die Stadt auch zukünftig ihrem Ruf als Kunstmetropole gerecht werde (SZ). Michael Piazolo hielt der Regierung und der Stadtspitze vor: „Sie haben für viele einen Traum zerstört.“ Auch die Grünen äußern einzeln Kritik.

Konzertsaal München e.V.: Der Konzertsaal München e.V. argumentiert, die Zwillingslösung löse die gravierende Unterversorgung des Münchner Konzertsaal Bedarfs nicht. Mit zunehmendem Wachstum der Stadt sei auch ein zunehmendes Interesse an klassischer Musik zu erwarten.

Bayerischer Rundfunk: BR Intendant Ulrich Wilhelm sieht in einem neuen Konzertsaal neue Perspektiven über die Stadt München hinaus. Angesichts der steigenden Bevölkerungszahlen hält er einen zusätzlichen, neuen Konzertsaal für dringend notwendig.

Symphonie Orchester des Bayerischen Rundfunks: Das Symphonie Orchester des Bayerischen Rundfunks stellt das 14 Tage Wechsel Konzept in Frage. Die Planungssicherheit würde dadurch stark beeinträchtigt, womit man Stardirigenten und –solisten nicht nach München holen könne, sagt Orchestervorstand Werner Mittelbach.

Münchner Musikhochschule: Der Umbau des Gasteigs bedeutet für die Musikhochschule, dass sie aus den Nebenräumen ausziehen müsste um Platz zu machen für das Symphonieorchester, so der BR. Präsident der Hochschule Bernd Redmann fürchtet zudem um Auftrittsmöglichkeiten.

Anne Sophie Mutter: Starviolinistin Anne Sophie Mutter wirft Horst Seehofer „Wortbruch“ vor und spricht von einer „katastrophalen Fehlentscheidung“. Sowohl die Philharmonie im Gasteig als auch der Herkulessaal der Residenz seien nicht mehr zeitgemäß und wettbewerbsfähig, sagt Mutter im SZ Interview. Fehlende Räumlichkeiten hielten Musiker in der Folge davon ab, in München aufzutreten.

Christian Gerhaher: Der Weltklassebariton Christian Gerhaher sorgt sich um die Position Münchens in der Welt. München gehöre zu den wichtigsten Musikstädten der Welt, ohne einen neuen Konzertsaal würde München zu einer Schlafstadt verkommen, sagte Gerhauer im BR Interview und ruft öffentlich zum Protest auf.

Valentina Babor: Starpianistin Valentina Babor gründete zusammen mit Fotograph Marcus Freisem die Online-Petition „Errichtung eines neuen Kultur- und Konzertzentrums in München“ auf openpetition, die schon jetzt über 25000 Unterstützer gefunden hat.

 

cc Titelbild: Markus Krempels, Visualisierung DIMENSIONhoch3

1Comment
  • Herbert Gerhard Schön
    Posted at 16:55h, 01 März

    Nun dachte ich eigentlich, dass ich hier schon einen Kommentar gesetzt hätte. Aber es ist hier noch alles leer – daher also jetzt:

    Nun hatte die Süddeutsche Zeitung am vergangenen Dienstag den sehr ernsthaften Textbeitrag „Ein Mangel an Respekt“ zum Münchner Konzertsaal-Debakel von Daniel Barenboim sehr zentral auf der Seite FORUM & LESERBRIEFE veröffentlicht und zum tatsächlich feststellbaren Mangel an Respekt unterschreibe ich sofort viele der Anmerkungen des Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker sofort mit: Natürlich braucht München einen – gerne auch wirklich hervorragenden – dritten Konzertsaal und das nicht nur für das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, sondern auch für die vielen Weltklasse-Orchester, die an Gastspielen für ein bekanntermaßen begeistertes Publikum in München interessiert sind.

    München hat als eine eher kleine Großstadt mit einem relativ großen Einzugsgebiet als Metropolregion für eine Bevölkerung von mehr als fünf Millionen Menschen auch viele übergeordnete kulturelle Aufgaben zu erfüllen – und das gelingt mit den staatlichen und städtischen Museen einigermaßen gut, aber im Bereich der Musik ist das mitunter leider eher nur „solala“ bis halbwegs gut eingerichtet. Wenn heute nun selbst die Chefs der kleineren Münchner Konzertagenturen und Kulturveranstalter http://www.verband-der-muenchner-kulturveranstalter.de/aktionen/aktuelles/ auf ihr schon lange währendes Problem aufmerksam machen, dass es in unserer Stadt keine ausreichend variablen Veranstaltungs-Orte gibt, dann sprechen sie für ein Kultur-Publikum, das eigentlich sehr pflegeleicht ist => denn bei Rock- und Pop-Konzerten braucht es normalerweise keine Bestuhlung.

    Aber bei einem klassischen Konzert mag auch ich sehr gerne bequem sitzen und dabei aber auch alle Instrumente gleichermaßen gut hören – was im GASTEIG auf den billigeren Plätzen manchmal nicht so ganz gelingt. Also bin ich hier auch schon manchmal sachte von einem leeren Platz zum anderen lauschend gewandert, . . .

    Natürlich würde ich mich daher über das Erlebnis eines wirklich demokratischen Hörens in einem dritten und wirklich neuen Konzertsaal sehr freuen und wenn es nach dem Einweihungs-Konzert der Radio-Symphoniker dann auch ein fulminantes Gastspiel vom WEST-EASTERN DIWAN ORCHESTRA http://www.west-eastern-divan.org/ geben würde, wäre ich als Zuhörer wirklich sehr freudig mit großem Applaus dabei.

    Aber diese Vorfreude gilt nur mit einer Einschränkung:
    Dieser neue Konzertsaal darf nicht im Münchner FINANZGARTEN stehen. Und damit komme ich zum wirklich allertraurigsten Moment dieses Münchner Konzertsaal-Wahnwitzes: Viele Konzertsaal-Freunde sind nach den vielen Jahren des fruchtlosen Wartens auf einen dritten Konzertsaal schon so verzweifelt, dass sie hier https://www.openpetition.de/petition/online/errichtung-eines-konzert-und-kulturzentrums-am-finanzgarten-muenchen offensichtlich sehr bereitwillig dafür unterschreiben, eine kleine innerstädtische Grünanlage zur Hälfte zu zerstören, damit dort dann auf einem freigeräumten Bauplatz ein neues Konzertsaal-Gebäude errichtet werden kann. Für mich ist dieses Wunschdenken der bemerkenswerte Ausdruck eines im Grunde genommen höchst armseligen Kultur-Verständnisses, welches so dann auch sehr locker ohne historische Erinnerung auskommt. => Nachdem die vielen Bomben des II. Weltkriegs nur den westlichen Park-Teil im FINANZGARTEN neben dem Bunker der Nazi-Gauleiter-Zentrale (das heutige Landwirtschaftsministerium mit der Adresse Ludwigstraße 2) zerstören konnten und es in der Nachkriegszeit auf dieser Schuttfläche einen langjährigen provisorischen Parkplatz gab, konnte letztendlich mit vielen Spenden der Münchner Bürgerschaft diese Kriegszerstörung am FINANZGARTEN durch viele neue Baum-Pflanzungen in der Zeit von 1982 bis 1984 wieder geheilt werden.

    Es verwunderte mich dann jedoch schon viele Jahre lang, wie solch ein Park mitten in der Stadt wie eine versteckte Oase neben dem Hauptweg zwischen dem HOFGARTEN und dem ENGLISCHEN GARTEN liegen konnte, ohne dass die Menschen selbst im Hochsommer nicht unter dem Schirm der letzten Münchner Innenstadt-Buchen hindurch auf die freie Wiese im Westen vor dem ehemaligen Bastions-Hügel schauen wollten. Nun ja – der Münchner FINANZGARTEN ist offensichtlich nicht mit dem Gezi-Park in Istanbul vergleichbar und er ist übrigens auch nur halb so groß. Aber der Münchner FINANZGARTEN liegt ganz nahe am U-Bahnhof ODEONSPLATZ und direkt neben dem Altstadtring-Tunnel, was in den Augen der Konzertsaal-Freunde wohl schon eine hervorragende Lage sein muss, um das GRÜN der halben Parkfläche gegen das GRAU eines Konzertsaal-Bauwerks einzutauschen.

    Es geht aber freilich noch viel verrückter – wir könnten schon seit fünf Jahren einen dritten (= neuen) Konzertsaal in München haben!

    Wir hatten im Jahr 2007 schon einen erfolgreich abgeschlossenen Architekten-Wettbewerb für einen Konzertsaal-Neubau im bzw. beim MARSTALL http://www.stbam1.bayern.de/hochbau/projekte/marstall.php und der Entwurf mit dem ersten Preis bekam hinterher jedoch eine schlechte Akustik-Bewertung durch den japanischen Gutachter Prof. Yasuhisa Toyota erteilt. Warum wurden damals nicht die anderen Entwürfe mit untersucht und bewertet – schon im Rahmen der Wettbewerbs-Jury? Es gibt übrigens keinen Zwang zum ausschließlichen Bau des erstbepreisten Entwurfes und dieser hochwertige Architekten-Wettbewerb wurde von uns SteuerzahlerInnen eh schon bezahlt. Darüber hinaus war – und ist – der Marstallplatz ein wunderschön leerer Konzertsaal-Standort in der Münchner Innenstadt. Selbstverständlich weise ich hier nun wieder ganz besonders auf den Entwurf von Frank Winterhalter und Ulrike Hautau aus Freiburg hin. Dieser Entwurf (Nr. 1037) wurde auch angekauft und es fehlt eigentlich nur noch das positive Akustik-Gutachten. Der besondere „Makel“ dieses Entwurfs könnte aber sein, dass der Konzertsaal-Bau selbst so gut wie nicht zu sehen ist, weil er größtenteils im Marstallplatz versenkt wäre.

    Nach einem länger anhaltenden Schrecken über den Marstall-Wettbewerb wurde im Jahr 2011 eine Arbeitsgruppe im Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst mit der Erfassung und Beurteilung der möglichen Konzertsaal-Standorte beauftragt und hier gab es auch seitens der Münchner Stadtverwaltung eine fachlich intensive Mitarbeit bei den Standorte-Bewertungen. Aus den vielen denkbaren Bauplatz-Optionen http://www.finanzgarten.net/ubersicht-der-moglichen-konzertsaal-standorte/ blieb dann nur noch der FINANZGARTEN übrig und daraufhin wurde als neuer Zusatz-Auswahlort der Kongress-Saal im DEUTSCHEN MUSEUM vom damaligen Staatsminister Dr. Wolfgang Heubisch noch in eine erneute Diskussions-Quälstrecke mit eingepackt. Der komplette Abschluss-Bericht der Arbeitsgruppe zur Konzertsaal-Bauplatz-Suche liegt jetzt beim Staatsminister Dr. Ludwig Spaenle im Minsterium vor den Augen der immer kritischer werdenden Öffentlichkeit leider gut verschlossen im Schrank. Warum ist das so? Warum wurde dieser Bericht nicht veröffentlich?

    So vergingen die letzten Jahre relativ ergebnislos und jetzt staunen wir über dieses Konzertsaal-Debakel, das uns unter Umständen einen unrühmlichen Spitzenplatz KATASTROPHEN-PLANUNG nahe Berlin und Hamburg verschafft. Da soll am Gasteig ein noch nicht wirklich alter Konzertsaal zu einem scheinbar neuen Konzertsaal rundumerneuert werden, was uns dann auch noch in der Größenordnung von insgesamt etwa 400.000.000,- Euro wirklich sehr teuer zu stehen kommen könnte. Für diesen Betrag werden in Polen, in den baltischen Staaten und sogar in Deutschland (im Ruhrgebiet, nicht in Hamburg) zwei wirklich neue Konzertsaal-Gebäude gebaut. Wirklich neu (und noch nicht ganz fertig gebaut) ist derzeit die neue PHILHARMONIE im Pariser Nordosten http://www.theguardian.com/artanddesign/2015/jan/15/philharmonie-de-paris-jean-nouvels-390m-spaceship-crash-lands-in-france?CMP=share_btn_fb und wenn wir weiterhin darüber diskutieren wollen oder müssen, wie so etwas im FINANZGARTEN tatsächlich ausschauen täte, . . .

    Um jedoch freundlich zu schließen, möchte ich mit dieser Sicht http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/quer/150205-quer-schlaeger-100.html auf die aktuelle Münchner Konzertsaal-Frage einen historischen Hinweis anbringen: Wo wir jetzt den BAYERISCHEN LANDTAG über München schweben sehen, wollte unser König Ludwig II. seinem musikalischen Freund Richard Wagner ein absolut prächtiges FESTSPIELHAUS hinbauen. Die Münchner Bürger motzten aber auch damals schon über alles mögliche, was so von oben herab beschlossen und angekündigt wurde.
    Das Wagner´sche FESTSPIELHAUS wurde dann eben in Bayreuth, also in Oberfranken gebaut.

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