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„So ein Festival muss ein Wagnis sein“ – Das Panta Rhei Festival in der Muffathalle und im Blitz

Tobias Wullert

Mit Grunge und Indie und einem Berg Mixtapes aufgewachsen, verschlug es mich Ende der Neunziger nach München. Ich kam über die Musikredaktion von M 94,5 zum Journalismus.Nächte im Atomic Café wie auch in der Registratur und in der Roten Sonne prägten meinen Musikgeschmack, den ich seit über zehn als DJ und freier Journalist auslebe.
Tobias Wullert
TOBIAS_STAAB

Tobias Staab, Organisator des Panta Rhei Festivals.

Zum ersten Mal findet am Samstag, 5. Mai, das Panta Rhei Festival statt, ein grenzüberschreitendes Festival, das es so in München noch nicht gab. Wir sprachen mit Organisator und Initiator Tobias Staab über die Auswahl der KünstlerInnen, fließende Geschlechterkonzepte und warum man in München immer alles richtig verpacken muss.

Was ist die Idee des „Panta Rhei“ Festivals?

„Wir wollen ein interdisziplinäres Festival schaffen, das nicht nur den Fokus auf Musik legt. Musik steht klar im Vordergrund, wird aber begleitet von installativer und digitaler Kunst. Bei der Musikauswahl geht es darum Acts wie Sleaford Mods, Mykki Blanco oder Pantha Prince zu präsentieren, die verschiedene Musikstile wie Punk, HipHop, Elektro, Ambient Noise mischen und die auf ihre Weise transgressiv und radikal sind.

Wie bist bei der Auswahl der Acts vorgegangen?

Es ging mir darum abseitige Künstler zusammen zu bringen, die man so in der Konstellation noch nie zusammen gesehen hat, wie eben die Sleaford Mods neben Empty Set oder Lotic. Unser Festival heißt ja „Panta Rhei“ alles fließt, ein Zitat von Heraklit und das zeigt sich eben auf mehreren Ebenen. So fließen verschiedene Genres zusammen, sowie verschiedene Kunstformen ineinander und darüber hinaus steht als übergeordnete Philosophie das Konzept fließender Identitätskonzepte – die Schwelle zwischen realer und virtueller Welt oder auch fließende Geschlechterkonzepte bei Acts wie Faka, Lotic oder Mykki Blanco, die aus der Queer-Szene kommen.

Ich hab sie tatsächlich so ausgesucht, dass es auch die besten Bands sind, die ich in den letzten Jahren erlebt habe.

Wie passen die Sleaford Mods in dieses Konzept?

Die Sleaford Mods passen da sehr gut rein. Sie bringen ihre Punk-Haltung mit. Irgendwie sind die Sleaford Mods die legitimen Nachfolger von The Fall, der legendären (Post-)Punk-Band um den jüngst verstorbenen Mark E. Smith und sind auch gerade die einzige Protestband, dieser Tage, die auch noch so eine politische Ebene mit hineinbringen. Sie kombinieren genreüberschreitend Sprechgesang, Grime und Hip Hop wie bei The Streets mit Punk- und New Wave wie bei The Fall. Und waren außerdem eins der besten Konzerte, das ich in den letzten Jahren gesehen habe. Ohne Band, ganz minimalistisch.

Mykki Blanco dagegen steht in einem Queer-Kontext.

Mykki Blanco ist eine sehr schillernde Figur und steuert da ein Hip Hop-Element bei und liefert einen wilden Genre-Mix und hat die Vorzeichen von Hip-Hop grundlegednd verändert.

Für mich ging irgendwann HipHop nicht mehr, weil es al Genre Geschlechterverhältnisse nur noch traditionell reproduziert, fast schon betoniert. Da kommt dann jemand wie Mykki Blanco, der mit den gleichen Stilmitteln arbeitet, aber dann im Brautkleid auftritt, die Gestik aufnimmt und das Ganze unterwandert. Und wer ihn schon mal gesehen hat, der reißt wirklich die Wände ein.

Dann sind noch Emptyset aus Bristol dabei. Ein elektronisches Duo, das eigentlich Noise macht, aber das mit abstraktem Techno zu einem unglaublich physischem Sound vermischt. Ich habe außer noch Sunno))) nie so ein körperliches Konzerterlebnis gehabt wie bei Emptyset. Ebenfalls im Noise-Bereich bewegt sich Tara Transitory. Sie thematisiert in ihrer Performance ihre Wandlung vom Mann zur Frau. Sowas würde man nie in München sehen und deswegen muss so ein Festival auch ein Wagnis sein.

Dann werden auch FAKA aus Südafrika auftreten. Sie waren eigentlich eine Performance-Gruppe und sehen sich als Plattform für eine neue Queer-Szene, die in Johannesburg entsteht. Sie vermischen bei Auftritten Performance-Art, Musik und Mode. Eigentlich machen sie so eine Art Drag Show. Ich habe sie letztes Jahr auf einem Unsound-Festival in Krakau gesehen und die gingen mir nicht mehr aus dem Kopf.

Was unterscheidet „Panta Rhei“ vom „La Ritournelle“ in den Kammerspielen, bei dem du ebenfalls involviert bist?

Bei „La Ritournelle“ geht es um elektronische Tanzmusik an einem Clubabend und „Panta Rhei“ ist musikalisch, stilistisch und durch die Installationen sehr viel breiter gestreut. Die Installationen kommen von Quadrature aus Berlin, die beschäftigen sich viel mit Robotik und die tracken im Rahmen ihrer Visual Performance Weltraumschrott in Echtzeit. Der wird dann visualisiert und auch hörbar gemacht. Im anderen Studio im Muffatwerk zeigt Frank Balve eine Installation mit Röhrenfernsehern.

Und nach den Konzerten geht es dann im Blitz weiter?

Der zweite Teil des Abends findet dann als Blitz-Clubnacht statt.  Alessandro Cortini von Nine Inch Nails eröffnet die Clubnacht mit einem Ambient-Liveact.

Pantha du Prince.

Hauptact ist dann Pantha du Prince, der für seine aktuelle Tour mit mit dem norwegischen Perkussionisten Bendik Hovik Kjeldsberg (ehemals Teil des „Bell Laboratory“) zusammenarbeitet, der auf eigens für Pantha du Prince gebauten Instrumenten spielen wird.

Lotic kommt vom Janus-Label und ist in Berlin eine echte Ikone der Gay-Kultur. Er legt meist im Berghain auf hat einen DJ-Stil etabliert, der so viele verschiedene Genres durchkreuzt und bringt Technotracks mit Rihanna oder Beyonce-Samples zusammen, die so klein gecuttet sind, dass man sie kaum noch wieder erkennt. Einer der besten DJs, die ich je gehört habe, weil er völlig unerwartetete Sounds und Ästhetiken vereint.

Hattest du das Gefühl dass ein solches Festival in München fehlt?

Ja total. Aber merke auch das man in München kämpfen und die Leute von Null an überzeugen muss. Bei La Ritournelle buche ich ja oft Bands und Liveacts, die in München noch relativ unbekannt sind, aber buche dann noch Acts dazu, die die Leute kennen und dann kommt ja auch das Publikum und schaut sich Acts an, die sie normal nicht unbedingt sehen würden und sind meist auch begeistert. Aber man muss es eben richtig verpacken für den Münchner.

Das macht ja auch „Alien Disko“ das Festival, dass The Notwist kuratiert.

Notwist haben eben auch eine extrem große Zugkraft und das Standing, sich das Programm anzuschauen, wenn mir Notwist dass empfiehlt. Notwist haben über ihre Karriere als Musiker ausgiebig gezeigt, dass sie in unterschiedlichsten Stilrichtungen extrem geschmackssicher sind. Diese Einflüsse spiegeln sich auch wieder in dem Programm von „Alien Disko“, Deswegen verstehe ich auch warum das Publikum ihnen so vertraut.

An den Punkt muss ich erst noch kommen.

Danke an Tobias Staab.

Du hast Lust bekommen? Wir haben noch Tickets!

Und weil MUCBOOK ja MUCBOOK ist, haben wir noch 2×2 Tickets für diesen Samstag. Wer zuerst kommentier, malt zuerst – und zwar auf Facebook. 


Infos in aller Kürze:

Was? PANTA RHEI – KOMBITICKET Muffathalle & Blitz

Wann? Sa, 05.05.18, 20:01 Uhr
Wo? Muffathalle, Zellstr. 4, 81667 MÜNCHEN

Wie viel? Nur Muffathalle: VVK € 27 zzgl.Gebühren AK € 34,30 zzgl. 0,50 Systemgebühr
Nur Blitz 19,15
VVK Kombiticket Muffathalle & Blitz € 43,50 zzgl.Gebühren
Mehr Infos gibt es hier!

 

Beitragsbild: Metroscan © Dmitrij Matvejev

 

 

 

1Comment
  • Maxi The Cricket
    Posted at 14:10h, 03 Mai

    Das ist super ! Ich möchte es gewinnen 🙂

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