Kammerspiele München No Sex
Aktuell, Kultur, Nach(t)kritik

NO SEX: Cluster, Zimmerpflanzen und Karaokebar

Janna Lihl

"Denkt glückliche Gedanken!" ... und schreibt darüber ...
Janna Lihl

NO SEX schreien bereits die neonfarbenen Lettern der Kammerpiel-Plakate allen entgegen. Der Titel des Stücks von Toshiki Okada an den Kammerspielen lässt es bereits vermuten; es geht um Sex bzw. eben um dessen Abwesenheit. Angelehnt an den Trend japanischer Jugendliche, die zu einem Leben ohne Sex tendieren, inszeniert Toshiki Okada eine Zukunft, in der jungen Menschen Sex als Kulturpraxis fremd ist.

Vier junge Männer, die sich mit Namen von Zimmerpflanzen ansprechenden, treffen in einer Karaokebar auf zwei reifere Menschen. Es beginnt ein Austausch der Cluster über das Singen und Philosophieren von Liebesliedern. Spielt das Stück eindeutig in einer japanischen Karaokebar, so könnte es jedoch von seiner Aktualität und unterschwelligen Botschaft her überall stattfinden.

No Sex Kammerspiele

Sind wir wirklich zu faul für zwischenmenschliche Verbindungen? Ist No Sex das Statement einer „I would prefer not to“-Kultur? Ist eben doch alles zu anstrengend? Dieses Sich-finden und dann auch noch den Ansprüchen gerecht werden… Es gibt doch viel zu viele Regeln, was und wie (guter) Sex funktioniert. Dann lieber gar keinen. Aber eine gewisse Neugierde dem Unbekannten gegenüber gibt es dann doch. Gespannt wird den Ausführungen der „Alten“ gelauscht, die von Leidenschaft reden, ganz ungehemmt wirken und zwischen Schonbezügen und plastiküberzogenen Matratzen ein Gefühl der Hingabe aufglimmen lassen.

Liebe, Gefühle und Details werden dem Publikum bei NO SEX nicht nur verbal mitgeteilt. Angelehnt an das Nō Theater, einer traditionellen japanischen Theaterform, drücken sich die Protagonist*innen ebenfalls durch Bewegung aus. Durch eine Art von Tanz vermitteln die Schauspielenden ihre eigenen subtilen Botschaften. Und auch das Bühnenbild zeugt von einer Liebe bis ins kleinste Detail. So darf die Zierpflanze am Treppeneingang der Karaokebar nicht fehlen, auch wenn sie vom Zuschauerraum aus so gut wie unsichtbar ist.

Kostüm, Bühnenbild und Spiel ergänzen sich bis in alle Einzelheiten und geben, so wie der kleine Pferdeschwanz des Karaokebetreibers, dem Stück das gewisse Extra.


No Sex, Kammerspiele München. Mit Thomas Hauser, Christian Löber, Stefan Merki, Annette Paulmann, Benjamin Radjaipour, Franz Rogowski / Inszenierung Toshiki Okada / Bühne Dominic Huber / Kostüme Tutia Schaad / Musik Kazuhisa Uchihashi / Licht Pit Schultheiss / Dramaturgie Tarun Kade, Makiko Yamaguchi


Fotos: Kammerspiele München © Julian Baumann

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