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Olympia in Südkorea: diese MünchnerInnen sind am Start

Benjamin Brown

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Und irgendwie lande ich dann doch immer wieder in München…
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Es hätte unser eigenes Wintermärchen werden können: Die Olympischen Winterspiele in München. München hatte gute Chancen, die olympischen und paralympischen Winterspiele nach Bayern zu holen. Die Münchner Bewerbung war stark. Und doch fiel die Entscheidung, die Spiele nach Pyeongchang, Südkorea, zu vergeben. München hat als Standort verloren, was natürlich nicht heißt, dass einige Münchner SportlerInnen nicht dennoch Chancen auf eine Medaille haben. Warum nichts aus dem olympischen Wintermärchen wurde und welche großartigen SportlerInnen dieses Jahr nach Südkorea aufbrechen, liest du in diesem Artikel.

Warum? Darum: Für den Wintertraum fehlten die Dollars

„Das ist eine deutsche Niederlage (…). Man hat sich entschieden, weiter in neue Märkte und Regionen zu gehen“, kommentierte der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees Thomas Bach die Entscheidung. Damit befeuerte der ehemalige Fechter die Diskussion um die fragwürdige Vergabe noch mehr. Dass Südkorea dem IOC neue Einnahmequellen im asiatischen Raum verspricht, schien zumindest einen wichtigen, wenn nicht gar den größten, Einfluss auf das Votum gehabt zu haben.

Und so finden die olympischen Winterspiele 2018 in Südkorea statt. Vom 9. bis zum 25. Februar 2018 messen sich Wintersportler aus aller Welt – voraussichtlich auf Kunstschnee. Vom 9. bis zum 18. März sind dann die Para-Athleten an der Reihe.

Münchner Athleten auf der Jagd nach Gold

Mit dem „Wintertraum 2018“, wie sich Franz Beckenbauer Olympia und die Paralympics in München ausmalte, wird es also nichts. Mit dem deutlichen Votum der Bürger aus München und den Landkreisen Garmisch-Partenkirchen, Traunstein und Berchtesgadener Land stand fest: 2022 werden ebenfalls keine Spiele in Bayern stattfinden. Die deutliche Mehrheit der Bevölkerung hatte sich gegen eine erneute Bewerbung ausgesprochen.

Dennoch könnte im Winter 2018 für einiger MünchnerInnen ein Traum in Erfüllung gehen. Einige Athleten, die in Pyeongchang um einen Platz auf dem Podest kämpfen werden, kommen aus München oder studieren hier. Zudem spielen sechs Spieler des Eishockeyteams beim EHC Red Bull München.

Das sind Münchens Olympia-Teilnehmer

Die deutschen Eishockey-Frauen haben die Olympiateilnahme verpasst, die Männer sicherten sich das Ticket hingegen mit dem Sieg beim Qualifikationsturnier in Lettland. Danny aus den Birken, Daryl Boyle, Frank Mauer, Patrick Hager, Yannic Seidenberg, Brooks Macek, Konrad Abeltshauser und Dominik Kahun spielen allesamt beim EHC und werden voraussichtlich mit der Nationalmannschaft nach Pyeongchang reisen. Ganz sicher ist ihre Teilnahme aber noch nicht: Bis zum 23. Januar muss der Bundestrainer Marco Sturm noch fünf Spieler aus seinem Kader, der aktuell 30 Sportler umfasst, streichen.

Runter vom Eis und ab auf die Skipiste: Kea Deike Kühnel studiert in München BWL und VWL und wird im Freestyle Ski antreten. PULS hat sie bei einer Reise nach Asien begleitet, wo sie der chinesischen Skiszene einen Besuch abstattete.

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Die Münchnerin Silvia Mittermüller (hier im PULS Interview) wollte eigentlich an der LMU Medizin studieren. Stattdessen wurde die 34-Jährige Profi-Snowboarderin und holte 2005 die erste deutsche Medaille bei den X Games.

Patrick Bussler wohnt in Aschheim und ist ebenfalls Snowboarder. Der 33-jährige war erst leidenschaftlicher Skifahrer bevor er aufs Brett wechselte. Er ist der erfahrenste deutsche Snowboarder und wird in Pyeongchang zum vierten Mal bei Olympia antreten.

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Das sind Münchens Para-Athleten

Anna Schaffelhuber ist ohne Zweifel der Shooting-Star der deutschen Paralympics-Szene. Die 24-jährige Jura-Studentin gewann bei den Olympischen Spielen in Sotschi fünf Goldmedaillen im Monoskibobfahren. Ein Monoskibob ermöglicht RollstuhlfahrerInnen das Skifahren im Sitzen. Statt Skistöcken verwenden SportlerInnen Stützen am Unterarm, die mit kleinen Skiern am Ende ausgestattet sind und so Stabilität verleihen. Anna Schaffelhuber studiert an der LMU und gilt auch in Pyeongchang als Medaillenhoffnung.

Ende Dezember war die Sportlerin in der ARD-Sendung „Grenzenlos – Die Alpenüberquerung mit Anna Schaffelhuber“ zu sehen.

Clara Klug ist ebenfalls Studentin an der LMU. Und wie Anna Schaffelhuber gilt sie als Medaillenhoffnung. Die Langläuferin und Biathletin wurde mit einer Sehbehinderung geboren und ist mittlerweile fast blind. Doch das hat die 23-jährige nicht daran gehindert, sportlich Großes zu leisten. In der vergangen Saison wurde sie 2. im Para-Biathlon Gesamtweltcup.

In Wettkämpfen startet die Studentin der Computerlinguistik zusammen mit ihrem sehenden Guide. Er gibt ihr Anweisungen und hilft ihr dabei, sich auf der Strecke zu orientieren. Beim Schießen erhält Clara Klug über Kopfhörer akustische Signale. Je akkurater sie zielt, umso höher ist der Ton, den sie hört. „Die Kunst besteht darin, im richtigen Moment in Ruhe abzudrücken“, erklärt die Athletin, die in Pyeongchang zudem im Langlauf an den Start geht.

Wer sich auf den sehenden Guide verlässt, muss enormes Vertrauen haben und darf sich von (Trainings-)Stürzen nicht abschrecken lassen. Es ist eine enorme Verantwortung. Eine, die Lutz Klausmann trägt. Der 25-jährige studiert in München und ist der Begleitläufer des sehbehinderten Langläufers und Biathleten Nico Messinger. Neben seinen Aufgaben als Guide muss Lutz Klausmann ebenfalls sportliche Topleistungen abrufen – schließlich muss er seinem Partner vorausfahren. Während Nico Messinger schießt, kann sich sein Guide „ausruhen“. Und doch sind die Schießergebnisse für Klausmann erheblich – schließlich muss er mögliche Strafrunden bei Fehlschüssen auch absolvieren, um seinen Teampartner ins Ziel zu führen.

Die Mucbook-Redaktion wünscht allen Münchner-Athleten, die in Pyeongchang teilnehmen, viel Erfolg und hofft auf zahlreiche Münchner-Medaillen.

 

 


Beitragbild: Photo by Urban Sanden on Unsplash
Foto Anna Schaffelhuber: www.panzenberger.com
Foto Clara Klug: Martin Härtl
Foto Lutz Klausmann: www.pamdoylephoto.com

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