Kultur, Nach(t)kritik

Organic Glitter, Bitch

München kann elektronisch! Zwischen Steinmauern, vom Bass vibrierenden Scheiben und Industrieflair pur fand am Samstag das feine elektronische Organic Dance Music Festival statt. Mit Glitzer, Bier und Blumen im Haar wurde getanzt und gefeiert – bis sich die Wolken wieder lila färbten…

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Es ist 4 Uhr morgens, ich stehe an der Bushaltestelle Freimann. Oh Menno! Warum muss genau jetzt Ersatzverkehr sein?! Ich bin umringt von Menschen, die wahrscheinlich gerade genau dasselbe denken wie ich: „Hoffentlich schaffe ich es in diesen viel zu kleinen Bus!“ Wir stehen hier nämlich gefühlt zu hundertst. Der Bus nähert sich, wir stürmen los. Wie Sardinen in der Dose stehen wir gequetscht im Bus …wenn sich nun auch noch die Hintertür schließen würde, ich sänge ein Halleluja…Während „Herr Busfahrer“ sich durch die außenstehenden Besoffskis windet und versucht das Problem der absurd-witzigen Problematik zu finden, gehen mir die Bilder der letzten Stunden durch den Kopf…

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18.00Uhr: Als ich ankomme, bin ich erstmal damit beschäftigt mich zu orientieren. Auf dem egoFm Floor feiern die Leute bereits ausgelassen zu Monkey Safari, die widerum lässig Kippe rauchend an den Knöpfen drehen. Nach dem ersten Schluck kühlen Bieres fügen meine Freunde und ich uns in die wogende Masse ein und um nicht aufzufallen, schmücken wir unsere Gesichter mit Glitzer. Es kann losgehen!

Auf dem Secret Floor triezt währenddessen DJ Hell die Meute mit seinen Tunes. 5 Floors und ein geiles Programm. Der Abend kann nur gut werden.

22Uhr: Die Zeit vergeht wie im Flug. Auf dem egoFM Floor hat mittlerweile Tensnake das Ruder in die Hand genommen und im Zenith stehen die einzigartigen Howling auf der Bühne. Nichts wie hin! Schließlich müssen auch noch ein paar Bilder für die Welt festgehalten werden! Howling sind fantastisch. Mit viel Gefühl und in rotes Licht getaucht bringen sie das Publikum zum Schweben.

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Etwa zur selben Zeit vibrieren die Scheiben zu Alex Banks und DJ Spinn&DJ Taso….ein wenig zu krass für unseren Geschmack, aber ein paar Leute feiern es voll ab.

23Uhr: Das große Programm im Zenith geht schnurstracks weiter. Moderat stehen in den Startlöchern und liefern eine Show ab, dass es nur so knallt! Ihre Bühnenprojektion ist einfach nur der reine Wahnsinn, sodass es fast unmöglich war, diese mit Fotos oder Videos festzuhalten. Laser wandern durch die Masse und durch die vierblättrige Leinwand wirken die Bilder dreidimensional. Die Menschen tanzen und jubeln, va. als die ersten Beats zu „Bad Kingdom“ ertönen. Damit ihr euch die Performance in etwa vorstellen könnt, gibt es hier zumindest ein Video von ihrer Liveshow aus Prag:

Mitternacht: Die ersten „Schwächeanfälle“ ziehen durch die Gruppe. Essen muss her! Im Foodcorner stehen einem zwei Möglichkeiten zur Verfügung. 1. -> Man holt sich einen megaleckeren Burger  und muss dafür allerdings ca 3 Stunden anstehen, oder 2. -> man geht zu einem kleinen, etwas abgeranzten Wagen nebenan, der Sulvaki mit Zitrone und  Tzatziki (direkt aus dem 10Liter Bottich) für 2,50Euro anbietet. Gekauft!

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In 20 Minuten geht Boysnoize los, es heißt also noch schnell ab auf die Toilette ( welche übrigens immer sehr sauber waren und man nie lange anstehen musste – Lob!), noch kurz ein Käffchen getrunken, um wieder wach zu werden (hätte den ersten herumtorkelnden Trinkern bestimmt auch gut getan) und ab auf die Tanzfläche!

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2uhr: Puuuh da hat er aber mal ordentlich was abgeliefert der Boysnoize! Mit Projektionen in SEGA-Style und Lasern, die einen fast erblinden lassen, ist er selbst am Mischpult abgegangen wie Schnitzel. Respekt! Darauf erst einmal eine Raucherpause.

Die Beine werden langsam schwer vom vielen Tanzen. Wir setzen uns auf den Boden und glotzen Menschen unter den augespannten Fähnchen. Dabei fällt mir ein, was für teilweise absurde Begegnungen wir heute schon hatten: Menschen, die einem das Ohr wegbrüllen, weil sie meinen, einem ihre ganze Lebensstory erzählen zu müssen – direkt vor den Boxen. Dann widerum Leute, die 3 Sekunden lang wie bekloppt vor einem rumzappeln und dich somit zum tanzen auffordern wollen ( sind übrigens auch die Leute, die mit Sonnenbrille in der Halle herumlaufen).Ich liebe solche Begegnungen. Prost!

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2Uhr: Die Nacht ist noch jung und es liegen noch 3 Acts vor uns. Die übrige Energie wird innerlich zusammengekehrt , die Augen weit aufgerissen, die Beine durchgeschüttelt und ein neues Bier geholt. Der Glitzer funkelt noch perfekt um unsere langsam kleiner werdenden Augen – Auf in die letzte Runde: Der gute Fritz Kalkbrenner, Modeselektor und Schlachthofbronx!

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Wir starten mit dem Fritz. Dieser legt eine- sagen wir -normal gute Performance hin.Er spielt die bekanntesten Songs aus seinem Repertoir  (u.a Kings in Exile, Right in the Dark und, war ja klar, Sky and Sand) und schließt mit blauem Konfettiregen ab. Hut ab, er singt live während er an den Knöpfen schraubt. Gut getanzt.

Drüben im Kesselhaus legen Modeselektor auf. Leider etwas enttäuschend. Liegt aber vielleicht auch daran, dass es an diesem Abend sowieso etwas an Stimmung im Kesselhaus fehlt. Dafür rocken danach Schlachthofbronx die Bühne. Für uns ein perfekter Abschluss, wir haben nochmal alles gegeben!

4Uhr: Wir steuern in Richtung Buhaltestelle. Dabei lassen wir das Festival Revue passieren. Das Debut dieses Festivals ist unserer Meinung nach voll und ganz gelungen, obwohl ein kleiner letzter Funke gefehlt hat. Lag es am Publikum? An den Acts? An dem Ort selbst oder einfach nur an unserer Tagesform? – Wir wissen es selbst nicht so genau.

Am Line-Up konnte man nichts bemängeln, die Organisation und Umsetzung des Festivals war einwandfrei. Was uns ein wenig aufstoßen ließ war die Tatsache, dass man für diesen einen Tag/Nacht 50 Euro hinblättern musste und an der Bar auch ordentlich sein Geld los wurde. Ganz ehrlich, 4 Euro für ein Wasser?

Trotz alledem steh ich hier immer noch in dem Bus mit der kaputten Tür und den vielen tollen betrunkenen Menschen und freu mich bereits auf das nächste, hoffentlich bald folgende Organic Dance Music Festival.In diesem Sinne: Rave and Romance – Over and out!

Fotos: © Désirée Damm

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