Kultur, Nach(t)kritik

Passenger beschließt das Tollwood Finale in der Musik-Arena

Gloria Grünwald

„Tonight, there’ll be moments when I’ll make you feel absolutely miserable. And there’ll be times when I need your help to make some noise!“ Auf ein bisschen Herzschmerz muss man sich schon einlassen, wenn man den Abend auf einem Passenger Konzert verbringen möchte. Es darf aber ebenso getanzt, gesungen und geklatscht werden. Das Singer-Songwriter Phänomen aus Brighton ist an diesem finalen Tollwoodsonntag so emotional wie authentisch! Nach Gregory Porter, ZAZ und Patti Smith ein weiteres Highlight von #mucbookmeetstollwood.

Photo by Jarrad Seng

Neben vielen kleinen Höhepunkten wird der Moment als Mike Rosenberg alias Passenger Let Her Go – „the only big song I’ve ever had“ – anstimmt, zu einem ganz besonderen: Er bedankt sich beim Publikum für die Begeisterung und Energie und schwört, dass er schon lange nicht mehr so viel Spaß hatte, dieses Lied vor Menschenmassen zu spielen. Schon zu Beginn des Konzerts kommt Rosenberg aus dem Danke sagen gar nicht mehr heraus, kann er doch gar nicht glauben, dass er eine ausverkaufte Musik-Arena vor sich hat. Diejenigen, die sich unter Passenger vielleicht eine Band mit großer Besetzung vorgestellt haben, habe er nicht enttäuschen wollen, er sei eben nur ein Mann mit seiner Gitarre. Der unglaubliche Erfolg der letzten Jahre und die Reaktionen der Tollwood-Besucher zeigen, wie wirksam dieses Rezept sein kann.

One-Man-Show, das ist das Motto des gesamten Abends. Tour-Kompagnion Stu Larsen, ein mit seinen langen zerzausten Haaren etwas wild aussehender Mann mit Gitarre und Mundharmonika, eröffnet für seinen Kumpel Rosenberg mit sanften Traveller-Folksongs. Stu Larsens Musik ist gefühlvoll und eingängig, sodass nicht nur die Fans in den ersten Reihen schon bald mit einstimmen können. King Street erzählt dabei tieftraurig von Verlust; gemeinsam mit San Francisco, einer Ode an den Roadtrip in der kalifornischen Sonne, und mit einer Coverversion des Coldplay Songs Fix You packt Stu seine ganze Bandbreite in 30 Minuten.

Stu Larsen_Tollwood_Fotocredit Marcus Schröpfer

Auch Passenger versucht im Anschluss sein künstlerisches Schaffen, das mittlerweile laut eigener Aussage sieben(!) Veröffentlichungen umfasst, in ein 90-minütiges Set zu pressen. Keine einfache Aufgabe! Die Abwesenheit einer Band verschafft ihm aber die nötige Freiheit, zwischen Songs hin und her zu springen, das Tempo zu verlangsamen oder schneller zu spielen, wenn ihm danach ist, und verschiedene Mash-Ups und Medleys aus mehreren Songs zu basteln. Rolling Stone mischt er mit dem 80er Klassiker Eye of the Tiger, bevor die Melodie in seinen Nummer 1 Hit Let Her Go übergeht.

Passenger ist nicht nur Vollblutmusiker, er ist auch Geschichtenerzähler. Zum Song Travelling Alone aus dem aktuellsten Album „Whispers II“ inspirierte ihn die bewegende Lebensgeschichte eines reisenden Australiers und die einer jungen Dänin, die er beide in Kopenhagen auf der Straße traf. Tatsächlich stecken in den Passenger Texten mal mehr mal weniger Symbolik, aber immer große Bedeutung. Man sollte aufmerksam lauschen, um die Kernaussage oder den Wendepunkt in der Geschichte nicht zu verpassen. Die sympathische Art, mit der Rosenberg zwischen den Songs mit dem Publikum scherzt, hilft dabei, auch den Letzten restlos zu begeistern. Laut und aus vollem Halse hält nach dem letzten Song vor der Zugabe der Chor aus den Zuschauerrängen an. Minutenlang bleibt es spannend, dann erscheint Rosenberg noch einmal auf der Bühne, um uns mit einem Bruce Springsteen Cover und dem versonnenen Holes in die Nacht zu entlassen.

Fotocredit: Titelbild Passenger Jarrad Seng
Bild 2 Stu Larsen Marcus Schröpfer

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