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Pilotprojekt Sommerstraße: Endlich wieder Platz im Westend

Ilona Gerdom

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Ilona Gerdom

Am Anfang kannten ihn nur die Leute im Westend. Mittlerweile kommt es vor, dass man auch in Schwabing mal hört: „Lass uns doch zum schwarzen Dackel.“ Gerade in lauen Sommernächten ist die Bar beliebt. Dann sitzt auf dem Bordstein an der Schwanthalerstraße 158 ein bunt gemischtes Publikum, lacht, ratscht, trinkt Bier und Vino. Ob Hipster, Insta-Fashionista, jung oder alt – vor dem Dackel gibt sich dann doch jeder dem rustikalen Charme des Westends hin. In diesem Sommer könnte es sogar noch besser werden. Denn im Herzen der Schwanthalerhöhe soll eines von zwei Pilotprojekten gestartet werden, dass mehr Platz für Menschen statt Autos schaffen soll.

Gehwege ausbauen, Parkplätze einsparen

Hauptsächlich geht es darum Straßen für Autos zu sperren und stattdessen kleine Fußgängerzonen zu schaffen. Diese Idee kommt aus der schwedischen Hauptstadt Stockholm. Dort müssen Autofahrer in diesem Sommer mit ihrem Fahrzeug einen Bogen um ausgewählte Straßen machen. Die sogenannten „Summer Streets“ sind von Mitte Mai bis Mitte September für den Verkehr gesperrt.

Ganz so drastisch sollen die Münchner „Sommerstraßen“ aber nicht ausfallen. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, sollen im Westend für zehn Wochen an der Kreuzung Parkstraße/Schwanthalerstraße die Gehwege erweitert werden. Das heißt, dass an der Kreuzung an jeder Straßenseite zwei Parkplätze abgeschafft werden. Die Bürgersteige sollen dann von 12. Juni an durch hölzerne Stege vergrößert werden. Dadurch entstehe eine Fläche von 80 Quadratmetern. Bisher ist noch nicht klar, wie dieser Freiraum genutzt werden soll.

Lebensraum zurückerobern

Dabei ist gar nicht so sehr entscheidend, für was die 80 Quadratmeter genutzt werden, sondern dass überhaupt die Möglichkeit dazu besteht.
Denn so gemütlich es im Sommer vor dem schwarzen Dackel sein mag, so nervig ist es, wenn alle zwei Minuten ein SUV auf Kopfhöhe vorbeifährt. Nicht nur die Dackel-BesucherInnen hätten ihre Freude an der Verkehrsberuhigung.

Gerade in eng bebauten Vierteln wie der Schwanthalerhöhe reiht sich ein Parkplatz an den nächsten, für die AnwohnerInnen bleibt indes kaum Platz. Wenn vom Lebensgefühl im Westend etwas übrig bleiben soll, muss sich das ändern. Der beste Parkplatz bringt nämlich nichts, wenn man sich im eigenen Stadtteil längst nicht mehr wohlfühlt.

Einer muss doch anfangen

Nicht nur im Westend, sondern auch in Obergiesing soll rund um den Alpenplatz ein ähnliches Pilotprojekt anlaufen. Und auch in anderen Stadtvierteln wie der Maxorstadt und der Isarvorstadt sind Sommerstraßen immer wieder ein Thema.

In Zukunft also mehr Beinfreihiet und weniger Blick auf parkende Karosserien beim Feierabendbier? Oder bleibt im Westend – und in Obergiesing – doch alles beim Alten? Darüber entscheidet der Stadtrat am Dienstag, 22. Mai.


Beitragsbild: © Ilona Gerdom

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