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Pop, politisch – Austra im Ampère

Ina Hemmelmann

Schreibt, schneidert, spielt manchmal mit Puppen, mag Dekonstruktion, Unfug und Käsekuchen.
Ina Hemmelmann

Die Zukunft ist, was wir daraus machen – dieser Maxime hat sich Austra mit ihrem aktuellen Album „Future politics“ verschrieben. Wo in tanzbaren Electropopsongs normalerweise Herzschmerz, Partystimmung oder andere Emotionalitäten verhandelt werden, widmet die kanadische Musikerin Katie Stelmanis mit ihrer Band die neue Platte dem Aktivismus des Einzelnen und der Gesellschaft.

Utopie vs. Politik

Apokalyptische Endzeitvorstellungen gibt es gerade in diesen politisch unruhigen Zeiten genügend – in der Musik möchte Austra dem wieder eine Utopie gegenüberstellen, zu deren Gelingen wir alle beitragen können und sollen: „Es geht nicht nur darum, Hoffnung in die Zukunft zu setzen, sondern darum, dass jeder gefordert ist, an der Gestaltung der Zukunft mitzuwirken. Die Grenzen, wie die Zukunft aussehen wird, sind ebenso faszinierend wie endlos. Das hat weniger damit zu tun‚ ’politisch’ zu sein, sondern über Grenzen hinaus zu denken – und das in jedem Bereich“, so Stelmanis.

Von Kanada nach Mexiko

Grenzen überschritt sie auch ganz real, mit einem Umzug von Kanada (dem Gründungsland der Band) nach Mexiko, wo das Album fertiggestellt wurde. Die dort beobachteten Ungleichheiten zwischen Arm und Reich, die Auswirkungen von Kolonialismus und Neoliberalismus flossen ebenso in die konzeptionelle Gestaltung des Albums mit ein, wie die Gewalt, die in der mexikanischen Gesellschaft allgegenwärtig ist, aber auch die Lebens- und Experimentierfreude einer Dancefloor-Subkultur.

How to do things with music

Frei nach Austin könnte man sagen: How to do things with music. Denn diesen Appell zum Engagement in der Popmusik zu verhandeln, ist ein genialer Kunstgriff – erreicht Musik die Hörer*innen doch auf viel unmittelbarerer Ebene als bloßes Reden oder niedergeschriebene Aufrufe. Wer dann noch zu Austras treibenden Electrobeats tanzt, verinnerlicht die Message auch körperlich – das Popkonzert wird zur politischen Versammlung. Verpackt sind die Themen in wavige elektronische Beats, bisweilen erklingen auch sanftere Parts am Klavier oder an der Harfe, die von leichten Loops begleitet werden. Doch über allem schwebt Katie Stelmanis eindrucksvolle Stimme, die den Songs ihren einzigartigen Klang verleiht. Wer spannende Frauenstimme zu elektronischen Rhythmen mag und Bands wie Fever Ray & The Knife, Goldfrapp, Grimes oder Zola Jesus gerne hört, dürfte sich auch auf einem Austra-Konzert wohlfühlen. Live gibt’s Future Politics Anfang März zu hören, wenn Austra am 9.3. im Ampère gastieren.


In aller Kürze:
Was? Austra
Wann? 9. März 2017 im Ampère
Wieviel? Tickets zu 25,30 Euro hier


Beitragsbild: www.austramusic.com

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