Kultur, Live

#pornyourselfie – Digitalem Exhibitionismus auf der Spur

Sahika Tetik

Duckface, gepushte Brüste, öliger Sixpack, pralle Ärsche und schnell auf den Selfie-Stab-Auslöser gedrückt! Wo fängt Pornographie auf Social Media Seiten an? Kann man das überhaupt unter dem verrufenen Begriff verbuchen? Ein Host Club im Pathos soll Raum bieten, um darüber nachzudenken, zu diskutieren und im besten Fall Freundschaften zu schließen.

Was ist überhaupt ein Host Club, fragen wir Johanna Winkler, Dozentin der Theaterwissenschaft und eine der Intiatorinnen des Projekts.
Seinen Ursprung findet man in Japan, als Host Clubs eine Art Gespräch-Casinos waren, in denen man sich traf, um von Hostessen bespaßt zu werden (nicht zwingend, um Sex zu haben) oder später, um die Gesellschaft von anderen Host Club Teilnehmern zu genießen und sich einfach zu unterhalten. Mittlerweile verstehe man unter einem Host Club eine Veranstaltungsform, fast schon ein Happening, das dazu da ist, fremde Menschen in kleineren Gruppen zu einem Diskurs über ein bestimmtes Thema anzuregen, angeleitet von sogenannten „Hosts“ und Experten, die sich mit dem Thema besonders intensiv beschäftigt haben.

Das Projekt des Host Clubs Porn Your Selfie enstand im Rahmen des Praxisseminars Kulturmanagment an der LMU und wird von Studierenden des Department Kunstwissenschaft, also der Studiengänge Kunst und Multimedia, Theater-  und Kunstwissenschaft und Kunstgeschichte, sowie Kunstpädagogik, durchgeführt. Auch standen zwei Schauspielerinnen, Judith Huber und Angelika Krautzberger, zur Verfügung und haben den Studentinnen Sprechunterricht gegeben und sie unterstützt, um am kommenden Samstag den Host Club mit einer Performance einzuleiten. Die Sexualpädagogin Ulrike Roitzheim steht den Hosts und Teilnehmern als Expertin mit genaueren wissenschaftlichen Einblicken zur Seite.

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Das kommt übrigens raus, wenn man #pornselfie bei Instagram sucht!

Thematisch ist der Host Club mit dem Titel Porn Your Selfie ein wahrer Eyecatcher. Johanna erzählt uns eine witzige Geschichte, die die Auswahl des Themas schwer beeinflusst hat. „Tatsächlich ist eine Dozentin, Judith Huber, darauf gestoßen. Sie hat ein Handy auf der Straße gefunden und nachgeschaut, wen sie anrufen muss. Daraufhin hat sie dann auch durch die Bilder gestöbert. Dort fand sie, wie ihr euch vorstellen könnt, Unmengen an Selfies, die sehr pornographisch waren. Auch das Geschlechtsorgan des Partners war zu sehen. Eine Woche später hat sie erneut ein Handy gefunden, und zwar exakt das Gleiche!“ Somit war klar, dass da mehr dahinter stecken müsse: Menschen halten ihre sexualisierte Selbstdarstellungssucht digital fest – und veröffentlichen sie dann.

Das Format Host Club als eine Veranstaltungsform zu wählen, war uns bis jetzt fremd. Johanna meint dazu: „Generell bietet sich der Host Club für sehr viele Themen an. Es ist ein wahnsinnig schönes Format. Man geht hin und spricht mit Leuten, die man davor noch nie gesehen hat und im besten Fall entwickeln sich dadurch so gute Gespräche, dass man sich befreundet.“ Ein Thema also, das gerade vielen Menschen unter den Nägeln brennt, über Selfies, Selbstdarstellungsopfer und sexuell anzügliche Bilder zu sprechen.

„Im besten Fall entwickeln sich dadurch so gute Gespräche, dass man sich befreundet.“

Auf dem Flyer des Host Clubs ist auch die Rede von „installativen Momenten“ und Performances! Hinsichtlich des Themas Porno dachten wir uns, okay, was dürfen wir denn da jetzt erwarten? Johannas geheimnisvolle Antwort: „Hier will ich der Fantasie überhaupt keine Grenzen setzen.“

Grundsätzlich will Johanna vor allem Offenheit und gute Gespräche. Da verlässt sie sich mit gutem Gewissen auf die Teilnehmer des Host Clubs, die selber zu Performern werden, und weiß aus Erfahrung, dass bisher jeder Host Club, den sie besucht hat, zum Erfolg wurde.

Alle Infos kurz und knapp:

Was? Host Club „Porn Your Selfie“

Wo? PATHOS München

Wann? Am Samstag, den 06.06. um 12.00 und um 20.30 mit anschließendem Get-together und DJ-Act

Wie viel? 15 €, darin sind enthalten ein Getränk und aphrodisierende Speisen

 

Fotocredits: Bild 2 via Instagram Account „girl_ink_orgasm“

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