tagebook der Kammerspiele

Putz das mal

Juliane Becker

Theaterwissenschaftlerin, Katzenfreundin und Journalistin. Schreibt bei mucbook über Theater, Konzerte und eigentlich alles, was irgendwie mit Kultur zu tun hat.
Juliane Becker

Tag 2 der Exiles-Proben in den Münchner Kammerspielen – es sind noch sechs Tage bis zur Premiere.

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Freitag, 10 Uhr, Schauspielhaus. Wir Blogger nehmen wieder unsere Plätze auf dem Balkon ein. Zuvor hat uns Beatrix von der Presseabteilung noch einen gelben Zettel in die Hand gedrückt – der Tagesplan. Heidewitzka, entspannend sieht das nicht aus. Seit 7 Uhr wurde aufgebaut, seit 8:45 Uhr sitzen die Schauspieler in der Maske. An acht verschiedenen Produktionen in den drei Spielstätten wird den ganzen Tag über gearbeitet. Maskenanprobe, Technische Einrichtung, abends Vorstellung. Nur ein Wort passt nicht so ganz in den Plan: Yoga. Der Regisseur von Exiles gibt wohl „für alle Interessierten“ abends Yoga. Nice!

Perceval ist heute auch besonders gut gelaunt. Allgemein ist die Grundstimmung sehr fröhlich, Kristof macht Faxen auf der Bühne und Stephan verhaut ein paar mal sehr witzig seinen Text. Nur Sylvana ist irgendwie nicht ganz auf der Höhe und bittet mehrmals, die geprobte Szene abzubrechen, weil „sie sich das selber nicht abkauft“. Das ist wirklich kein Wunder. Nach insgesamt acht Stunden Probe kenne selbst ich den Text bereits auswendig und frage mich fassungslos, wie das eigentlich geht: hunderte Male wiederholen, und trotzdem noch authentisch sein. Die Arbeit am Stück hinterlässt ihre Spuren; an den Schauspielern, und an der Bühne. „Kann nicht jemand mal die Bühne putzen, die ist ja total dreckig“, schimpft Luk.

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Nichtsdestotrotz zeichnet sich eine erstaunliche Entwicklung in der Inszenierung ab. Stellen, die zwei Tage zuvor noch gesetzt und ruhig wirkten, sind auf einmal actionreich. Die Veränderung, die allein eine Nuancierung des Tonfalls bewirken kann, ist krass. Allmählich kristalliert sich für mich eine finale Fassung heraus.

Das Bühnenbild bleibt beständig. Hinter die Bedeutung des Hundes bin ich noch nicht ganz gekommen. Aber die entrückte Beleuchtung und die sphärischen Klänge des Musikers Dine, der auch die Rolle des Archie spielt, sind angenehm und vermitteln den Eindruck, als ob man als Zuschauer im All umherschwebt und das Beziehungsdrama auf der Bühne von weit weit weg beobachten kann.

Übrigens habe ich heute gelesen, dass Exiles 1919 in Deutschland uraufgeführt wurde – und zwar an den Münchner Kammerspielen. Das irische Nationaltheater hatte es abgelehnt, die englischsprachische Erstaufführung war erst 1925 in New York. Wäre eigentlich schön gewesen, noch fünf Jahre zu warten, und das Ganze dann als hundertjährige Hommage zu inszenieren…

 

Exiles von James Joyce. Regie Luk Perceval, Premiere am 19. Dezember 2014
Karten gibt es hier

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