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„Wir brauchen keine Sündenböcke“: Warum ein Schließen aller Clubs auch keine Option ist

Yannik Gschnell

Letzten Sonntag, um drei in der Nacht marschierte Polizist um Polizist in das Filmcasino am Odeonsplatz auf der Suche nach Party – aber nicht um zu tanzen, sondern wegen „Hinweise auf regelmäßige Verstöße nach der Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung.“ Auf Mathias Scheffel, den Club-Betreiber wirkte die Szenerie im Dampf der Nebelmaschinen zwischen maskierten Polizisten und teilweise unmaskierten Gästen, wie ein schlechter Al Capone Film.

Laut des Polizeiberichts nach der Razzia wurde Mathias Scheffel wegen Verstößen nach der Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung angezeigt und darüber hinaus wurde gegen 70 Gäste eine Ordnungswidrigkeitenanzeige aufgrund der Missachtung des geltenden Infektionsschutzes erstattet.

Das gibt der Betreiber auch offen zu: „Da waren tatsächlich ein paar Sachen, die nicht gut gelaufen sind, auf unserer Seite. Wir werden ein Bußgeld kriegen, wir werden vor Gericht gehen und dann wird man sehen, was da rauskommt.“

„Dinnerclub“ als normaler Club-Betrieb with extra steps

Coronabedingt betreibt Mathias Scheffel das Filmcasino ausschließlich als „Dinnerclub“. „Das bedeutet man kommt zu uns zum Essen und feiert danach noch ein bisschen weiter. Es gibt einen DJ, aber man hat seinen Tisch und man bleibt an seinem Tisch.“ Konzeptuell mag das vielversprechend klingen, doch auf dem mittlerweile gelöschten Instagramcontent des Filmcasino wirkte der Dinnerclub doch eher wie jeder andere Club, nur mit Tischen auf der Tanzfläche. Gerade die Durchsetzung der Maskenpflicht scheint den Verantwortlichen nicht gelungen zu sein.

Die Problematik liegt auf der Hand. „Wir haben natürlich auch das Problem, dass sich viele Leute ab einer bestimmten Uhrzeit und einem bestimmten Alkoholpegel nicht mehr ganz so hundertprozentig an die Maskenpflicht halten. Wir werden jetzt aus dem Vorfall lernen und versuchen, es besser zu machen. Wenn wir das nicht hinkriegen lassen wir’s bleiben. Dann ist mein Konzept, zumindest in der Corona-Zeit gescheitert.“ Das klingt doch sehr einsichtig.

Viel Zeit, um aus dem Vorfall zu lernen, nimmt sich das Filmcasino allerdings nicht, denn auch für dieses Wochenende sind Reservierungen wieder möglich. Es bleibt nur zu hoffen, dass zumindest bei den Verantwortlichen eine gewisse Einsicht eingekehrt ist und die Maskenpflicht strenger kontrolliert wird.

Trotz dieser schlechten Schlagzeile bleibt die Nachfrage nach Feiermöglichkeiten weiterhin hoch. Zudem kommt mit dem Wochenende auch wieder ein Alkoholverbot an den sogenannten „Hot-Spots“ Münchens zu tragen und treibt damit ein junges Publikum auf der Suche nach lauter Musik und einer guten Zeit mit den eigenen Leuten doch wieder in Clubs und Bars.

Wir brauchen keine Schuldigen, wir brauchen Lösungen!

Das kann auch gut funktionieren„, sagt David Süß, bekannt aus dem Harry Klein und vorsitzender Vorstand im Verband der Münchner Kulturveranstalter. Er will nicht, dass durch die negativen Beispiele eine ganze Gruppe unter Generalverdacht steht, wie man es gerade in der politischen Kommunikation unseres Ministerpräsidenten immer wieder ablesen konnte.

Alles was man dazu gehört hat, war immer nur die Ansage, ‚ihr seid das Problem‘. Die jungen Leute nehmen das natürlich auch wahr und fühlen sich missachtet. Wenn du dann vielleicht auch noch nicht Hauptrisikogruppe bist, dann mitkriegst, wie sich welche treffen und es da so gut wie keine Infektionen gibt oder auch niemanden kennst, der daran schwerer erkrankt. Dann ist doch völlig klar, dass du irgendwann in dein Leben zurückmöchtest.“ Dieses „ins Leben zurückfinden“ muss allerdings im Rahmen der Corona-Maßnahmen stattfinden. Ohne dabei nur mit dem Finger auf andere zu zeigen, da kann jeder bei sich anfangen.

„Das ist eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung.“

Ich finde es nicht gut Sündenböcke zu suchen. Natürlich fallen dir die auf, bei denen es auch mal schief geht, oder die, die sich nicht dranhalten. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Die hast du als Unternehmer genauso wie als Privatperson. Ich finde es gut, in solchen Sachen vorbildlich zu sein und, egal was für einen Betrieb ich habe, mich an die Regeln zu halten, die ja tatsächlich sinnvoll sind. Alles andere ist ein bloßes Ausnutzen von dem, was wir uns alle zusammen durch den Verzicht ermöglicht haben.

Von einem Entgegenkommen der Politik ist aber weiterhin nichts zu spüren, dabei spielt natürlich auch die fehlende Lobby für Bars, Clubs, Freikulturveranstalter eine Rolle, die in diesem Aspekt nicht mit den bayrischen Wirtshäusern oder Biergärten mithalten können.

So sieht das auch Mathias Scheffel: „Man kann nicht sagen, jeder Club, jede Diskothek ist ganz schlimm und deswegen lassen wir die jetzt zu, bis es kein Corona mehr gibt, weil dann ist es zu spät.“ Vielmehr muss sich jeder Gast selbst in der Verantwortung sehen, also wenn du irgendwo siehst, dass sich in einem Club nicht an die Regeln gehalten wird, dann such dir doch einen anderen aus und feiere dort. Diese individuelle Verantwortung unterstreicht auch David Süß nochmal „Corona-gerechtes Feiern in Clubs und Bars funktioniert nur, wenn sich die Gäste verantwortungsbewusst verhalten und in der Regel machen die meisten das eigentlich sehr gut.“


Beitragsbild: © Paul Zoetemeijer auf Unsplash

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