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Regional einkaufen und socializen in der Freiluftbox am Westkreuz

Ilona Gerdom

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Ilona Gerdom

Ein quietschgrüner Container, der eher zum Hamburger Hafen passen würde, steht mitten auf einer brachliegenden Wiese am Westkreuz. Aus den Fenstern der angrenzenden Mietshäuser hat man einen guten Blick auf die Terrasse auf dem Dach. An warmen Tagen trifft sich hier die Nachbarschaft.

Wer einen Schritt ins Innere des Containers macht, der fühlt sich als wäre er in einen kleinen Tante-Emma-Laden gestolpert: An den Wänden Regalbretter, darauf reihen sich Bio-Eier aus Freilandhaltung, Kisten mit Zucchini und Rhabarber-Stangen und Honiggläser. All diese Produkte kann man in der Freiluftbox kaufen – aber das ist nicht alles.

Obst und Gemüse von nebenan

Ob Tomaten, Kartoffeln oder ein Päckchen Nudeln – alle Nahrungsmittel stammen von Landwirten und Produzenten aus der Umgebung. „Man weiß halt, es hat nur ein paar Kilometer hinter sich“, sagt die Landschaftsarchitektin Julia Bleicher. Der Gewinn aus dem Verkauf geht dabei laut ihr eins zu eins an die Produzenten. Die Freiluftbox ist eines der laufenden Projekte der Landschaftsarchitekten und Stadtplaner des Büros Bauchplan.

Entstanden ist die Idee aus einem Freiluftsupermarkt in Freiham. Dort konnten AnwohnerInnen selbst Pflanzen ansäen, gärtnern und schließlich ernten. Gegen eine kleine Spende durfte man die Produkte mit nachhause nehmen. Inzwischen gibt es den Freiluftsupermarkt nicht mehr. Genau wie die Freiluftbox stand er auf einem Gelände, das eigentlich ein Baugrundstück ist.

Mit dem eigenen Einkaufskorb lernen

Um die Wiese am Westkreuz nicht ungenutzt zu lassen, wandte sich der Stadteilladen Aubing-Neuaubing-Westkreuz an Bauchplan. Gemeinsam entwickelten sie ein Konzept für die Freiluftbox, das heute mit Mitteln der Städtebauförderung im Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“ und durch die Landeshauptstadt München gefördert wird.

Es entstand ein Supermarkt bei dem es nicht nur darum geht, Bauern aus der Region zu unterstützen. Die Kunden selbst sollen mehr mitnehmen als nur eine Tüte mit Lebensmitteln. Sie lernen, woher die Produkte kommen und was urbane Nahrungsmittelproduktion bedeutet.

Über Lebensmittel Generationen verbinden

An sonnigen Donnerstagen und Samstagen entsteht schon einmal Gedränge in dem kleinen Container. Je nach Wetter kommen laut Bleicher zwischen 20 und 50 Kunden.

„Oft nehmen sie sich ihre zehn Eier und unterhalten sich dann.“ Denn die Freiluftbox ist nicht nur ein Ort zum Einkaufen, sondern auch ein Treffpunkt. Wenn sie von Mai bis September geöffnet hat, ist allerhand los. „Hier gibt’s alles: Kinder, Jugendliche, ältere Leute und alternative Eltern.“ Die ganze Nachbarschaft kommt zusammen, spricht miteinander, freundet sich an. „Das ist etwas, das die hier echt brauchten,“ so Bleicher.

Mobile Unterstützung in Grün

Zum grünen Container gehört auch ein grünes Lastenfahrrad – das Freiluftmobild. Es ist als Helfer für verschiedene Aktionen im Stadtteil im Einsatz. Zum Beispiel in Schulen, Kindertagesstätten oder Altenheimen. Dort sollen die Teilnehmenden mit Anpacken, sich auch mal die Hände dreckig machen beim Kräutereinpflanzen und den großen Zusammenhang von Landwirtschaft und urbanem Leben erkennen. Für Bleicher zählt dabei aber vor allem: „Es soll einfach Spaß machen.“

Aber: Bald kommen die Bagger

Mittlerweile geht die Freiluftbox schon in ihre dritte Saison. Doch wahrscheinlich wird das auch ihre letzte sein. „Weil vermutlich dann die Bagger kommen“, wie Bleicher sagt. Die Planungen für die Wiese sind abgeschlossen, bald wird hier ein neues Gebäude entstehen.

Dass die Freiluftbox dann an einen neuen Ort zieht, ist aktuell eher unwahrscheinlich. Laut Julia Bleicher gibt es bis jetzt keine Anschlussprojekte. Sie findet aber: „Einen Freiluftsupermarkt kann jeder machen. Am besten gibt es auf der ganzen Welt ganz viele Freiluftsupermärkte.“


Infos in aller Kürze:

Wann, was, wo? Bis September kannst du in der Freiluftbox vor dem Stadtteilladen an der Friedrichshafenerstraße 11 donnerstags von 16 bis 19 Uhr und samstags von 10 bis 13 Uhr regionale Lebensmittel einkaufen.


Beitragsbild und Fotos: © bauchplan ).( david riek
© bauchplan ).( dieter michalek

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