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Rettet den Bolzplatz der Glockenbachwerkstatt!

Der Bolzplatz an der Glocke

Querdenker, Freigeister, Experimentierfreudige und Entstehenlasser brauchen Freiräume in den Städten. Platz zum Leben für Jung und Alt, Nischen, in welchen das Rauschen der Autos auf der Verkehrsader einem erscheint wie Rauschen von im Wind wehendem Gras, wenn man über eine Wiese läuft. 30 Jahre ist er alt, der Bolzplatz am Bürgerhaus Glockenbachwerkstatt. Und nun soll es das um ihn gewesen sein mit dem Nischenraum – aber bei den Freunden der Glocke, den Kindern, ihren Eltern und Münchner Bürgerinnen und Bürgern regt sich der Ärger. Sie wollen das Vorhaben stoppen. Prominente Unterstützung erhalten sie unter anderem von den bekannten Musikern Blumentopf und Sportfreunde Stiller.

Vor etwa zehn Monaten warf ein Gast der stadtperspektivischen Veranstaltungsreihe
STADTfragen zum Thema „Freiräume in der Stadt“ auf, dass es nicht nur wichtig ist, in einer wachsenden Stadt wie München, sich zu fragen wie neue Frei- und Nischenräume geschaffen werden können. Der Diskutant brachte den Aspekt in den Raum, dass das Wissen um bestehende Inseln der Stadt tradiert werden und erhalten werden müsse. Denn ansonsten drohten sie der Wohnbaupolitik zum Opfer zu fallen – ein sich anbahnender kritischer Fall sei akut der Bolzplatz an der Glockenbachwerkstatt.

Dieser Fleck ist vielen Münchnern sicherlich gut als Flohmarkt, Biergarten, Kunstgalerie, Radlwerkstatt und vieles mehr bekannt. Vor allem aber für die Stadtkinder ist es eine Oase des Herumtollens und Freiseins. Der Bolzplatz ist genau das Gegenteil zum sterilen Spielplatz am nahe gelegenen St-Jakobs-Platz und bietet die Möglichkeit eigene kleine Heldengeschichten zu erleben. Nun, zehn Monate nach den STADTfragen ist es allerdings konkret: der Bolzplatz soll dem Sozialwohnungsbau weichen, da er offiziell eine ungenutzte „Brachfläche“ ist. Damit droht der letzte zentrale Ort in München zu sterben, an dem einfach mal Platz ist. Für Jedermann. Die Glockenbachwerkstatt würde so einen Großteil ihrer Freifläche ersatzlos verlieren. Als besonderes Ärgernis kommt für viele Verfechter des Bolzplatzes hinzu, dass in Sichtnähe in der Müllerstraße eines der prominentesten Luxusbauprojekte in der Landeshauptstadt realisiert wird. Die Neubebauung in der Müllerstraße 2-6, die den Bolzplatz betrifft, ist wie eine Reaktion auf das Luxusbauvorhaben. Es soll bezahlbare Wohnfläche zentral ermöglichen und die soziale Mischung vor Ort aufrecht erhalten. Allerdings: was könnte förderlicher sein für die soziale Mischung im geburtenstärksten Stadtteil Münchens, als Kinder unterschiedlichster Elternhäuser, die gemeinsam spielen?

Kinder der Glockenbachwerkstatt

Auch der Bezirksausschuss (BA) vor Ort möchte gerne den Bolzplatz retten. Hierzu meldete der BA 1 einen Alternativvorschlag an, in welchem die Erweiterung des Bauabschnitts Richtung Corneliusstraße angeboten wurde. Dies hat auch den Vorteil, dass die Corneliusstraße in diesem Bauabschnitt nicht so dicht befahren ist. Vor allem könnte aber so der Bolzplatz erhalten werden, der seit Jahren das Kernstück der Kinder- und Jugendarbeit für die Glockenbachwerkstatt darstellt. Dieser Alternativvorschlag wurde jedoch vom Kommunalreferat ohne Anhörung von Bürgerhausvertretern abgelehnt.

Das Bürgerhaus Glockenbachwerkstatt mobilisiert nun die Bürger und Bürgerinnen Münchens, sich für den wohl zentralsten Ort für Bürgerarbeit unserer Landeshauptstadt einzusetzen. Wer den Bolzplatz schützen möchte, kann zunächst einmal eine Onlinepetition unterzeichnen. Zum anderen bietet die Eltern-Kinder-Demo „Frechmob“ am kommenden Montag, 15.Oktober, ab 15.30 Uhr die Möglichkeit die Forderung nach dem Erhalt des Bolzplatzes von der Glockenbachwerkstatt bis vor das Rathaus zu tragen. Wem das noch nicht sportlich genug ist, der kann am Dienstag, 16. Oktober, ab 15.30 Uhr bei „Fußballieder und -geschichten“ sein Engagement fortsetzen – mit dabei sind die Sportfreunde Stiller und Schu von Blumentopf.

Die Bolzplatzkinder der Glockenbachwerkstatt

Demoaufruf auf Facebook

Die Glockenbachwerkstatt auf Facebook

Webseite der Glockenbachwerkstatt

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