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Roberto Bianco und die Abbrunzati Boys: „Küssen ist die schönste Kulturtechnik gegen den Schwermut“

Joscha Faralisch

Schreibt für MUCBOOK — am liebsten über Musik, Kunst, Essen und Politik.
Joscha Faralisch

Auch wenn sie grade als Newcomer gefeiert werden: Kennern der internationalen Schlagerszene sind Roberto Bianco und die Abbrunzati Boys natürlich spätestens seit 1984 ein Begriff. Nach dem es in den Neunzigern etwas ruhig um die Band aus Norditalien geworden ist, feiern sie gerade ein furioses Comeback. Heute erscheint ihre neue Single „Baci“.

Der zweite Frühling der Abbrunzati Boys

Wollt ihr uns gleich zu Beginn ein für alle mal erklären wer oder was Die Abbrunzati Boys sind? Manche behaupten, so heiße die ganze Band, an anderer Stelle hört man, Schlagzeuger, Trompeter, Keyboarder und Bassist seien nur mediokre Berufsmusiker auf Honorarbasis?

Die Abbrunzati Boys: Grazie mille erst einmal für diese sehr wichtige Frage. Natürlich ist vollkommen klar: Roberto Bianco & Die Abbrunzati Boys sind nur ein Duo, das sich im Jahr 1982 am schönen Lago di Garda formiert hat. Dementsprechend, handelt es sich bei Die Abbrunzati Boys um eine Person. Unsere sogenannte Showband und auch das Orchester stießen zum Internationalen Schlagerfestival 1984 in Rio de Janeiro hinzu und begleiten uns seither treu auf den großen und kleinen Bühnen der Welt und auch im Studio. Ein Gruß an dieser Stelle! Wir hoffen, die Frage nun endgültig beantwortet zu haben.

Ihr habt ja gerade wieder einen Vertrag bei Sony Music unterschrieben, dem Label, bei dem ihr schon in den Achtzigern eure größten Erfolge gefeiert habt. Was ist das für ein Gefühl, an so eine glorreiche Zusammenarbeit anzuschließen? Druck oder pure Euphorie?

Roberto Bianco: Druck kennen wir nur vom Hörensagen. Das ist doch dieser Begriff aus der Geophysik. Und ist beispielsweise unentbehrlich beim Entstehungsprozess eines Diamanten. Euphorie kommt vom griechischen Eu (das Gute) und phoros (der Schein). Der gute Schein begleitet uns seit 37 Jahren treu, wenn wir an die guten alten Zeiten mit unserem Weggefährten Herrn Sony Senior denken, der schon Mitte der 80er Jahre erkannt hat, dass Italo-Schlager die Musik der Ewigkeit ist. Das bewahrheitet sich jetzt wieder. Es ist ein stetiges Nehmen und Nehmen (sic!). Und wenn man so viel Glück wie wir hat, dann darf man darauf auch vertrauen.

Wie hat sich die Musikindustrie in den letzten Jahren aus eurer Sicht verändert? Ihr kommt ja aus einer Zeit, in der noch Tonträger verkauft worden sind.

Roberto Bianco: Tonträger kommt von den lateinischen Begriffen tonus (Ton) und Medium (Träger). Nein, mal Spaß beiseite. Wir verfolgen die Entwicklung des Musikmarkts mit großem Interesse, schließlich prägen wir das Geschehen ja fundamental seit über 30 Jahren mit. Es ist wie immer: Man steigt in keinen Fluss zweimal und alles bleibt beim Alten. Deshalb gibt es unsere Musik ja auch noch auf Kassette und dennoch auf allen digitalen Plattformen.

Epigonen aus Österreich

Verfolgt ihr eigentlich, was jüngere Bands so machen? Insider haben eure neuen Songs ja mit Bands wie Wanda oder Von Wegen Lisbeth verglichen. Kennt ihr solche Nachwuchs-Interpreten überhaupt?

Die Abbrunzati Boys: Das sind schon interessante Projekte. Leider fehlt es jedoch an der internationalen Durschlagskraft. Zum Vergleich: Giovane Elber war vielleicht gut genug für die Bundesliga, doch hat es für die Seleçao jemals gereicht? Não, wie der Brasilianer sagt! Wir wünschen allen aufstrebenden Interpreten Buona Fortuna und ein Stück vom Kuchen. Viel ist nicht mehr übrig…

Ihr kommt ja beide aus Sirmione am Gardasee. Fälschlicherweise kursieren aber immer wieder Gerüchte, laut derer ihr aus Augsburg oder München seid. Was glaubt ihr: Wie kam diese Fehlinformation zustande?

Die Abbrunzati Boys: Wir bezeichnen uns ja selbst als Wahleuropäer und sind überall in Europa zu Hause.

Roberto Bianco: Das liegt natürlich vornehmlich an den vielen Immobilien, die wir über den Kontinent verteilt zu gewissen Jahreszeiten bewohnen.

Die Abbrunzati Boys: Unsere Beziehung zu Augsburg geht vor allem auf Robertos Freundschaft zu Roy Black zurück. Die Abbrunzati Boys weilen derweil aus geschäftlichen Gründen seit Jahren häufig in der nördlichsten Stadt Italiens, in Monaco di Baviera. Es gefällt uns im Süden der Republik einfach prächtig. Dennoch ziehen wir uns am liebsten in unsere Villa Altavista in Sirmione am Gardasee zurück. Dort hängen im Flügeltrakt West des Anwesens schließlich auch all unsere goldenen Schallplatten.

Top, die Wette gilt…

Wenn wir schon bei Gerüchten sind: Roberto, du warst ja angeblich kurz als Thomas Gottschalks Nachfolger bei „Wetten dass…?“ im Gespräch, bevor ein heute fast vergessener Talkshow-Moderator diese Stelle übernommen hat. Stimmt das? Wieso hast du damals abgelehnt?

Roberto Bianco: Das stimmt natürlich. Diese Gerüchte sind ausnahmsweise einmal wahr. Ich habe mich allerdings dagegen entschieden, denn das ZDF bestand vehement auf eine Co-Moderation mit Michelle Hunziker. Nicht nur aus inhaltlichen Gründen, sondern auch aufgrund meiner jahrzehntelangen Freundschaft zu Ferrari-Liebhaber Flavio Briatore, musste ich somit auf die Fackelweitergabe bei der letzten Bastion des deutschen Unterhaltungsfernsehens verzichten. Mir tut es um das Format sehr leid.

Nun ein wenig Werbung in eigener Sache, denn dafür seid ihr schließlich hier: Heute erscheint eure neue Single „Baci“. Worum geht es in dem Song? Wo ist das Video entstanden?

Die Abbrunzati Boys: Entstanden ist das Video natürlich in den Bavaria FilmStudios. Der Schein aus Euphoros trügt. Danke an dieser Stelle nochmal an Produktionsassistentin Heidi für die leckeren Butterbrezen und an unseren Locationassistenten „Fuffy“ Buccone. Er war auch schon mal in Bari und weiß wie es dort aussieht. Der abgetragene Isarkies sah dem dortigen Strand aber auch zum Verwechseln ähnlich. Für alle unsere Fans: Die Originalkulisse ist noch bis 30. September zu besichtigen. Inhaltlich geht es im Song natürlich um das schönste, die europäische Kulturtechnik gegen den Schwermut: Das Küssen!

In euren Songs geht es viel ums Reisen in ferne Länder und vergangene Zeiten; um Capri oder die Copacabana in den Achtzigern, um lange Fahrten durch Italien, mit der Vespa oder dem Ferrari Maranello. Seid ihr nostalgische Menschen?

Roberto Bianco: Jeder ist nostalgisch. Nostalgie ist eine menschliche Erfahrung, die wohl jeder einmal gemacht hat. Künstler wie wir, nutzen ihre gesamte Gestaltungskraft um solche Momente in einen bunten musikalischen Blumenstrauß zu binden. Denn Rosen tragen auch Dornen und der Abschied hat immer Saison.

Die Abbrunzati Boys: Außerdem können wir die Orte, die wir in unseren Liedern besingen und die wir natürlich auch alle selbst besucht haben nur weiterempfehlen.

Karel Gott hat einmal gesagt: „Schlager ist eine Illusion, aber Unterhaltung ist eben immer eine Illusion.“ Schließt ihr euch dem an?

Roberto Bianco: Roberto Bianco hat einmal gesagt: Nur bedingungsloser Konsum kann uns retten. In diesem Sinne: Komm gut rüber Karel, wir sehen uns in der Schlagerhölle! Danke für dieses nette Gespräch. Wir wünschen einen dolce-vitanischen Sommer und Salute, alles Gute!


Beitragsbild: © PR Roberto Bianco und die Abbrunazati Boys

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