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Das Schwarmverhalten von kreativen Kollektiven: super+

Schwarmverhalten oder Zusammen ist man weniger allein.

Genauso wie Menschen aus Wirtschaft oder Sport Firmen oder Vereine gründen, sammeln sich Kreativschaffende oft in Kollektiven, denn zusammen erreicht man meist mehr. Wir stellen euch drei Teams aus München vor: super+, the Stu und Kalonoma.

Den Anfang macht super+

Anno 2012 – das für diesen Zweck gegründete Kreativkollektiv super+ übernimmt eine stillgelegte Tankstelle in der Belgradstraße und gestaltet sie in einen Raum für zeitgenössische Kunst um. Hätte man den drei Jungs damals gesagt, dass aus diesem ersten Projekt in nur fünf Jahren ein Atelierkomplex in einer ehemaligen Trachtenfabrik, eine Galerie in der Innenstadt und eine Residency in Italien wird, hätten sie mit Sicherheit lachend abgewinkt. „Das hat sich alles irgendwie ergeben, geplant war das nicht“, meint Alexander Deubl.

Nun sind die Terminkalender gut gefüllt. Die Centercourt Gallery in der Adalbertstraße hat monatlich wechselnde Ausstellungen. Vor allem aber muss sich jemand um das super+ Unholzer kümmern. Das Atelierhaus ist mittlerweile das vierte Zwischennutzungsprojekt von super+ und mit mehr als 80 beteiligten Künstlern und Kreativen auch das größte. „Wir sind jedes Mal ein bisschen über uns hinausgewachsen.“ Das geht mitunter auf Kosten ihrer eigentlichen Tätigkeit als Künstler: Gesellschaftsrecht statt Leinwand, Steuerberater (der sie bisweilen Superminus und nicht Superplus nennt) statt Museum.

Sie müssten das nicht tun. Selbst im teuren München gibt es leichtere Wege, als Künstler ein Atelier zu finden. Denn das Interesse am eigenen Atelier ist nach wie vor der Grund, weshalb das super+ Unholzer überhaupt existiert. Als Maler (Christian Muscheid), Designer (Konstantin Landuris) und Multimediakünstler (Alexander Deubl) benötigen alle drei einen Raum für ihre Arbeiten.

Warum sie sich den zusätzlichen Arbeitsaufwand antun, der mit einem Zwischennutzungsprojekt dieser Dimension verbunden ist, wird einem spätestens bei einem Besuch des Geländes klar. Wo früher Trachten hergestellt wurden, sind heute auf 2300 Quadratmetern 50 unterschiedlich große Ateliers untergebracht.

Es ist ein Ort, an dem die Lust an der Improvisation und die Wertschätzung für kreativen Austausch allgegenwärtig sind. Auf dem alten Fabrikgelände zwischen Schwabing und Moosach treffen nicht nur die klassischen Formate wie Malerei, Bildhauerei, Fotografie und Installationskunst aufeinander, es begegnen sich auch DJs und Produktdesigner, Programmierer und Saftproduzenten. Damit ist die Lösung eines Problems häufig nur einen Gang zur Kaffeeküche weit entfernt. Wo dem einen die Expertise im Fotografieren fehlt, kann er im Gegenzug mit seinem Wissen in der Metallverarbeitung aufwarten.

Für Landuris, Deubl und Muscheid ist das Arbeiten in der Gemeinschaft zu einem wichtigen Faktor im kreativen Schaffensprozess geworden.

Ihr wollt noch mehr kreative Kollektive aus München kennenlernen? the Stu und Kalonoma stellen wir euch auch vor.

Dieser Text stammt aus dem MUCBOOK #8 „Wow, München“ – und das gibt es hier bei uns im Shop.


Bilder: © Christin Büttner

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Das Heft über „Wohnen trotz München“

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