Kultur

Neue Räume: Puerto Giesing und die Braunauer Eisenbahnbrücke

Sebastian Gierke

Journalist, frei, in München und im Netz.
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Die Pop- und Gegenwartskultur gleicht einer Großstadt. Es gibt alles, alles ist miteinander verbunden und vor allem: alles ist bebaut. Kaum mehr freie Flächen, kaum Raum. Und trotzdem kein Baustopp: es wir angebaut, in die Höhe gebaut und renoviert, nur selten etwas komplett abgerissen und wenn, dann wird beim Neubau das Alte meist mitgedacht. Hin und wieder lassen die Architekten eine Ecke aber kurz ganz aus den Augen. Die verfällt dann etwas, um kurz darauf von meist jungen, kreativen Menschen besetzt zu werden. Auch in München? Auch in München! Zwei aktuelle Beispiele.

Zwar wird hier besonders viel geschimpft über fehlenden Raum für die Subkultur. Weil es auf den ersten Blick besonders wenig Raum für Subkultur gibt. Die Stadt hat einfach weniger rostigen Industriearchitekturen, kaum Brachen. Doch das führt bei den Kulturschaffenden nicht dazu, sich frustriert in die eigenen vier Wände zurückzuziehen. Die nehmen die Herausforderung an und finden durch Improvisationstalent, Sturheit, aufmerksame Beobachtung und auch das Chaos immer Mittel, Wege – und Räume.

Und so kann es in München zwar keinen Techno-Tempel wie das Berliner Berghain geben, doch Clubs und Veranstaltungsort mit Charakter, die als soziale Skulptur funktionieren, die zum Beispiel Musik mit Video, Lichtinstallation und Kunst zusammenbringen, finden sich in den wenigen Ritzen der Stadt immer wieder.

Gerade wird noch mit großer Anstrengung an Puerto Giesing gearbeitet, das tatsächlich zu einer gewaltigen Bereicherung des Münchner Kulturlebens werden könnte,  es fehlen ein Brandschutzgutachten und ein paar Kleinigkeiten.

Und auch die Urbanauten haben neue Raum-Pläne: Sie wollen die seit 1958 stillgelegte alte Braunauer Eisenbahnbrücke, gelegen zwischen der Wittelsbacherbrücke im Norden und der Brudermühlbrücke im Süden, vom 17. bis zum 24. Juli als Fußgängerbrücke öffnen und damit die Diskussion um eine dauerhafte Nutzung des Industriedenkmals wiederbeleben: Ein städtebauliches Experiment, ein temporäres Architektur- und Kunstprojekt. Mehr dazu bei den Urbanauten.

Illu: www.die-urbanauten.de

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