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Talal und Amjad: Wege in die Bayernkaserne

Die Nachrichten über steigende Flüchtlingszahlen in Europa füllen die Zeitungsseiten. Doch wer sind die Menschen hinter den Statistiken? Wir sind zwei von ihnen in der Freimanner Heidemannstraße begegnet und ins Reden gekommen. Talal und Amjad (beide nach eigenen Angaben 19 Jahre) wohnen seit einer Woche in der Erstaufnahmestelle auf dem Gelände der ehemaligen Bayernkaserne. In mehreren Episoden erzählt mucbook ihre Geschichte…

Foto: Christoph Kürbel

Foto: Christoph Kürbel. Amjad (links), Talal (rechts), möchten noch unerkannt bleiben

Ihr erstes Anliegen an diesem bewölkten Tag in München: SIM-Karte einrichten, denn sie wollen unbedingt über Viber Kontakt zu ihren Familien aufnemen. Die Mitarbeiter der nächstgelegenen Tankstelle sind sichtlich entnervt vom Ansturm der Asylbewerber. Da wird auf bayerisch geschimpft über die Ausländer, die den ganzen Betrieb aufhalten.

Nach dem Motto: „Sag halt, was´d willst!“, „Ich versteh di net, schau dass´d weider kimmst!“ Dabei ist das Angebot an Prepaid-Handytarifen nicht mal uns ganz verständlich. Trotzdem greifen wir vermittelnd ein. Nachdem wir in einer umständlichen Prozedur erfolgreich zwei Vodafone-Karten mit Startguthaben gekauft haben, erzählen uns Talal und Amjad, der eine Syrer, der andere Palästinenser, bei einem Kaffee im Heidemann’s Stüberl (mehr Spielo als Stüberl) von ihrer unglaublichen Flucht nach Europa.

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Die beiden jungen Männer hatten aufgrund hoher Arbeitslosigkeit, großer Armut und der Militärpdienstflicht schon seit vielen Jahren geplant, ihre Heimat zu verlassen. Kurz vor dem Abitur sollten die beiden sich entscheiden: Entweder kämpfen für Assad oder als Kriegsdienstverweigerer im Gefängnis landen – ein Ort, aus dem viele nicht lebend zurückkehren.

Der Krieg eröffnete eine weitere Möglichkeit: Seit die Bomben fliegen, hat man gute Chancen als politischer Flüchtling nach Westeuropa zu gelangen.

Weder noch, war ihre Antwort. Was bleibt ist die Flucht.

Mit jeweils ca. 7ooo Dollar geliehenen Geldes und einer Familie, die den Gläubigern als Pfand zurückbleibt, geht die Odyssee los. Was Talal und Amjad von ihrer Flucht erzählen, klingt wie im Film. Sie buddeln sich in der Wüste Löcher zum Schlafen, überleben fünf Tage ohne Wasser, werden abgezockt, gefesselt, ausgepeitscht und auf ein wackeliges Schiff verfrachtet. Ein Schiff, das 47 Passagieren den Tod bringen wird. „Wir wissen eigentlich selbst nicht, wie wir überlebt haben“, sagen sie unserem Übersetzter Ihab.

mucbook erzählt in der Serie „Talal und Amjad“ die Geschichte von Talal und Amjad von der Situation in ihren Herkunftsländern, über die katastrophalen Geschehnisse ihrer Flucht bis zur Aufnahme in der Bayernkaserne in München.

Autoren: Christoph Kürbel & Sophie Mathiesen

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