Stadt

Verdichtung gilt als sinnvoller und steuerbarer Prozess

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Hohe Dichte und hohe Wohnqualität schließen sich in München keineswegs aus. Eine dichte Bebauung, die gleichwohl hohe Qualität hat, ist beileibe nichts Neues. In einer Exkursion für den Stadtrats-Planungsausschuss und Gäste zeigte das Planungsreferat dies an einer Handvoll Beispielen aus dem Stadtgebiet.

In den Welfenhöfen entstehen derzeit 480 Wohnungen, dazu Büros und Geschäfte. Die Geschossflächenzahl (GFZ) liegt bei 2,1. Gegenüber steht ein Gründerzeitblock mit Nachkriegsergänzung mit einer GFZ von je nach Gebäude 2,5 bis 4,8 (durchschnittlich fast 3,0) und gilt doch als gute Wohnlage. Direkt daneben folgt der dreieckige Weilerblock aus den 1920er Jahren, eine mittlerweile denkmalgeschützte Anlage rund um einen parkartigen und sehr ruhigen Innenhof. Der Münchner Stadtbaurätin Elisabeth Merk gefiel er so gut, dass sie gleich ein Stück weit
Besitz von ihm nahm. Dichtes Bauen ist aber kein Thema nur der Vergangenheit. Am Ackermannbogen steht der sogenannte Mäander, eine Gebäudestruktur, die sich zickzackartig über ein 15.000 Quadratmeter großes Grundstück erstreckt und im Westen einen Wohnturm mit elf Obergeschossen integriert, dessen meist über 200 Quadratmeter große und entsprechend teure Eigentumswohnungen in dieser Gegend aber nur zäh absetzbar sind. Da der Mäander an eine öffentliche Grünanlage angrenzt, die bei der GFZ nicht mitzählt, wirkt auch diese kompakte Wohnanlage angenehm grün. Einen Grünkompromiss ist die Stadt auch an den Lenbachgärten eingegangen. Die Bauträger durften dort GFZ von 1,9 bis 4,0 realisieren, weil sie den Botanischen Garten dauerhaft pflegen; ein Parkpflegewerk sichert das ab. Vor der Basilika St. Bonifaz setzten sie allerdings ihr Hausrecht durch: Sitzbänke sind dort wieder verschwunden. Obdachlose, die in St. Bonifaz versorgt werden, hätten vor den sündteuren Wohnungen der Lenbachgärten ja womöglich einmal Platz nehmen können. So weit ging das soziale Gewissen der Eigentümer in dieser Gegend (deren Wohnungen zum Teil einen direkten unterirdischen Zugang zum Schwimmbad des benachbarten Nobelhotels haben) wohl nicht.

Foto: Münchner Forum

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