Kultur, Nach(t)kritik

Vom Panda und anderen Nackedeis

Nora Niedermeier
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typ tanzt

Manche Veranstaltungen sind einfach Kult und fest mit einer Lokalität verwurzelt. Das kann man beim Oben Ohne Festival auf jeden Fall behaupten. Doch dieses Jahr war alles anders.

Das Oben-Ohne-Festival – von den Kreisjugendringen München-Stadt und München-Land veranstaltet – ist inzwischen ein fester Bestandteil der Münchner Kulturszene. Seit Jahren rocken junge Nachwuchsbands zusammen mit nationalen Hochkarätern die Bühne am Alten Messeplatz. Dieses Jahr allerdings gab es aus Angst vor Massenpanik eine neue Location: Die Messe München an der Messestadt Ost.

Ansonsten nicht gerade für ihren Charme berühmt, war die Ecke der Stadt doch gut gewählt: Der viele Platz in und um das Gelände verhinderte Gedränge und das festival-typisches Gekuschel mit durchgeschwitzen Nachwuchsrockern. Und so war auch genügend Raum für alle, die an das Ganze eher als gechillten Picknick- und Hackysack Nachmittag mit Musik nutzen wollten.

Eröffnet wurde die Show von den noch etwas unbeholfen wirkenden Trio Ghostwriter High, deren Hip-Hop eher an das Gehabe der „coolen Gangsta-Kids“ erinnerte als an wirklich durchdachten Rap.

festival

Die nächste Band war da schon peppiger unterwegs: Die Ragtag Tones, eine Ottobrunner Band, die sich nach Selbstaussage bei einem Waffelback-Projekt in der Schulküche zusammengeschlossen hatten, animierten mit funkigen Reggea- und Skatönen die ersten zu vorsichtig verschlafenen Tanzbewegungen.

band

Und wer bis jetzt noch nicht wach war, war es bei Django 3000 dann ganz bestimmt: Die Mischung aus oberbayrischem Charme und Gypsy-Pop, der in seiner Liebenswürdigkeit sehr an die fünf Jungs von LaBrassBanda erinnert, passte einfach perfekt zu der jungen, kulturell breit gefächerten Crossover-Veranstaltung und gab dieser Party das zurück, was ihr an mancher Stelle etwas fehlt: Lokalen Bezug. Zwar waren die Meisten – gerade die Newcomer – aus dem bayrischen Raum, doch bei einigen fragt man sich etwas, ob das allein schon qualifizierend für eine doch derart große Bühne ist.

leutestehenvorbühne

Das Highlight der Party war dann allerdings ohne Frage der erst 20-jährige Rapper Cro. Er war auch der Künstler, der an diesem (inzwischen) Abend mit der gefühlt größten Fanbase angereist war: Überall wo man hinsah tummelten sich Pandakopf-Gestalten, Mädels mit dem EASY Logo auf der Brust (bei manchen war anscheinend der Name der Veranstaltung Programm) bis hin zu den ganz hart Gesotteten, die wohl ihren ganzen Vormittag mit Panda-Kriegsbemalung im Gesicht genutzt hatten. Inzwischen gab es schon lange kein Essen mehr auf dem ganzen Gelände, die Schlangen vor dem einzige Bierstand erinnerten an Menschenmassen bei Hamsterkäufen (bei bis zu zwei Stunden Wartezeit gar keine so schlechte Idee!) und zarter Nieselregen ließ die Aufmerksamkeit auf die Zelte der Werbepartner exponentiell in die Höhe schiessen, aber  trotzdem: Die Stimmung kochte, Projekt Party geglückt.

Zum Schluss gaben sich noch die Jungs von Kraftklub die Ehre: Was soll man sagen? Klasse Band, klasse Show, fantastische Mucke. Doch mehr wird hier aus persönlich beleidigten Gründen nicht über den Auftritt gesagt: Das versprochene Interview mit der Band wurde kurzfristig von den Jungs abgesagt „wegen is´nich“. Pah, hier die Retourkutsche: Ihr wolltet einen Konzertbericht? Sorry, ich muss jetzt los …

menge

Fotos: Alexander Franke

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