Kultur, Nach(t)kritik

Vom Vierecktanzen und Liebemachen à trois

Ina Hemmelmann

stereototalina

Was haben ein knotenförmig geschlungenes Laugengebäck und stechende Wüstengewächse gemein? Alles und nichts, aber das ist im Grunde auch egal. In Kombination präsentierten sich Brezel und Cactus (Cactüs gesprochen, selbstverständlich.) als Stereo Total am Donnerstagabend jedenfalls auf der Bühne im Feierwerk und brachten mit minimalistischem Dada-Post-Pop die Meute zum Tanzen.

Brezel mit Gitarre oder an den Synthies und die entzückende Frrrrrançoise Cactus mal an den Drums, mal nur am Mikro – großes Instrumentarium brauchten die beiden nicht auf der Bühne, um ihre durchweg tanzbaren Lieder zu spielen.

Fast 20 Jahre machen die beiden schon gemeinsam Musik und ganz offensichtlich nach wie vor mit großem Vergnügen, wenn man sie auf der Bühne beobachtet. Da hüpft ein absolut aufgedrehter Brezel wie wild über die Bühne und Mademoiselle Cactus kann gar nicht flott genug das nächste Lied ankündigen. Mit anrührendem französischen Akzent bereitet sie dem Publikum große Freude und hat mit Sätzen wie „Syn-THÄ-tisch. Das ist doch deutsch, oder?“ die Lacher auf ihrer Seite.

stereototal

Das Publikum ist bunt gemischt, von Studenten bis zu mittelalten Hippies ist alles vertreten und kaum einer kann seine Beine zu der Musik ruhig halten – die komplett gefüllte Hansa 39 zappelt geschlossen im Takt. Die Setlist beinhaltete neben vielen Songs „von unsere‘ neue‘ Scheibe“, wie Françoise sie so nett ankündigte, natürlich auch die heiß ersehnten Klassiker wie „Liebe zu Dritt“, „Wir tanzen im Viereck“ und „Ich bin der Stricherjunge (mit der Raucherlunge)“. Mal etwas postpunkig-schrammelig, mal mehr elektronisch-raveig und immer mit wenig sinntragenden, aber umso lustigeren Texten meist auf französisch (Jaloux de mon succès) oder deutsch (Miau Miau, wilde Katze), vereinzelt auch englisch (Everybody in the discotheque (I hate), der Song für Teilzeitmisanthropen). Oder gar spanisch. Oder japanisch (Alaska, ein Song vom Kühlschrank.)

Für drei Zugaben applaudierte das Publikum die beiden nochmal zurück auf die Bühne, ließ Brezel crowdsurfen und durfte am Ende noch die Bühne stürmen um dort zu tanzen. Ein äußerst formidabler Abend, mehr bleibt nicht zu sagen.

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