Leben

Von Anfängen, Guerilla-DJs und Politik

Jan Rauschning-Vits

Don't worry, look shabby!
Trägt seit kurzem Schnauzer
Jan Rauschning-Vits

jan

Ein neuer mucbook-Autor stellt sich und seine Schreibe vor. Jan Rauschning-Vits schreibt über den Mix aus Electro und Politik:

‚In the beginning, there was sound’

Hallo Internet! Hier bin ich. Der Neue auf dem rutschigen Parkett der Worte. Es regt sich was in den Clubs der Stadt. Bald wird es nicht mehr reichen auf der hedonistischen Wolke durch die Beats zu fliegen. Die Suche nach Inhalten beginnt.

Die elektronische Musikszene Münchens hebt seit kurzem steil ab. Goldgräber Stimmung!
Eine Guerilla-Armee der DJs wurde in der Stadt ausgehoben. Mit neuem Sound kommen neue Gedanken, neue Wünsche, neue Träume. Wo soll uns die Szene hintreiben? Was wird aus der frischen Energie, der Einigkeit der Raver und Hipster? Wann und Wo wird aus Musik Politik?
Ich bin Jan Rauschning-Vits. Für euch will ich zwischen den zwei Welten Wandeln.
Aufklären, Aufrütteln, Zuhören, Tanzen.

Politik.

Trocken und langweilig. Weltentrückt, mit starken Falten, im Gesicht und auf der Anzughose. Unverbindliche Sätze, taktisches Blabla. Wer in München jung ist und die aktuelle Politik nicht so erlebt, der ist entweder in der Jungen Union oder nicht bei Sinnen. Wer sich zur Wahlnacht Ende September, so wie ich, stundenlang die Statements der traurigen und fröhlichen Dumpfbacken angeschaut hat, dem fiel wahrscheinlich folgender Satz auf, der anscheinend im Bundestag-Intranet vorab als Nummer Eins Standard-Antwort für alle Politiker rausgeschickt wurde: ‚Der Ball liegt nun im Spielfeld der Union.’
Von jeder Partei gab es Vertreter, die den ganzen Abend nicht müde wurden, mich mit dieser peppigen Sportmetapher zum Kotzen zu bringen. Formulierungen sind schon lange wichtiger als Inhalt.
Doch Politik ist nicht nur das.

Der wichtigste Teil der Politik fängt unten an. Auf den dreckigen Bolzplätzen von Wedding bis Grünwald. Politik findet sich auf dem Bussitz vor dir, in überfüllten Booten vor Italiens Traumstränden, auf Clubtoiletten, in deinem Briefkasten, farbig und fleckig an der Wand von Ausländerheimen, auf verschmutzten Flugblättern im Rinnstein.

Die großen Revolten und Demonstrationen der Neuzeit resultierten oft aus den Spannungen zwischen Eltern und Kindern. Zu konservativ, vom Zeitgeist abgehängt.
Viele sagen ein Problem unserer Generation ist, dass wir nicht gegen unsere Eltern aufbegehren können. Mami und Papi sind unsere besten Freunde. Wir wohnen länger als je eine Generation zuvor in der Bundesrepublik bei ihnen. Angeblich kiffen sie sogar mehr als wir und selbst wenn man seine Homosexualität gesteht, stößt man kaum noch auf Widerstand. Wofür und wogegen sollte man also noch rebellieren?
Uns geht es doch herrlich, allen voran den Münchnern. Die Sonne scheint in den Englischen Garten und alle aalen sich in Mama Angies und Papa Horsts Paradies. Wir haben die Zeit und das Geld am Wochenende in die Clubs zu strömen und zu tanzen, um des Tanzens Willen. Meist ohne Vocals treiben die harten Bässe des 21. Jahrhunderts uns durch die Szene. Einziger Wermutstropfen? Die Omma die einen vor der Bar nicht rauchen und lärmen lassen will.
Am nächsten Tag, Katerfrühstück im Café oder Wirtshaus. Dann schön ‚taff’ gucken und vielleicht ein paar Facebook-Posts rauslassen, um Pandas zu retten. Welt verbessert, Gute Nacht!
Doch egal ob man politisch nun von rechts oder von links kommt, jeder kann die anstehenden wichtigen Veränderungen fühlen. Klimakatastrophen, Flüchtlingsprobleme, Sicherheitswahn und Mietpreisspiralen. Diese Themen betreffen jeden von uns! Es wird Zeit, dass sich auch jeder Gedanken dazu macht!

<3 JRV Bild: cc-by-sa 2.0 über Trevor Botting über flickr.com

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