Kinogucken

Welcome to Earth! Again! – „Independence Day: Wiederkehr“ im Kino

Thomas Empl

„Today we celebrate our Indepence Day!“, verkündet der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, steigt in seinen Kampfjet und rettet die Welt. Müsste man das pathostriefende Actionkino der 90er zusammenfassen, bräuchte man dafür nur diesen Moment. Roland Emmerichs Independence Day war 1996 ein Phänomen, einer der erfolgreichsten Filme aller Zeiten, nicht wirklich ‚gut‘, aber unvergesslich. Ganze 20 Jahre später folgt nun in Independence Day: Wiederkehr ein Nachfolger: Warum eigentlich? Emmerich selbst findet nicht wirklich eine Antwort auf diese Frage. Doch man kann sich dieser Tage sicherlich in schlechtere Sommer-Blockbuster setzen.

Independence Day brauchte keine komplexe Geschichte und Wiederkehr erst recht nicht. Die Aliens sind wieder da und haben ein größeres Schiff. Zeit, sie wieder zu bekämpfen. Eine wirklich schöne Idee von Emmerich gibt’s gleich zu Beginn: In den 20 Jahren seit Teil eins hat die Menschheit durch den gemeinsamen Feind zusammengefunden, es gibt keine Kriege mehr und durch die erbeuteten Alien-Gerätschaften konnten wir neue technologische Höhen erreichen. Der Amerika-Patriotismus weicht einem Zusammenhalt der ganzen Erde. Positive Zukunftsvisionen sind ja sonst eher selten geworden.

Independence Goldblum und Pullman

Nur Will Smith, der keinen Bock auf Nachfolgefilme hatte, ist leider inzwischen bei einem Testflug ums Leben gekommen. In einer Art von Überkompensation taucht deshalb bis in die Nebenrollen fast die gesamte Besetzung des Erstlings wieder auf. Wirklich beeindruckend gealtert sind vor allem Jeff Goldblum und Bill Pullman, denen man richtig gerne zuschaut.

Ziemlich blass bleiben hingegen die Neuzugänge: Jessie Usher als Will Smiths Sohn sowie Liam Hemsworth als – ja wer eigentlich? Schon wenige Tage nach der Pressevorführung fällt es schwer, sich an irgendetwas zu erinnern, was der schlechtere Hemsworth in diesem Film sagt oder macht. Höchstens an den in seiner Präsenz immer stärker werdenden Wunsch, dass die Handlung doch bitte wieder zu Goldblum und Pullman zurückkehren möge. In einem bizarren Fall von Casting läuft im Übrigen auch noch Charlotte Gainsbourg – ja, die Gainsbourg! – durch die Gegend. Sie wirkt wahnsinnig verloren, darf aber auch fast nichts sagen. Als hätte sie auf dem Weg zu einem Lars von Trier-Dreh falsch abgebogen und wäre versehentlich auf dem Independence Day-Set gelandet.

Auch sonst gibt es vieles an diesem Nachfolger, das ins Absurde abgleitet. In einem witzigen Versuch, Teil eins zu toppen, gibt es diesmal halt einfach zwei heroische Präsidentenreden. Eigentlich sprechen fast alle ständig so, als hätten sie ein Mikro in der Hand. So wie niemand in der Realität reden würde. Aber genau das hat irgendwie seinen ganz eigenen Charme. Man muss ständig lachen und seinen Sitznachbarn fragend anschauen: Hat der das gerade wirklich gesagt? Auch Independence Day wirkte ja immer mal wieder wie seine eigene Selbstparodie – und wenn Emmerich diesen leicht doofen, aber wahnsinnig unterhaltsamen Ton erneut treffen wollte, dann ist ihm das gelungen. Mit Sternchen.

Independence Day Boot

Denn was sein Spektakel von anderen Blockbustern, in denen letzten Endes auch nur viele Dinge explodieren, unterscheidet, ist der gänzlich fehlende Zynismus. Emmerich hat Spaß daran, Dinge explodieren zu lassen, er ist richtig gut darin (unter Großstädten macht er’s nicht mehr – in einem frühen Highlight wird London zerstört) und das zeigt er auch. Auch die fast schon kindlich naive Die-Welt-muss-zusammenhalten-Botschaft wirkt schlichtweg ehrlich. Wiederkehr ist nie mehr als ein simpler, unterhaltsamer Nachfolger. Und das ist wirklich vollkommen in Ordnung so. It’s the Fourth of July, let’s show them some fireworks.

(Kinostart ist der 14. Juli 2016 in 2D sowie in ziemlich ordentlichem, kopfschmerzfreiem 3D)

Trailer:

Bilder von: http://www.fox.de/independence-day-2 – © 20th Century Fox

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