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Zeitlos sind sie nicht, aber zeitgemäß: Popup-Stores

Christina Winkler

Schreibt und lebt ganz nach dem Motto: es gibt nix, des net gibt.
Christina Winkler

Wie so ziemlich alles sind sie vergänglich – was danach übrig bleibt, sind vielleicht ein paar rumfliegende Flyer und Fotos, die versuchen die Vergänglichkeit hinaus zu zögern und im besten Fall Erinnerungen, gute Gespräche und errungene Erfolge. Popup-Stores ploppen offline – wie Werbung online – ständig irgendwo auf. Während man es online selbst in der Hand hat, wann es an der Zeit ist die Fenster zu schließen, so werden offline die Türen oft viel zu schnell wieder geschlossen. Was bleibt? Viel zu oft das Gefühl, etwas verpasst zu haben.

Was lange währt, wird endlich gut…

Nach dieser Redensart ist der Erfolg von Popup-Stores doch eher fragwürdig: monatelange Vorbereitung für oft gerade mal ein bis zwei Tage Showtime, oder mal eine Woche. Wie rechnet sich das?

Das Ziel ist wohl meistens, den eigenen Bekanntheitsgrad zu steigern, Aufmerksamkeit zu erhaschen, gesehen zu werden (#online). Während man vor ein paar Jahren noch an Läden vorbeifuhr und danach aufgeregt erzählte: „Es hat ein neuer Laden aufgemacht“, schleicht sich mittlerweile ein „schon wieder“ mit ein. Schon wieder ein neuer hipper Store, der mir die neusten Sonnenbrillentrends zeigen will; schon wieder ein aufstrebender Jungdesigner, dessen Klamotten ich mir ohnehin nicht leisten kann; schon wieder das Gefühl: ich würd gern reingehen, hadere aber noch mit mir, ob ich cool genug bin oder mein „bodenständiges“, nahezu „geregeltes“ Leben nicht zu alltäglich dafür ist.

Vielleicht sind es nicht die Stores, die lange währen, dafür aber das Konzept dahinter, das sich etabliert hat: Jung, hip, spontan, flexibel, ungebunden und einzigartig: Hopp, hopp! Kommt in Scharen und zwar schnell, oder du verpasst was!

Ladenstatus: Ungebunden

Gerade für Jungdesigner und mutige Entrepreneurs, die am Anfang ihrer noch vielversprechenden Karriere stehen, könnte es ein Sprungbrett sein, das beladen ist mit Hoffnung, jeder Menge Selbstvertrauen und im besten Fall mit Können. Ja, so könnte die berufliche Zukunft angekurbelt werden. Der Erfolg sei ihnen gegönnt. Zudem bleibt so unter anderem das Stadtbild in Bewegung: es tut sich was, es wird Platz geschaffen für Kreativität.

Anfang Mai eröffnet am Gärtnerplatz ein Popup vier deutscher Jungdesigner (Hien Le, Goetze, Vladimir Karaleev, The Medley Institute) – in einem Telefonat hab ich nachgehakt: wieso ein Popup und nichts Festes?  Die Antwort scheint fast ein Sinnbild einer flatterhaften, freiheitsliebenden Generation zu sein: Es hat sich gerade schön angeboten. Ein fester Laden ist gleich mit dauerhafter Verpflichtung und vor allem viel Geld verbunden. Abgesehen davon hat man halt einfach Lust drauf.

Sissi, der kreative Kopf, der hinter dem Männerlabel Goetze steckt, findet das Popup-Konzept auch viel spannender. Ein fester Laden hier in München war nie das Ziel: „Wir Designer sollten den Einzelhandel Profis überlassen. Mein Hauptmarkt ist mittlerweile in Asien.“ Da hat man mal wieder junge, aufstrebende Kreative im Land und schwups: ausgelagert. Insofern lohnt es sich doch wirklich, in Scharen zu kommen und den Laden leer zu kaufen.

Mensch, Amazon ist aber kreativ

Es ist schön und gut, kleine und innovative Popups zu unterstützen. Der Trend reicht allerdings schon so weit, dass auch die ohnehin schon erfolgreichen Unternehmen mitspielen und das ist dann wohl mehr ein Spiel mit gezinkten Karten: Der Online-Händler Amazon steigert seinen Profit offline beispielsweise gerade im Centro Oberhausen. Inwieweit sollte man das dann noch unterstützen? Ist ja nicht so, als würde das Unternehmen nicht ohnehin Milliardenumsätze einfahren (nur mal so nebenbei: der Online-Handel ist auch nur ein schöner Nebenverdienst à la „Tante Emma Laden“, am meisten erwirtschaftet Amazon laut Handelsblatt in der Technologie-Branche).

Den Kleinen ein bisschen Ewigkeit schenken

Dem Größenwahn kann man Einhalt gebieten: du kannst ja mal reinschauen, in so einen kleinen, hippen Popup, die beißen nicht.

Vielleicht schaffen sie es ja sogar, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Der von Hien Le, Goetze und Co. öffnet beispielsweise am 4. und 5. Mai in der Corneliusstraße. Die Schuhmarke Toms findet man diese Woche noch in der Hofstatt, auch kein Newcomer mehr, aber immerhin haben die Schuhe ein Gewissen.

 

Der Beitrag wirkt etwas kritisch – vermutlich hat mich dieser Freiheits-, und Reisewahn gerade auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Sagte sie und hatte mittags noch vorgeschlagen, in den Sushi Pop Up ums Eck zu gehen, wurde aber leider eines Besseren belehrt, denn der ist schon wieder weg…


Beitragsbild: J/Unsplash

Toms/Popup: Pauline Schöfbeck

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