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Zwischen Grieg und Orff – so war „Carmina Burana“ in der Philharmonie

Juliane Becker

Theaterwissenschaftlerin, Katzenfreundin und Journalistin. Schreibt bei mucbook über Theater, Konzerte und eigentlich alles, was irgendwie mit Kultur zu tun hat.
Juliane Becker

Edvard Grieg und Carl Orff haben auf den ersten Blick nicht allzu viel gemeinsam: knapp 2.000 Kilometer Luftlinie und knapp fünfzig Jahre Altersunterschied trennen die beiden Komponisten. Was sie eint, ist ein musikalisches Schaffenswerk, das die Jahrhunderte überdauerte – und am 01. Februar gemeinsam in der Münchner Philharmonie präsentiert wurde.

Im ersten Teil des Abends wurden zwei Suiten aus Griegs „Peer Gynt“ gegeben. Nachdem Henrik Ibsen 1867 sein dramatisches Gedicht „Peer Gynt“ fertiggestellt hatte, beauftragte er Edvard Grieg, die Musik dafür zu schreiben. Es entstand ein musikalisches Bühnenstück, das heute nur selten in der originalen Kombination aus Musik und Text gespielt wird, Grieg aber für immer berühmt machen sollten. Insbesondere die Suite No. 1, die die bekannte „Morgenstimmung“ und „In der Halle des Bergkönigs“ umfasst, gehört zu den beliebtesten Orchesterstücken der Romantik. Von den Münchner Symphoniker unter der Leitung von Tobias Foskett meisterhaft facettenreich präsentiert, blieb die erste Stunde des Abends, wenn auch vom Publikum mit herzhaften Hustenanfällen immer wieder unterbrochen (man fühlte sich hier an Loriots Hustensymphonie erinnert, das, welch Zufall, ebenfalls „Peer Gynt“ zur Vorlage nimmt), als Hochgenuss in Erinnerung.

Es folgte der Teil, auf den alle gewartet hatten: Carl Orffs majestätisches Chorwerk „Carmina Burana“. Dennoch: wer die Kantate vorher noch nicht kannte, könnte enttäuscht worden sein. Abgesehen vom epischen Chorsatz „O fortuna“, mit dem das Werk einsetzt und endet, ist „Carmina Burana“ nämlich etwas repetitiv, vielleicht sogar dröge. Sicher, am Anfang wird man von den wuchtigen Pauken und schieren Masse der Choristen (es sang der Münchner Motettenchor) geradezu erschlagen; dieser Effekt verfliegt jedoch recht bald, was den ein oder anderen Zuhörer im Publikum veranlasste, ab Minute 30 ein kurzes Nickerchen einzulegen und, auch hier musste man unweigerlich an Loriot denken, in Sinfonie-mit-dem-Paukenschlag-Manier wieder hochzuschrecken, sobald zum zweiten Mal „O fortuna“ ertönte.

Eine ungewöhnliche, nichtsdestotrotz äußerst gelungene Verbindung zweier meisterhafter Komponisten – ein wunderschöner Abend!

Und übrigens: Die Veranstaltung wird in anderer Besetzung wiederholt. Am 9. Juli im Brunnenhof der Residenz.
Tickets gibt es hier!

Beitragsbild: Münchner Symphoniker (c) Marco Borggreve

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