Schnee in Schwabing
Aktuell, Kolumnen, Leben

Hochgerollte Mützen bei minus zwanzig Grad

Stefanie Witterauf

Stefanie Witterauf

Stefi ist eine junge Journalistin aus München. Sie liebt Neologismen, Dadaismus und Kaffee. Den trinkt sie am liebsten auf Reisen. Bevor sie dreißig Jahre alt wird, möchte sie alle europäischen Hauptstädte gesehen haben.

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Schnee macht die Stadt schöner. Er verwandelt die Straßen in ein Winterwonderland – auch wenn es dieses Mal mal wieder nach Weihnachten endlich soweit war. Hat es einen Nachteil, wenn eine glitzernde, weiße Decke die Straßen und Dächer bedeckt? Ja: bei der ersten Flocke, die von den Wolken herunter tanzt, hat die S-Bahn auf der Stammstrecke erheblich Verspätung. Das Knirschen, das entsteht, wenn man auf frisch gefallenen Schnee tritt, verwandelt sich meist schon am zweiten Tag in ein ekliges Unterfangen, wenn man in den grauen, nassen Matsch tritt. Die Kinder, die friedvoll ihre Schneemänner an der Isar gebaut haben, verbinden sich zu Banden und fangen eine einseitige Schneeballschlacht an, wenn man es wagt an ihnen vorbeizuschlittern.

Rutschfest über Schneematsch

Das ist auch die Zeit, in der die modeinteressierten Einwohner dieser Stadt in eine kleine Depression rutschen. Die Jacke sieht viel besser aus, wenn sie lässig mit dem Reißverschluss offen getragen wird. Dafür ist es jetzt zu kalt. Genauso wie für die weißen Nike Airs, die weder die nötige Wärme spenden können, noch rutschfest über den Schneematsch helfen. Außerdem sehen sie eh viel besser aus, wenn man keine Socken in ihnen trägt und selbst die Insta-Stars dieser Stadt, entscheiden sich in den letzten paar Tagen für Wollsocken und trockene Füße.

Skihose wird zum It-Piece

Einen klaren Vorteil haben die, die regelmäßig Wintersport machen und deswegen eine super Ausrüstung gegen die Kälte im Schrank hängen haben. Die Skihose wird zum neuen It-Piece und kann auf den Weg in die Arbeit mit erhobenen Kopf getragen werden. Ziemlich sicher bekommt man auch beim Warten auf die U-Bahn anerkennende Blicke für die Funktionskleidung zugeworfen. Wahrscheinlich von denen, die noch die an-den-Knien-aufgerissene-Jeans tragen müssen.

Im Winter sind alle Münchner gleich

München wird nicht nur in den kalten Monaten unterstellt, dass die Stadt modetechnisch immer ein bisschen hinterher ist und irgendwie doch alle gleich aussehen. Doch im Winter erreicht dies sein Maximum. Sobald die Temperaturen soweit unter Null fallen, dass der Balkon nicht mehr bedenkenlos als Außenkühllager für Bier genutzt werden kann wird die Woolrich-Jacke ausgepackt und die UGG-Boots. Oft auch diese gestrickte Mütze mit dem Pelzbommel, der weder funktional oder ethisch korrekt ist, noch gut aussieht.

 

Ehrlich gesagt, weiß ich auch keine Lösung, wie man sich warm und trotzdem besonders individuell und schön kleiden kann. Das Zwiebel-Prinzip reicht nicht mehr. Dabei versucht man möglichst viele Schichten übereinander zu tragen. Aber egal wie viele Baumwoll-Shirts du grade trägst, es bleibt trotzdem kalt. Also nur Mut zur Gleichheit – wenn alle sich so kleiden, wird es wohl auch einen Sinn haben und warm halten.

Hässlich, aber warm

Viel mehr wundert mich, dass ich am Wochenende, wo es doch MINUS ZWANZIG GRAD war noch hochgerollte Mützchen auf Undercuts gesehen habe und Caps als Kopfbedeckung von scheinbar frierenden Menschen. Die Ohren werden damit auf jeden Fall nicht besonders warm gehalten. Weiter verwunderlich: dass ich es sehen konnte, bedeutet, dass ich draußen war. Leider habe ich keine großen Ambitionen zum Ski- oder Snowboard fahren und deswegen keine Schneekleidung. Ich habe nur meine wärmste und gleichzeitig hässlichste Winterjacke rausgekramt (und mich gefreut, dass ich sie auf dem Flohmarkt nicht für drei Euro verkaufen konnte). Ein Parka in frischem matsch-olive, der ein ganzes Stück über die Knie geht. Mein blauer Wollmantel ist schon hübscher, hält aber leider nicht mal ansatzweise so warm. Der hängt jetzt erstmal an der Garderobe. Aber solange kann es ja gar nicht kalt sein, oder?


Beitragsbild: (c) Stefanie Witterauf

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