Aktuell, Stadt

Liebe MVG: Ist es wirklich so weit, brauchen wir U-Bahn-Drücker?

Jan Krattiger

Jan Krattiger

Irgendwas mit Medien, Videokameras und Gitarren. Gitarren sind immer gut.
Jan Krattiger

Es ist jeden Morgen dasselbe Spiel: Ich stehe an der Haltestelle und will zur Arbeit fahren. So zwischen Viertel nach Acht und Neun. Also Stoßzeit. Was das heißt, hat mein Kollege Jan Rauschning-Vits ja eben in einem lesenswerten Übersichtsartikel beschrieben und er hat dankenswerterweise auch Lösungsansätze aufgezeigt.

Ich sage: das geht nicht weit genug

Eine radikalere Lösung muss her. Denn mit der U-Bahn durch die Innenstadt Münchens, der Großstadt mit Herz, zu fahren, ist eine Tortur. Zur Stosszeit ist es eben eher die Großstadt mit entweder viel zu viel oder viel zu wenig Deodorant. Auf jeden Fall zu wenig Mundwasser und obendrauf noch einem üblen Musikgeschmack. Wenigstens weiß ich dank den ultralaut aufgedrehten Ohrstöpseln direkt neben meinem Ohr immer, was in den Charts gerade so angesagt ist.

Das Glück, all das mitzubekommen hat aber nur, wer es auch schafft in die Bahn reinzukommen.

Allzu oft geht das nämlich gar nicht mehr.

Wäre es also an der Zeit, sich ein Beispiel an Tokio oder Shanghai zu nehmen? Brauchen wir Oshyia (押し屋), also Drücker, die uns arbeitswillige Menschenmasse Morgen für Morgen in die Bahn schieben, damit die Sardinenbüchse zu geht und wir pünktlich ins Büro kommen? Auch in Madrid übernehmen die sogenannten Empujadores (wie geil klingt das denn, bitte?) diesen Job seit Februar diesen Jahres. Hier in München stehen ja schon Ordner bereit an neuralgischen Punkten wie dem Hauptbahnhof. Nur drücken sie die Leute (noch) nicht rein.

Ich sehe leider gerade keine Alternative, liebe MVG. Denn es ist ja nicht absehbar, dass dieses Problem so schnell aus der Welt geschafft werden kann. Und jeden Morgen zu spät ins Büro zu kommen, findet mein Chef nicht so toll.

Klar. Man könnte jetzt sagen, „heul nicht so rum, bald kommt der Frühling und dann kannst du ja wieder Rad fahren„. Stimmt schon, aber was folgt auf den Frühling und den Sommer und den hoffentlich noch einigermaßen radltauglichen Herbst? Richtig: der nächste Winter und der nächste allmorgendliche Quetsch-Marathon. Zeit also, das Problem wirklich anzugehen. Jetzt, bitte.

Andere Städte scheinen es ja auch einigermaßen hinzukriegen. Und die haben ein paar Millionen Einwohner mehr als München. Also los: Schubst uns rein!


Beitragsbild: via youtube

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