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Musicaltipp: Der Glöckner von Notre Dame im Deutschen Theater

Leonie Meltzer

Leonie Meltzer

Her mit den Wörtern, den großen der Zeit, den prägenden, die jeden betreffen und über die wir diskutieren. Angst, Hass, Liebe, Mut? "Wieso, weshalb, warum?", frage ich mich und fange eure Münchner Stimmen ein über all jene Wörter, mit denen wir uns täglich auseinandersetzen.
Leonie Meltzer

Am 12. November 2017 feierte das Musical „der Glöckner von Notre Dame“ seine Premiere im Deutschen Theater in München. Phantastische Stimmen, ein imposantes Bühnenbild und perfekt inszenierte Bühnentricks sorgten nach zweistündiger Vorstellung für minutenlange Standing Ovation. Basierend auf dem Roman von Victor Hugo und dem Zeichentrickfilm von Disney wurde hier ein Musical geschaffen, das sich sehen lassen kann.

Dramatisch düstere Liebesgeschichte

Aber erstmal zurück zur Geschichte, die wohl jedem Disney-Liebhaber bekannt ist. Der buckelige Quasimodo, gespielt von David Jakobs, wächst im Glockenturm der Notre Dame von Paris auf. Ausgestoßen von der Welt und abgeschirmt durch Frollo, seinen Ziehvater und Erzdiakon von Notre Dame (gespielt von Felix Martin), hat Quasimodo lediglich die Wasserspeier, mit denen er spricht und die er in seiner Phantasie zum Leben erweckt. Im Musical werden die Wasserspeier zu Mönchen, die in ihren Roben etwas Mystisches an sich haben. Von ihnen angestachelt, begibt sich Quasimodo doch noch hinaus zum Pariser „Fest der Narren“. Hier wird er jedoch nicht freudig begrüßt, sondern von den Feierwütigen einer Tortur unterzogen und bloß gestellt. Lediglich Esmeralda, dargestellt von der Australierin Sarah Browden, hilft ihm zu entkommen. Da sie eine Zigeunerin ist und zudem Frollo zurückweist, richtet sich der Erzdiakon gegen sie und möchte sie auf dem Scheiterhaufen hinrichten lassen. Es entbrennt eine Geschichte um Klassenverhältnisse, Liebe und Hass.

Quasimodo verzaubert mit seiner Stimme nicht nur die Wasserspeier

Zum Dahinschmelzen ist David Jakobs Stimme. Aber auch Sarah Browden lauscht man gerne, wenn sie mit Maximilian Mann alias Hauptmann Phoebus De Martin die romantischen Disney-Lieder singt. Ebenso bekommt man Gänsehaut bei Felix Martin, der den Erzdiakon Frollo authentisch und düster vermittelt. Besonders kraftvoll und wesentlicher Bestandteil ist auch der 24-köpfige Chor, durch den man das Gefühl bekommt, man würde in der mittelalterlichen Kathedrale im Jahre 1482 sitzen.

Die Glocken läuten bei beeindruckendem Bühnenbild

Buntglasfenster und große Kirchturmglocken, die heruntergefahren werden, wenn der Glockenturm dargestellt wird, setzen das Bühnenbild in Szene. Dunkles Eichenholz, vier Glockentürme und zwei Ebenen bestimmen das Set. Der Kirchenchor thront über dem Geschehen und sorgt für Auftakt und Ende. Durch klug eingesetzte Effekte wird die Szenerie im Handumdrehen gewechselt. So wird durch festliche Girlanden, die von der Decke hängen, mal eben das Marktplatzfest dargestellt. Ein großes wehendes Tuch wird zu flüssigem Blei. Und auch die Sterbeszene des Diakons, der mit Hilfe der Hände der anderen Schauspieler über die Bühne in die Tiefe schwebt, ist durch schnelle Bühnentricks toll dargestellt.

Wenngleich das Musical nicht unbedingt leichte Kost bietet, da es Themen wie Fremdenhass, Menschenverachtung und Scheinheiligkeit aufgreift, ist es doch absolut sehenswert trotz seiner düsteren, spätmittelalterlichen Atmosphäre.


Nach Disney
Musik: von Alan Menken und Stephen Schwartz
Schauspieler: David Jakobs (Quasimodo), Felix Martin (Frollo), Jens Janke (Clopin), Maximilian Mann (Hauptmann Phoebus De Martin), Sarah Bowdenn (Esmeralda) und anderen
Musikalische Leitung: Bernhard Volk

Ort: Deutsches Theater München
Zeitraum: 11.11.2017 – 07.01.2018


Fotos: ©Deutsches Theater München

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