lebascha Muenchen: Vor dem Laden © Leonie Meltzer
Aktuell, aus dem Magazin

Lebascha – ein Naturkost-Fossil in Haidhausen

Leonie Meltzer

Gestapelte Obstkisten, mit Handschrift verzierte Gläser gefüllt mit den unterschiedlichsten Lakritz-Sorten, ausgewählte Weine, frisches Gemüse und hochwertiges Olivenöl stehen in den Regalen: Der Naturkostladen Lebascha ist eine wahre Villa Kunterbunt unter den Bioläden. Ein kleiner Tante-Emma-Laden, der eine bunt gemischte Auswahl an Bioprodukten anbietet. Außerdem ist er ein „Naturkost-Fossil“, wie die heutige Besitzerin Ulla Jüttendorf es ausdrückt, denn er existiert bereits seit 1973 in der Breisacher Straße 12.

„Zunächst war der Laden eine Kooperative, wo alle ein bisschen zusammen gewurschtelt haben“, erzählt Ulla. Gegründet hat das Geschäft Biggi Vooggenreither mit der Idee, auf dem Land angebaute Produkte in der Stadt zu verkaufen. „Ich kannte viele WGs“, erzählt sie bei unserem Besuch, „einige meiner Freunde haben Kerzen gemacht, die anderen haben Gemüse angebaut, und das wollten sie verkaufen. Nach und nach sind immer mehr dazugekommen. Die Milch haben wir damals sogar noch in Kannen direkt vom Bauern gekauft.“.

lebascha-muenchen verkäuferin © Leonie Meltzer

Ein Jahr lang hieß der Laden „Schwarzmarkt“, was aber nicht lange gut gegangen sei. „Irgendwann wurde es seltsam, weil die Leute bei Schwarzmarkt dachten, sie könnten dort illegale Papiere bestellen“. Es sei auch wie auf einem Schwarzmarkt zugegangen, meint Ulla Jüttendorf: „Jeder hat seine Bio-Produkte vom Land mitgebracht und verkauft. Das waren einfach ein paar Leute, die diese ‚neue‘ Anbauweise praktiziert haben.” Das Haus selbst war zu der Zeit bekannt gewesen als „Breisacher Straße 12“.

„Damit der Bayer das aussprechen kann, habe ich das zu Lebascha zusammengefügt.“

Es sei schon immer sehr politisch und links zugegangen. „Im Keller waren die Anti-Wacker-Leute und Antifas – deren Kinder und Enkelkinder wohnen immer noch im Haus“. Biggi Voggenreiter hat nach einem Jahr schließlich das Geschäft „Lebascha“ getauft und daraufhin auch als Gewerbe angemeldet. Den Begriff „Le Bascha“ habe sie beim Lesen eines Buches über afrikanische Mythologie entdeckt. Er bedeutet „derjenige, der im Stamm für die Ordnung zuständig ist, der Ordnungshüter. Und damit der Bayer das aussprechen kann, habe ich das zu Lebascha zusammengefügt.“ Ulla Jüttendorf arbeitete zu dieser Zeit erst als Angestellte dort, dann im Restaurant Ruffini. 1991, als Lebascha frei wurde, übernahm sie zusammen mit ihrer Ruffini-Kollegin Christine Wittmann das Geschäft.

Sigi Pop hat hier gearbeitet

„Es war sehr spannend, den Wandel der Zeit mitzuerleben“, sagt die Ladenbesitzerin Ulla. Haidhausen habe sich verändert: „Am Anfang war es noch sehr freakig“. Vor allem eine alternative Kundschaft habe bei ihr eingekauft, mit „Birkenstock-Sandalen“. Auch viele Punks zählten zu Beginn noch zum Lebascha-Publikum: „Sigi Pop, ein bekannter Punker, der bei den ‚Marionettes‘ (heute “Marionetz”, Anm. d Red.) spielte, hat hier gearbeitet.“ Zu Beginn seien vor allem Menschen in den Laden gekommen, die sich mit dem Thema Bio auseinandergesetzt haben. „Immer mehr hat sich Naturkost etabliert und durchgesetzt, es wurde professioneller und irgendwann viel konventioneller.“ Der kleine Naturkostladen Lebascha sei ein echtes Fossil in München. Heute kaufe ein gemischtes Publikum bei ihr ein: „Gerade die jungen Leute leben immer bewusster, aber wir sind auch ein Viertelladen. Die Leute kennen sich, reden hier miteinander. Viele kaufen seit Jahrzehnten bei uns ein.“

lebascha muenchen Sortiment © Leonie Meltzer

Er sei etwas Besonderes, meint Ulla: „Auch wenn es natürlich ein großer Vorteil ist, dass Naturkost sich durchsetzt. Aber ich glaube, bei der rasanten Entwicklung werden viele kleine Läden auf der Strecke bleiben“. So beziehen die beiden Geschäfsführerinnen ihr Obst und Gemüse zum Beispiel von Tagwerk, einem regionalen Anbieter, und legen viel Wert darauf, bei kleinen Händlern einzukaufen. Eine Nicht-Bio-Ausnahme zum Naschen gibt es, und zwar eine riesige Auswahl davon – Lakritz. „Einfach, weil es so sau gut schmeckt“. Und weil Ulla nahe der holländischen Grenze aufgewachsen ist und die dort heimische Spezialität sehr vermisst habe. So können sich Kunden mit Zange und Tüte bewaffnet durch die Lakritz-Gläser probieren, in denen Geschmacksrichtungen wie Hexenheuler, Lakritz Toffee oder süße Meeresfrüchte zu finden sind.

Karteikasten statt Computer

„Das sind etwa 70 verschiedene Sorten. Die Leute sind begeistert, das hat sich herumgesprochen“. Den Charme der 70er- und 80er-Jahre hat Lebascha nicht verloren. Ein bisschen fühlt man sich dorthin zurückversetzt. Vor allem, wenn Ulla Jüttendorf lachend auf einen Karteikasten mit Adressen zeigt und sagt: „Das ist unser Computer“. Ein liebevoll gestalteter und uriger Ort, der zum Verweilen, Naschen und zum Kauf von Bio-Produkten einlädt. „Damit unsere Erde gesund bleibt, damit menschenwürdigere Arbeitsbedingungen geschaffen werden und wir nachhaltig leben“, meint Ulla.


Cover Mucbook 14 – Foto: © Denis Pernath

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Text & Fotos im Beitrag: Leonie Meltzer

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