Aktuell, Kultur, Was machen wir heute?

Ab in den Bouncing Ballroom – Die neue Indie-Party von Atomic-Veteranen im Folks

Carolin Dithenhof

Carolin Dithenhof

Münchner Kindl wieder zurück in der Heimat. Liebe zum Wiener Schmäh und Kaffeehäusern mit ausgelegten Zeitungen. Marillenknödel for life.
Carolin Dithenhof

Seit knapp anderthalb Monaten hat der Folks Club seine Türen für euch geöffnet und überraschte schon mit sehr vielen coolen Abenden.

Jetzt kommt ein neuer hinzu: Atomic is back – zumindest ein bisschen, denn Henning Furbach war nicht nur treues Atomic Café-Urgestein, im privaten als auch im musikalisch prägenden Sinne, sondern auch Initiator und DJ des legendären Britwoch.

Nun hat er mit seinem DJ-Freund Tom Yorba eine neue Veranstaltungsreihe gegründet, die bestimmt einen kleinen nostalgischen Flair aus früheren Zeiten abbekommen wird. „The Bouncing Ballroom“ startet nächsten Donnerstag, 27.12. im Folks und überzeugt mit einem Mix aus Klassischem, Neuen, Hits und Unerwartetem und lädt alle Indie Fans aber auch jene, die sich nicht unter der Bezeichnung verstehen, zum „Weihnachtspfunde“ Wegtanzen ein.

Wir haben Henning ein paar Fragen zur neuen Veranstaltungsreihe gestellt.

MUCBOOK: Du hattest dich eigentlich schon ein bisschen aus dem Nachtleben zurückgezogen und nicht mehr so viel aufgelegt in den letzen Jahren. Was hat dich und Tom nun dazu gebracht, das mit der neuen Partyreihe „The Bouncing Ballroom“ zu ändern?

Henning: Nach dem Ende des Atomic habe ich erst mal bewusst eine Pause eingelegt. Ich war dort ja Ewigkeiten nicht nur DJ, sondern auch Stammgast. Wenn das Atomic nicht geschlossen hätte, säße ich bestimmt immer noch jedes Wochenende im Eck an der kleinen Bar. Ich hab’s nun mal auch wirklich geliebt dort. Aber letztlich brauchte ich nen Tritt, um mal was zu ändern. Das Ende des Atomic habe ich als diesen Tritt gedeutet.

Das war auch nicht verkehrt. Trotzdem war’s ja nicht so, dass ich prinzipiell nicht mehr auflegen wollte. Gerade wenn ich mal abends unterwegs war, habe ich auch gemerkt, dass es mir gefehlt hat. Es hat schon was, selbst bestimmen zu können, was läuft.

Habt ihr schon länger mit dem Gedanken gespielt, was Neues zu machen?

Ja, Tom und ich haben schon länger gesagt „Lass uns mal was Neues machen“ und die Augen nach dem richtigen Laden dafür offen gehalten. Jetzt hat sich die Möglichkeit mit dem Folks ergeben. Wir haben Bock, jetzt schauen wir mal, ob die Leute auch noch Bock auf uns haben.

Du warst im Atomic schon prägender DJ des legendären Britwoch. Warst du dabei Veranstalter oder DJ? 

Veranstalter des Britwoch war das Atomic. Ich war DJ dort und da gab es ja mehrere. Aber ich darf schon sagen, dass ich letztlich der Ur-Britwoch-DJ war. Ich hab den Abend damals ins Leben gerufen. Zuerst war der Britwoch monatlich, dann lief er schnell so gut, dass man ihn zur wöchentlichen Veranstaltung machte. Ab dann hab ich aber nicht mehr jeden Abend gemacht, sondern es gab mehrere DJs, die sich abwechselten – aber ich bilde mir schon ein, dass ich den Abend mit geprägt und die ursprüngliche Richtung vorgegeben habe.

Darf uns jetzt beim „Bouncing Ballroom“ was ähnliches erwarten, wie damals im Atomic?

Ich hoffe schon. Aber das kommt natürlich auch drauf an, wie es angenommen wird. Musikalisch wird es ähnlich, denn mein Musikgeschmack ist nun mal mein Musikgeschmack – und ich habe hoffentlich nicht verlernt, im richtigen Moment auf „Start“ zu drücken. Aber es wird natürlich nicht 1:1 das gleiche Programm, weil seit dem Atomic ja ein Haufen neue Musik erschienen ist und weiter erscheint.

Ich bilde mir ein, dass wir den Leuten auch beim Britwoch nicht das 08/15-Indie-Hitprogramm (den sogenannten „Indie-Ballermann“) geliefert haben, sondern dass es da immer eine spannende Mischung gab. An erster Stelle stand immer die Party, klar. Aber meine Motivation war immer auch, Brandneues, lange nicht mehr Gehörtes und Kennerkram ins Set einzubauen – und zwar so, dass trotzdem weiter gefeiert wurde. Das Schönste war immer, wenn ein Song, den man selbst irgendwo ausgegraben hatte, zum Atomic-Hit wurde.

Nach diesem Motto sollten also auch Folks-Hits entstehen? 

Ja, das ist auch beim Bouncing Ballroom das Ziel von mir und Tom. Es gibt ja heute auch Indie-Parties, die damit werben, dass der Sound von vor zehn Jahren läuft. So ein Nostalgie-Ding wollen wir nicht.

Also: Klar sind Songs aus der goldenen Britwoch-Ära Teil des Programms, aber Neues und Älteres genauso. Musikalisch geht es nicht darum, die alten Lieder zu aufzuwärmen, sondern den „Spirit of Britwoch“ wieder zu wecken, Hits zum Feiern und Überraschungen zu mischen. Ob das halt auch noch mal so angenommen wird wie zu Atomic-Zeiten, das werden wir sehen. Ich wünsche es mir auf alle Fälle. Vielleicht zeigt sich aber auch, dass das ein Ding seiner Zeit war und nicht mehr so übertragbar ist? Wir werden sehen.

Was macht den Folks Club zur passenden Location? Was hat er, was andere Clubs nicht haben?

Naja, ich will ja keine anderen Clubs dissen und sagen, dass sie irgendwas nicht haben. Das mit dem Folks hat sich halt gut ergeben. Ich mag das Ambiente dort, der Laden ist wirklich schick gemacht. Persönlich freut mich besonders, dass es dort die Polster und Nischen gibt, wo man sich auch mal hinsetzen und unterhalten kann. Ohne zum tausendsten Mal Atomic sagen zu wollen – aber das war ja auch was, das ich daran sehr mochte: Man konnte auf dem Dancefloor zucken, aber sich auch an die kleine Bar zurückziehen und gehaltvolle oder herrlich alberne Gespräche führen, wenn man jemand nettes getroffen oder kennengelernt hatte. Es gibt Clubs, da geht nur das eine und Bars, da geht nur das andere. Im Folks geht wieder beides.

Wie seid ihr auf den Namen „The Bouncing Ballroom“ gekommen?

Also, der Name: „Bouncing Ballroom“ hat natürlich letztlich schon was mit Bouncing Balls zu tun, aber halt mit der Bedeutung Springbälle (für Kinder). Der Gedanke war: Dieses Wörtchen Bouncing hat was Buntes, Dynamisches. Die Idee war auch, dass die Hüpfbälle etwas Ausgelassenes, Kindergeburtstagsparty-mäßiges symbolisieren sollen. So eine wurlige Atmosphäre herrschte beim Britwoch ja auch oft. (Verdammt, schon wieder Britwoch gesagt!)

Jedenfalls, machen wir also den Hüpfball-Raum bzw. den bebenden Ballsaal. Es gibt ja auch das Bouncy Castle, die Hüpfburg. Nur bei uns ist es halt das Hüpfzimmer. Das war so der Gedanke.

Und was hört Henning privat so? – Best Ditches hält euch dabei auf dem Laufenden

Weil Henning sich offiziell wirklich für Indie begeistert, teilt er seine neuen Lieblingsplatten, Songs und Gespräche mit Menschen aus der Indie-Welt gerne auf seinem Blog Best Ditches. Aber Obacht, seine eigene Beschreibung des Blogs ist „ein nerdy nerdy Nerd-Ding“ – aber absolut lohnenswert, wenn man Inspiration von einem Menschen sucht, der einem durch sein Talent und Enthusiasmus am Pult schon die besten Nächte beschert hat.

Und weil du doch jetzt auch gespannt bist, verlosen wir 2×2 Gästelistenplätze

Nach Familie, viel Weihnachtsessen, guten Bücher und wahrscheinlich wenig Bewegung haben wir hier doch genau das Richtige für dich für den Tag nach den Feierlichkeiten. Noch besser: wir haben Gästelistenplätze! Die verlosen wir drüben auf Facebook, also schnell hin da!


In aller Kürze: 

Was? The Bouncing Ballroom Vol.1

Wo? Folks Club, Thalkirchner Str. 2, 80337 München

Wann? 27.12.2018, ab 21 Uhr


Beitragsbild: © Markus Werner

No Comments

Post A Comment

Das Heft über „Wohnen trotz München“

Simple Share Buttons
Simple Share Buttons