Das Gans Woanders
Aktuell, Essen, Kultur

Abgetaucht und mal „Gans Woanders“

Barbara Manhart

Pflanzen in allen möglichen Grünschattierungen, Bücher mit vergilbten Seiten, eine alte Schreibmaschine und unendlich viele Winkel und Ecken mit Sitzgelegenheiten. Sofas, Gartenstühle, Sitzbänke und Paletten, unter freiem Himmel oder überdacht. Erfüllt ist das Ganze immer vom Summen von Unterhaltungen, dem Geruch nach Rosmarin und frischer Pizza.

Das sind die ersten Eindrücke, die einen erwarten, wenn man das „Gans Woanders“ in Giesing betritt.

Was länge währt, wird endlich gut

Das „Hexenhäuschen“, wie das Gans Woanders wegen seiner Vorgeschichte und seinem Aussehen auch genannt wird, ist das neueste Projekt rund um die kreativen Köpfe Philipp Behringer, Julian Hahn und Florian Jund. Die drei sind aus der Münchner Kultur- und Gastronomieszene nicht mehr wegzudenken. Gemeinsam haben sie unter anderem schon das „Gans am Wasser“ gestaltet, Julians Bruder ist verantwortlich für Projekte wie „Die alte Utting“ oder den Bahnwärter Thiel. Die Orte könnten unterschiedlicher nicht sein, doch eines haben alle gemeinsam: Es handelt sich dabei um temporäre Zwischennutzungen und neben der natürlich recht intensiven Planung, mit Stadt und Grundstückbesitzern, bleibt vieles spontan und dem Zufall überlassen.

Alles neu

Der Weg von der brach liegenden Fläche mit dem ursprünglichen „Hexenhäusl“ bis hin zum neuen Haus war in etwa so verschlungen, wie das letztendliche Ergebnis. Bereits vor zwei Jahren haben wir mit Julian Hahn über das Projekt gesprochen, die Umsetzung hat also etwas länger gedauert. Ursprünglich war nämlich geplant, den alten Kiosk auf dem Grundstück zu renovieren. Streichen wollten die drei, eine Kaffeemaschine einbauen. Doch daraus wurde nichts. Das Haus war instabil, in den Wänden hatten sich Ratten eingenistet. „Dann haben wir gesagt, bauen wir es neu, bauen wir es gleich ein bisschen größer und dann hat sich das so Stück für Stück entwickelt.“, beschreibt Philipp die Situation. Das meiste würden sie außerdem selbst bauen, nur wenn es unbedingt notwendig wäre, würden Spezialisten kommen – die seien heute so oder so viel mehr daran interessiert, in Normen zu arbeiten. Zum Einbauen der Fenster hätten sie beispielsweise schlicht niemanden gefunden.

Spontanität vs. Intentionalität

Die besagten Fenster stammen aus einem alten Fabrikgebäude. Die Tür daneben von einem Bauernhof aus dem Allgäu, die Lampen von einem mittlerweile abgerissenen Hotel. Denn beim Bau des Gans Woanders hat neben der situationsbedingten Spontanität hinter dem Ganzen eine große Intention gesteckt: „Wir machen nicht nur so auf alt und cool sondern wir nehmen halt wirklich alte Sachen.“ Wichtig war ihnen natürlich nicht nur die visuelle Gestaltung. Die Gastronomie solle im Gans Woanders hauptsächlich dafür sorgen, dass kostenlose Kulturveranstaltungen angeboten werden können. Einen Konsumzwang gibt es daher auch nicht. Das Ganze basiert auf der Idee einen Ort zum Begegnen und Austauschen zu schaffen, an dem man sich wie in einer anderen Welt, einfach mal Gans woanders fühlt.

Fazit: Tolles Ambiente, feines Essen, gute Stimmung

Pizza im Gans Woanders

Und das scheint gut zu funktionieren. Die Flächen sind gefüllt, die Leute kommen zu zweit oder in kleinen Gruppen. Unter den Besuchern sind Studierende mit Laptops, Eltern mit ihren Kindern, Freundesgruppen jeden Alters. Auf der Holzbühne im Freien stehen ein paar Leute. Die Gäste klatschen, trinken, essen. Denn obwohl der Fokus nicht zu sehr auf dem Gastrobereich liegen soll, ist das Essen im Gans Woanders richtig lecker. Es überzeugt mit kleiner, aber feiner Karte. Ganz besonders zu empfehlen: Die Pizza mit Büffelmozarella. Mehr zu Probieren war an dem einen Abend leider nicht drin, dafür hat die Pizza zu satt gemacht. Aber es gibt ja noch viele weitere Tage, an denen Rosmarin-Pommes, Kuchenvariationen und Matcha im Gans Woanders warten.

In aller Kürze:
Was? Offenes Kulturcafé in Giesing
Wann? Mo-Sa 10:00-24:00 Uhr, Sonntag 10:00-23:00 Uhr 
Wo? Pilgersheimerstraße 13
Mehr Infos findest du HIER.

Fotos: © Barbara Manhart

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