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All the Things on Munich Bike Lanes – hier machen Radlfahrer ihrem Ärger Luft

„Ich muss nur schnell zum Bäcker“, „ich brauch nur kurz etwas aus der Apotheke“, „ich warte auf meinen Freund“ – die Ausreden sind immer dieselben, das Ergebnis auch: Autofahrer parken auf dem Fahrradweg und zwingen Radler zum Ausweichen. Jetzt schlagen Fahrradfahrer in München zurück, und zwar digital.

All the Things on Munich Bike Lanes

all the things on munich bike lanes

So heißt die Facebook-Gruppe, in der Münchner RadlfahrerInnen seit August 2017 ihrem Ärger Luft machen können. 353 aktive Mitglieder umfasst die Gruppe aktuell, die sich von der Critical Mass Facebook Community-Seite abgespalten hat.

Ziel ist ein für alle mal klar zu stellen: Der Radweg ist kein Parkplatz, den man beliebig zuparken kann, auch nicht „nur kurz“.

Ronald Fischer, Gründer der FB-Gruppe, erzählt:

„Da ich privat selbst viel mit dem Fahrrad in und um München herum unterwegs bin und darüber auch unter wurzlwerk.de berichte, fande ich es nur logisch, den Radlern mit dieser Gruppe eine Plattform zu bieten. Schon alleine um dem Ärger etwas Luft zu machen und um sich bei Fragen gegenseitig zu helfen.

Bevor es diese Gruppe gab, hatte ich selbst schon ein negatives Erlebnis und wusste damals nicht, wie ich richtig reagieren sollten. Ein Falschparker auf einem Radfahrstreifen blockierte vor mir den Weg. Links rollte der KFZ-Verkehr und rechts parkten Autos. Für mich kein vorbeikommen. Auf zuwinken von hinten reagierte weder Fahrer noch Beifahrerin. Als es der Verkehr zuließ und ich sicher überholen konnte, hielt ich vor dem Auto an und machte denjenigen auf sein Verhalten aufmerksam. Prompt sprang er und seine Beifahrerin aus dem Auto und beleidigten mich lauthals. Benommen machte ich mich von dannen.

Heute würde ich anders reagieren, Foto machen und bei der örtlichen Wache anrufen. Denn auch die Polizei sollte in meinen Augen stärker kontrollieren.“

#runtervomradweg

Wenn Falschparker erwischt werden, droht ihnen übrigens eine Geldbuße in Höhe von 20 Euro. Tja, wenn…

Ronald Fischer meint darauf: „Wer mit offen Augen durch die Straßen geht, sieht eigentlich überall lohnende Einkommensquellen für die Stadt. Allein in meinem Viertel, wo ich öfters joggen gehe, stehen täglich unzählige Autos auf dem Bürgersteig. Selbst bei Google Maps kann man das erkennen. Letztens hab ich mal 23 Falschparker auf 200 Metern gezählt. Mit Kinderwägen oder im Rollstuhl, oder eben mit dem Rad, ist da ein Vorbeikommen nur schwer möglich.“

Die Polizei in Hamburg hat jüngst übrigens diese Aktion gestartet:


Eine nötige Aktion, denn oft überwiegt das Verständnis für die Falschparker, gerade in Vierteln mit chronischer Parkplatznot. Dann heißt es etwa: Lieferverkehr, Baustellenfahrzeuge, der mobile Pflegedienst – ja, wo sollen die denn sonst „kurz“ parken, wenn nicht auf diesem extra Stück vermeintlich freier Straße?

Vertauschte Rollen

Eine durchaus lustige und bezeichnende Aktion hat das Berliner Radio 104.6 RTL auf den Straßen der Hauptstadt gestartet. Ein Mitarbeiter stellte sein Rad einfach vorrübergehen auf der Fahrbahn ab, um mal „kurz zum Bäcker“ zu gehen. Die hitzigen Reaktionen sieht man hier.

Vielleicht wäre das auch einmal ein Versuch in München wert, um mehr Bewusstsein zu schaffen?


Fotos: Things on Munich Bike Lanes,  Beitragsbild: Horst Reinelt, Text: Ronja Lotz

1Comment
  • Herbert Gerhard Schön
    Posted at 22:14h, 21 Juli

    München braucht eine offizielle „Wegeheld-App“ als Daten-Verbindung zwischen Bürger*innen und Stadtverwaltung, einen entsprechend großen Server beim KVR und „nur“ etwas 10.000 Menschen mit einem Smartphone, die auf ihren alltäglichen Wegen als Fußgänger*innen und als Radfahrer*innen so nebenbei all das falsch abgestellte Parkblech photographieren und melden, was ihnen halt so alltäglich im Weg steht. Innerhalb weniger Wochen könnte dieser Spuk dann vorbei sein: Wenn die falsch parkenden Auto-Besitzer*innen einen Menschen mit einem Smartphone in der Hand sehen, bekämen sie dann erst einmal einen Riesenschreck, . . .

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