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Bye, bye Obike! Warum der Obike-Vandalismus dumm war

Ach München, jetzt haben wir’s: Obike sammelt 6.000 ihrer insgesamt 6.800 gelben Leihfahrräder aus dem Stadtgebiet wieder ein, verkündet die SZ. Der Grund: sie hängen von Straßenschildern, fliegen in die Isar oder werden komplett zerstört.

Eine dumme Aktion in einer Stadt, die täglich die Werte für Feinstaub überschreitet

Zu viele demolierte Räder = zu hohe Reparaturkosten. Klar, dass das Bikesharing-Unternehmen aus Singapur seine Konsequenzen zieht – und wir in der Feinstaub-Hochburg München so 6.000 Möglichkeiten weniger haben, um klimafreundlich von A nach B zu kommen. Das haben die zerstörungswütigen Bürger nicht bedacht: in München fehlt es nicht nur an bezahlbarem Wohnraum, sondern auch an Alternativen zum Auto und den bumsvollen Öffentlichen.

Happy Skyrocking New Year #obikesofmunich Beautiful Snap by @ines_sasic

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Zwar wird es bis Ende des Jahres – trotz der 6.000 eingesammelten Obikes – wieder um die 12.000 Leihfahrräder für Bürger und Touristen geben. Allerdings bräuchte eine Stadt wie München eigentlich 30.000 bis 40.000 Leihfarräder, laut SZ. Denn auch die gehören zur Verkehrswende halt irgendwie dazu.

Woher kommt aber die Zerstörungswut, diese Lust am Vandalismus?

Für Martin Glöckner, Geschäftsführer von Green City e.V., ist „die Presse“ schuld am Vandalismus. Immerhin schrieben Medien von der „gelben Flut“ und heimlich abgegriffenen Nutzerdaten.

Dass es nicht so einfach ist, liegt auf der Hand. Letztes Jahr schrieb unsere Autorin Sophia Hösi zum Beispiel:

„Dass Bike-Sharing prinzipiell eine tolle und durchaus praktische Sache ist, kann sicher jeder bestätigen (spätestens nach einem gesparten Taxi, wenn die letzte U-Bahn schon lange gefahren ist). Das Radl-Angebot der MVG testeten wir sogar schon.“

Und weiter: „Die MVG sieht die OBikes nach eigener Aussage bisher nicht als ernstzunehmende Konkurrenz, da sie schlichtweg einen besseren Service bieten. Belohnungen fürs Parken an Bike-Stationen und die Gangschaltung haben die Blauen den Gelben momentan nämlich noch voraus.“

https://www.instagram.com/p/BaZ236ZAeOm/

Nur ein fataler Instagram-Hype?

Also „die Presse“ kann es schon einmal nicht pauschal gewesen sein. Vielleicht war es ja der etwas fatale Instagram-Hype? Letztes Jahr verselbstständigten sich auf Instagram Posts von demolierten Obikes, denn mit der Zerstörungswut ist München nicht alleine. In zahlreichen anderen Städten, wie Melbourne oder Zürich, findet man die gelben Leihfarräder in Büschen oder auf Dächern. Schön dokumentiert von Instagram-Accounts wie @sad_obikes oder @obikesofmunich.

Wir haben bei dem Instagram-Account @obikesofmunich nachgefragt:

„Unsere Bilder sollten dazu anregen, nachzudenken welche Auswüchse dieser Vandalismus genommen hat. Welchen Dienst erweist man der Stadt, wenn man die Fahrräder in die Isar wirft?“ Weiter gibt das Kollektiv obikesofmunich aber auch zu Bedenken: „Der jetzige Rückzug eines schlechten Anbieters bringt München in der Mobilität auch nicht weiter.“

Für Florian Paul, den Radlbeauftragten im Planungsreferat, ist der Vandalismus zum Teil mit der verpassten Pressearbeit von Obike im letzten Jahr zu erklären. Immerhin hätte das Unternehmen die BürgerInnen schlecht bis gar nicht informiert. Zudem sei oft die schlechte Qualität der Fahrräder ein Beschwerdegrund gewesen.

Die schiere Anzahl von fast 7.000 Fahrrädern innerhalb kürzester Zeit und die Ungewissheit, was mit den Nutzerdaten jetzt tatsächlich passiert, könnten auch Gründe für eine gewisse Voreingenommenheit gewesen sein.

Eine mediale Einladung, wahllos zu demolieren war das allerdings noch lange nicht.


Beitragbild: © Sophia Hösi

4 Comments
  • Jakob
    Posted at 18:02h, 27 März

    Wenn ich die SZ richtig verstehe, gibt es dann nur ca. 6k Räder in München (momentan sind es ja deutlich weniger – sieht man von den Obikes ab). Das ist echt ziemlich ernüchternd.

    „Nach dem Rückzug von Obike wird es nun Ende des Jahres statt der geplanten 12 000 Rädern nur die Hälfte in München geben…“

  • Anton Garhammer
    Posted at 20:00h, 27 März

    „Allerdings bräuchte eine Stadt wie München eigentlich 30.000 bis 40.000 Leihfarräder, laut SZ.“
    Das schreibt nicht die SZ. Die SZ berichtet über Studien, die das belegen sollen. Der Link zu den Studien fehlt aber.

    Ich bin froh, dass diese Drecksdinger endlich reduziert werden. Das Geschäftsmodell von obike ist vermutlich auch gar nicht der Fahrradverleih, sondern der Handel mit Daten.

    Wie diese Stadt aussehen wird, wenn irgendwelche Öko-Faschos dafür sorgen, dass hier allen Ernstes 30.000 Leihräder rumstehen, will ich mir gar nicht ausmalen. Mir reicht jetzt schon der tägliche Gang vorbei an Dutzenden Rädern am Odeonsplatz. Ich empfehle unbedingt eine Reise nach Shanghai, um diese Zukunft Münchens zu sehen.

    obike hat sich das alles selbst zuzuschreiben: Räder mit schlechter Handhabung, dubiose Datensicherheit, und vor allem schon dieser komplett verachtenswerte Ansatz, sich zu denken:

    „Ui, in Deutschland gibt’s zwar Regeln für alles Mögliche, inkl., wo der Bäcker vor seiner Tür noch einen Tisch aufstellen darf, aber Räder kann man so viele hinstellen wo man will? Na, dann stellen wir doch mal ein paar Tausend hin! Ist ja egal, ob sie genutzt werden, wir reparieren eh keine.“

    In derr Schwanthalerstr. liegt eines auf einer Baustelle. Das wurde also seit Monaten (!!) nicht mehr bewegt. Das muss obike über die Daten wissen. Kümmert sie aber nicht.

    Wichtig ist auch, dass die Kommunen und Gemeinden die oben angesprochene Gesetzeslücke schnell schließen. Shanghaier Verhältnisse kann sich niemand wünschen, der ab und zu mit einem Kinderwagen oder Rollator unterwegs ist.

  • Jakob
    Posted at 11:54h, 28 März

    @Anton: naja, wenn die Straßen immer enger werden weil es immer mehr breite Autos gibt…
    Abgesehen davon: woher kommt dieser blinde Hass auf obike und dieses Gemunkel mit dem Geschäftsmodell? Warum interessiert das die Leute nur bei obike, nicht aber bei der Bahn oder bei Nextbike?
    Aber Menschen, die Mieträder als alternative Verkehrsmittel als „Öko-Faschos“ sehen, als Öko-Faschos zu beschimpfen zeugt nicht gerade von einer vernünftigen Diskussionsbereitschaft.

  • Anton Garhammer
    Posted at 14:29h, 28 März

    @Jakob: obike verengt mit seinem Geschäftsmodell „drölfmillionen Räder hinstellen“ nicht die Straße, sondern logischerweise die Fußwege. Mit immer mehr breiten Autos hat das nix zu tun – mal ganz abgesehen davon, dass die Autos wohl kaum breiter werden können. Die Straßenverkehrs-Zulassung-Ordnung gibt entsprechende Richtlinien vor.

    Über „dieses Gemunkel“ mit dem Geschäftsmodell: Was obike von Datenschutz hält, konnte man vor ein paar Monaten schon bei der Tagesschau lesen: https://www.tagesschau.de/inland/obike-datenleck-101.html
    Aber natürlich ist man ein verblendeter Verschwörungstheoretiker, wenn man einem ostasiatischen Unternehmen nicht gerne seine Kreditkartendaten übermittelt.
    Der „Hass“ auf obike kommt u.a. daher, dass dieses supersympathische Unternehmen sein Geschäftsmodell ohne Rücksicht auf Verluste durchboxen wollte. „Wie viele Räder braucht diese Stadt? Egal, wir stellen Tausende hin, bis die Leute fahren müssen, weil gehen gar nicht mehr möglich ist!“ Weder Bahn noch nextbike waren so dreist.
    Für alternative Verkehrsmittel zu sein hat nix mit Öko-Faschismus zu tun. Zu behaupten, München bräuchte 40.000 Räder ist aber schon komplett draußen – denn das funktioniert ja nur über direkten oder indirekten Zwang.

    Und so lange ich direkt vor meiner Haustür x Räder sehe, kann mir bitte auch keiner was von „Mangel“ erzählen. Zur Erinnerung: „Mangel“ ist, wenn ich etwas nicht habe. Das hat der übersatte Westen vielleicht vergessen, weil man meint, die Auswahl wäre sehr eingeschränkt, wenn es im Geschäft mal nur 20 statt 300 verschiedene Chips-Sorten gibt.

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