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Am Samstag singen gegen Pegida: Die Ärzte gegen den Dresdner Abendland-Fanclub

Er will es wieder einmal wissen. Bevor Pegida auch nur im Ansatz ihre fremdenfeindliche Haltung öffentlich in München zum Ausdruck bringen konnte, hatten im Dezember 2014 schon knapp 25.000 Gegendemonstranten ein Zeichen gesetzt.

Freundlich gesagt: Es lief nie wirklich gut für Lutz Bachmann und die Bewegung der Fürchtlinge in der bayerischen Landeshauptstadt. Diesen Samstag, den 17. März, wird der nächste Versuch unternommen: Lutz Bachmann und sein Dresdner Abendland-Fanclub Pegida laden nach München und haben eine Kundgebung am Marienplatz angemeldet.

Im Pegida-Marketingsprech heißt das dann: „Das Original jetzt auch in München!“ (Werbung bei PI-News) – Als hätte man es nicht schon einige Male hier probiert. Aber mei, bei manchen fällt der Groschen halt ein bisschen langsamer.

„Fürchtet Euch nicht – Wir helfen Euch! Heim.“

Die Bündnisse Bellevue di Monaco und München ist bunt, die bereits Ende 2014 für die Organisation der mehr als eindeutigen Botschaft verantwortlich waren, haben sich auch diesmal wieder etwas einfallen lassen. Sie wollen gemeinsam gegen die völkischen Parolen von Pegida und Konsorten ansingen. „Die Ärzte kommen“ steht auf dem Plakat zur Kundgebung und meint damit die Aufforderung an alle MünchnerInnen, singend im Arztkittel einmal mehr zu zeigen, „dass sie sich nicht von einer neuen Volksempfindlichkeit anstecken lassen!“ Denn die eingebildeten Kranken von Rechtsaußen würden die politische Befundaufnahme seit Monaten mit ihren Beschwerden blockieren. Man möchte den Volkskranken von Pegida Mut zusingen: „Fürchtet Euch nicht“, heißt das Motto, „Wir helfen Euch! Heim“.

Trotz des breiten und humorvollen Gegenwinds ist das Thema Fremdenfeindlichkeit leider auch in München aktueller und ernster denn je, wie der soeben erst veröffentlichte Jahresbericht des Kommunalen Netzwerks gegen Rechtsextremismus, Rassismus, Radikalisierung und Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit zeigt. 2017 sind insgesamt 450 rassistische, antisemitische, LBGTIQ-feindliche, rechtsextreme und andere diskriminierend motivierte Vorfälle, Angriffe und Übergriffe in München bekannt geworden – 100 mehr als im Vorjahr.

Im einem organisiertem Rahmen sei bei den extremen Rechten vor allem Pegida München aktiv: „Hinter dem Banner von Pegida versammeln sich ehemalige Anhänger_innen der islamfeindlichen Partei Die Freiheit (mittlerweile aufgelöst), der neonazistischen Parteien Der III. Weg und NPD / BIA (BI Auslaenderstopp München), sowie Akteure der Neuen Rechten, wie beispielsweise der Identitären Bewegung und Aktivist_innen der AfD. Trotz interner Streitigkeiten und deutlicher Abnahme der Teilnehmerzahlen bleibt Pegida in München eine Plattform unterschiedlicher Gruppierungen. Gerade darin liegt die Attraktivität von Pegida für die extreme Rechte.“

[An dieser Stelle sei auf die hervorragenden Broschüren des Netzwerks hingewiesen, die mit gängigen Vorurteilen und Fehlmeldungen aufräumen: „Das wird man doch noch fragen dürfen„]

Die beste Band der Welt in München?

Matthias Weinzierl, der Hauptorganisator der Ärzteschaft, ist mit dem Rücklauf in den Medien und den soziales Netzwerken sehr zufrieden, auch wenn er derzeit vorsichtshalber nur von 500 Gegendemonstranten ausgehe (auf Facebook sind es 714 Zusagen / Stand 15.3.). Es soll am Wochenende wieder recht kalt werden, aber mit den bereits über 20 beteiligten Chören (Syrischer Friedenschor, Münchner Kneipenchor, Der Chor der Schlausschule, Kösk Chor, Kirchenchor St. Hildgard Pasing, u.a.) und Akteuren der ganzen Stadt stelle man ein „breites Bündnis der Zivilgesellschaft“ dar. Wichtig sei, dass die Stadt bei auf so etwas regiere und man ein „schöne buntes Bild“ abgebe.

Ob DIE Ärzte, also die beste Band der Welt selbst zur Demo anreisen werden, ist – auch wenn es der an die Band angelehnte Schriftzug auf dem Plakat ein wenig glauben macht – ziemlich unwahrscheinlich. Mit Schrei nach Liebe sind sie in jedem Fall aber mit ihrem antifaschistischen Klassiker auf der Setliste vertreten, neben Beethovens Ode an die Freude, Imagine von John Lennon und Bella Ciao.

Um 13.30 Uhr startet die Chorprobe auf dem Max-Joseph-Platz, damit die Ärzte dann um 15 Uhr geschlossen zeigen kann, wer hier in der Stadt das Sagen und Singen hat: natürlich der beste Chor der Welt!

2 Comments
  • Elisabeth Wächter
    Posted at 17:20h, 16 März

    Sehr gut! Da komme ich gerne
    Elisabeth

  • Elisabeth Wächter
    Posted at 17:20h, 16 März

    Sehr gut! Da komme ich gerne.Elisabeth

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