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An der Grünwalder Straße daheim – Aktion für den Verbleib der Löwen in Giesing

Benjamin Brown

Benjamin Brown

Und irgendwie lande ich dann doch immer wieder in München…
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Benjamin Brown

Der TSV 1860 München ist aus Giesing nicht wegzudenken. Hier liegen die Wurzeln des Vereins, hier bestreitet er seit dem Abstieg in die Regionalliga im Sommer 2017 – der zum ersehnten Neustart wurde – wieder seine Heimspiele. Nach zwölf Jahren schmerzhafter Reisen mit der U6 ging der Traum der großen Mehrheit der Löwen-Fans in Erfüllung: Raus aus der Arena und zurück nach Giesing. Der Tapentenwechsel war der erste Schritt im Neuanfang des Vereins, dessen Zukunft nach dem Doppelabstieg monatelang in der Schwebe stand.

Nun setzt sich die Kampagne „Sechzig im Sechzger“ für den langfristigen Verbleib der Münchner Löwen im Grünwalder Stadion ein.

Regionalliga-Saison – als Löwenfans sich wieder in den Fußball verliebten

Die Rückkehr nach Giesing lieferte den Startschuss für eine Saison, in der der Verein sich neu formieren musste und Daniel Bierofka (hier im Münchner Gesichter-Interview) mit einer jungen Mannschaft den direkten Aufstieg in die 3. Liga schaffte. Viel wichtiger als der sportliche Erfolg (und gleichzeitig Katalysator dessen) war die befreite, gute Stimmung, die auf die Ränge des TSV zurückkehrte. Jahrelanger Misserfolg gekoppelt mit einer Klubführung, die die Fanszene spaltete, gipfelten 2017 in den hässlichen Ausschreitungen im letzten Spiel in der Allianz Arena – das Rückspiel der Relegation gegen Jahn Regensburg – das zugleich den sportlichen Abstieg besiegelte.
In der Regionalliga wurde wieder auf Giesings Höhen gespielt, Fans konnten mit der S-Bahn und Regio-Zügen zu Auswärtsspielen fahren. Die Stimmung auf den Rängen steckte die Mannschaft an – das Ziel des Aufstiegs in Liga 3 konnte direkt umgesetzt werden.

„Verein, Stadion und Viertel – eine einzigartige Symbiose“

„Seit mehr als 100 Jahren ist das Sechzger ein Sehnsuchtsort für viele Fans der Weiß-Blauen, ein Teil Münchner Sportgeschichte und ein Wahrzeichen Giesings“, schreibt die Kampagne „Sechzig im Sechzger“ auf ihrer Website. Das Städtische Stadion an der Grünwalder Straße sei ein Ort, an dem alle Generationen „von der Rentnerin bis zu unzähligen Kindern“ zusammenkämen, um gemeinsam ihren Verein anzufeuern. Zugleich stellen Sportstätten wie das Sechzgerstadion eine wertvolle Erinnerung dar, wie Stadionbesuche mitten im Viertel einst waren (oder gewesen sein mussten). Fußballromantik eben.

In Zeiten, in denen die Stadien-Entwicklung hin zu Prunkbauten an den Stadtgrenzen geht, stellen innerstädtische Stadien wie das des TSV eine willkommene Abwechslung dar. Hier, wo man noch zu Fuß ins Stadion kommt, die Stunden vor und nach dem Anstoß in den unzähligen Kneipen verbringen, im Stadion mit Bargeld zahlen kann und nach dem Spiel direkt wieder in der Stadt ist (try doing that in the Allianz Arena!).

„Verein, Stadion und Viertel profitieren voneinander und bilden – auch abseits der Spieltage – eine einzigartige Symbiose, die es langfristig zu erhalten gilt“, fasst Sechzig im Sechzger den match made in heaven zwischen Giesing und dem Sechzgerstadion zusammen. Dass es eine Renaissance der Löwen auf Giesings Höhen geben konnte, ist alles andere als selbstverständlich und ist intensiven und kreativen Fan-Aktionen zu verdanken. So konnte der Abriss des Stadions im Jahr 2007, der bereits von der Stadt beschlossen war, durch den Protest der Bewegung „X-Tausend“ verhindert werden.

Jetzt mehr denn je: Für einen ligaunabhängigen Verbleib im Grünwalder Stadion

Der Erfolg vergangener Aktionen zeigt eindrucksvoll, dass sich eine aktive Fanszene Gehör verschaffen kann, wenn es um die Zukunft ihrer Spielstätte und damit Zukunft des Vereins geht. Die aktuelle Kampagne wurde nicht ohne Grund ins Leben gerufen: Trotz des derzeitigen Spielbetriebs in Giesing ist die langfristige Zukunft der Löwen im Grünwalder Stadion nämlich nicht gesichert.

Dass der Löwen-Investor Hasan Ismaik zwischenzeitlich mit einem Stadionneubau in Riem liebäugelte, ist zwar bekannt, darüber machen sich aber die wenigsten Sorgen. Ein viel größeres Problem stellen die Regularien der Deutschen Fußballliga (DFL) dar, die einen Umzug des TSV erzwingen würden, sollten die Löwen den Aufstieg in die 2. Liga schaffen: Das Grünwalder Stadion erfüllt nämlich die Lizenzbedingungen des Ligabetreibers nicht. Gegenüber dem Löwen-Portal „dieblaue24“ erklärte Christina Warta, Sprecherin des Referats für Bildung und Sport: „Im Städtischen Stadion an der Grünwalder Stadion ist nach derzeitigem Stand kein Zweitliga-Spielbetrieb möglich.“

Es sind die DFL-Regularien, nach denen dem Grünwalder Stadion Überdachung für die Stehplätze, ausreichende Stellflächen und Kamerastandorte für TV-Übertragung, Medienflächen, ausreichende VIP-Zonen und -Stellplätze, sowie eine ausreichende Flutlichtanlage fehlen würde. Zwar könne der Verein mit einer Sondergenehmigung der DFL ein Jahr 2. Liga in Giesing spielen. Allerdings nur, wenn der Verein ein ernsthaftes Konzept zum Umbau des Stadions oder einem Umzug hätte.

Unterstützungsaktion für Sechzigs Zukunft in Giesing

Sechzig im Sechzger „steht für ein positives urbanes Lebensgefühl“ und möchte die Löwen langfristig und ligaunabhängig im Grünwalder Stadion halten. Dafür haben sie eine Unterstützungskation gestartet, bei der sich Unterstützer*innen für den Verbleib der Löwen in Giesing stark machen können – ganz egal ob Löwenfan, Anhänger*in eines anderen Vereins oder nicht fußballinteressiert: Für den Verbleib eines Traditionsklubs in einem Traditionsstadion, das gleichzeitig eine so positive Entwicklung für ein ganzes Viertel hat, sollte jede*r stehen!


Fotos: © Sechzig im Sechzger

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