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Antisemitismus-Vorwurf: Talib Kweli-Konzert abgesagt

Benjamin Brown

Und irgendwie lande ich dann doch immer wieder in München…
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Benjamin Brown

Am 10. Juli sollte der US-Rapper Talib Kweli im Feierwerk auftreten. Eigentlich. Das Feierwerk lud den Künstler aus, später wurde die ganze Tournee abgesagt: Man wolle dem Künstler aufgrund seiner Unterstützung von BDS keine Bühne bieten.

Das offizielle Statement des Münchner Veranstalters Target

BDS ist die Abkürzung für „Boycott, Divestment, Sanctions“. Die Organisation beschreibt sich als „palästinensisch-geführte Bewegung für Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichberechtigung“, die dafür eintritt „Palästinensern dieselben Rechte wie dem Rest der Menschheit“ zu ermöglichen. Der Übeltäter und Schuldige am Leid der Palästinenser ist für BDS eindeutig: Der Staat Israel. Um seine Ziele zu erreichen, ruft BDS zum Boykott israelischer Firmen, Kulturschaffender, Akademiker*innen und Sportler*innen. Zudem wird dazu aufgerufen, Unternehmen und Privatpersonen zu boykottieren, die den Staat Israel unterstützen oder in Israel und jüdischen Siedlungen im Westjordanland produzieren.

Bundestagsbeschluss zu BDS

Bundesweite Aufmerksamkeit erlangte die Bewegung im Mai 2019 durch den Beschluss des Bundestages „BDS-Bewegung entschlossen entgegentreten – Antisemitismus bekämpfen“. Der Antrag der Grünen-Fraktion, der auch von CDU/CSU, der SPD und der FDP angenommen wurde, kritisiert, dass BDS „auch in Deutschland zum Boykott gegen Israel, gegen israelische Waren und Dienstleistungen, israelische Künstlerinnen und Künstler, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Sportlerinnen und Sportler“ aufrufe.

„Der allumfassende Boykottaufruf führe in seiner Radikalität zur Brandmarkung israelischer Staatsbürgerinnen und Staatsbürger jüdischen Glaubens als Ganzes. Das sei inakzeptabel und scharf zu verurteilen“, wie der Deutsche Bundestag online mitteilte.

In München war BDS bereits zuvor zum Politikum geworden: Im Dezember 2017 hatte der Münchner Stadtrat mit dem Beschluss „Gegen jeden Antisemitismus! – Keine Zusammenarbeit mit der antisemitischen BDS-Bewegung“ entschieden, „solidarisch zu Israel zu stehen“ und „sich zu Israels Recht auf Existenz und Selbstverteidigung“ zu bekennen.

Zudem wurde festgelegt, sich „gegen die antisemitische BDS-Kampagne“ zu stellen und für Veranstaltungen, bei denen Boykott-Aufrufe gegen Israel laut werden, keine städtischen Räume zur Verfügung zu stellen. Des weiteren können Zuschüsse nachträglich zurückverlangt werden, sollte auf Veranstaltungen BDS unterstützt werden.

Die Entscheidung des Stadtrats wurde ein Jahr später vor dem Verwaltungsgericht als rechtmäßig bestätigt. Damals freute sich Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), dass das Gericht „den Vorwurf zurückweist, der Stadtratsbeschluss würde die Meinungsfreiheit verletzen“ und bezeichnete den Gerichtsbeschluss als „wichtiges Zeichen für alle, die sich antisemitischer Stimmungsmache entgegenstellen“.

Eine BDS-Kundgebung in New York

Talib Kweli unterstützt BDS.

Als die Vorwürfe laut wurden, bestätigte er dies gegenüber dem Veranstalter des Open Source Festivals in Düsseldorf. Was dazu führte, dass der Rapper ausgeladen wurde. Hintergrund war hierbei der Bundestagsbeschluss, auf den sich das Open Source-Team berief.

Auf Facebook bezichtigte der Rapper die Bundesregierung daraufhin, Faschismus und die Diskriminierung von Palästinensern zu unterstützen. Zudem stehe sie Hand in Hand mit Donald Trump und Rechtsextremen und damit historisch auf der falschen Seite. Dass der Antrag von einer Oppositionspartei (Den Grünen) eingereicht und neben den Stimmen der Großen Koalition auch von der FDP unterstützt wurde, spielte bei Kwelis Verurteilung der Bundesregierung offenbar keine Rolle.

Auch das Feierwerk lädt Kweli aus

Nach dem Open Source lud auch das Münchner Feierwerk den Rapper aus. Begründet wurde die Entscheidung damit, dass das Feierwerk als städtisch-geförderter Verein an die Beschlusslage des Stadtrats zu BDS gebunden sei. Und die verbietet eben aufgrund der Einstufung von BDS als antisemitische Bewegung das Bereitstellen städtischer/städtisch unterstützter Räume für Veranstaltungen von BDS-Unterstützer*innen.

Die Konzertabsage des Talib Kweli-Konzerts zeigt, dass der Beschluss der Stadt durchaus umgesetzt wird und die Solidarisierung mit Israel kein reines Lippenbekenntnis ist. Fest steht aber auch: Der Streit um BDS bleibt hochaktuell und Talib Kweli wird nicht der letzte Künstler sein, der die Debatte in München entflammt.


Beitragsbild: © Mike Maguire
Foto BDS-Kundgebung: © The All-Nite Images
Foto Talib Kweli: @ Meghan Roberts

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