Gute Sache, Leben

Apphilfe für Freiwillige, die sich um Flüchtlinge kümmern

Sina Beckstein

Die App HelpHelp2 will den vielen freiwilligen Helfern, die sich derzeit um Geflüchtete kümmern das Leben einfacher machen: Sie zeigt immer aktuell an, in welchen Flüchtlingsunterkünften oder Ankunftsstellen gerade Hilfe gebraucht wird.

Häufig ist das Problem vieler Freiwilliger, dass die Koordination ihrer Hilfe sehr schwierig ist. Werde ich momentan überhaupt gebraucht? Welche Spenden werden gerade benötigt und wo? In gängigen Facebook-Gruppen wird sich zwar bemüht, alles aktuell zu halten, dennoch läuft auch hier die Koordination eher chaotisch und unübersichtlich ab.

Rüdiger Trost und sein Kollege Lev Stipakov entwickelten genau wegen diesen Problemen die App HelpHelp2. Auf einem Stadtplan wird angezeigt, welche Flüchtlingsunterkünfte momentan welche Art von Hilfe benötigen und wo beispielsweise gerade ein Spendenstopp ausgerufen wurde. Außerdem soll immer angezeigt werden, wo tagesaktuell helfende Hände gebraucht werden, wie es nun häufiger am Hauptbahnhof in München spontan der Fall war.

Hbf

Der Clue: Um immer up-to-date zu sein, muss die App auch von den Flüchtlingsunterkünften selbst gepflegt werden. Sie müssen ihre Daten für HelpHelp2 freigeben, um zu garantieren, dass die Infos richtig sind und immer auf dem neuesten Stand bleiben. Ihre Bedarfslisten kennen nur sie selbst am Besten.

 

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Und hier liegt leider auch das Problem der nützlichen Idee: Rüdiger Trost ist von der Kooperation der verschiedenen Einrichtungen abhängig. Diese sind zur Zeit teilweise aber auch zu beschäftigt oder wollen nicht kooperieren, wie Trost der Vice sagt: „Es gab auch vereinzelt Organisationen, die nicht teilen wollen und offen sagen: ‚Ne, wir bauen grade unser eigenes System auf, deswegen wollen wir unsere Daten nicht mit euch teilen.‘ Das finde ich in einer derartigen Situation absolut lächerlich. Wir haben unseren Quellcode auch öffentlich zugänglich gemacht. Wenn ihn jemand nutzen will, ist uns das nur recht. Dieses Konkurrenzdenken ist hier absolut fehl am Platz.“

Momentan trägt Rüdiger Trost selbst jede Liste in das System ein, die ihm zugeschickt wird. Hauptsache, die App wird mit Informationen gefüllt, auch wenn das für den Security Consultant einen erheblichen Mehraufwand bedeutet. Da die App kostenlos verfügbar ist, finanziert der Münchner das Projekt gerade aus seinem eigenen Gehalt quer.

Die App kann gerade erst 100 Downloads für Android aufweisen und befindet sich für iOS noch im Beta-Stadium. Um die Idee zu realisieren, braucht es insbesondere mehr Unterstützung und Kooperation auf Seiten der Institutionen. Trost und seine Mitarbeiter telefonieren gerade sämtliche Flüchtlingsunterkünfte ab, um ihr System mit hilfreichen Infos zu füllen und an Bekanntheit zu gewinnen.

Dafür ist auch das Engagement der Nutzer gefragt: Die App wurde durchweg positiv bewertet und ihr Erfolg hängt nun von ihrer Verbreitung ab.

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Fotocredit: Kevin Brandt

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