Kultur, Live, Nach(t)kritik

I want you to get together – St Germain in der Muffathalle

Sina Beckstein

Sina kann sich für Politik begeistern und darüber streiten, weswegen sie auch noch glückliche Politikwissenschaft Studentin ist. München ist Heimat und immer für schöne Erinnerungen gut.
Sina Beckstein

Am Sonntag Abend heizte der Weltmusiker und Elektrovisionär St Germain die Muffathalle ein – Mit afrikanischen Grooves zum feiern und tanzen.

Das Comeback des Parisers Ludovic Navarre nach mehr als einem Jahrzehnt ist perfekt gelungen. Nach seinen Erfolgsalben „Boulevard“ von 1995 und „Tourist“ von 2000 war der Franzose mit dem neuen, selbstbetitelten Album „St Germain“ in München zu Gast. Während es dem Album auf Platte noch etwas an Drive fehlte, entwickelte sich auf der Bühne eine echte Dynamik. Die afrikanischen Instrumenten und Vocals, unterlegt mit elektronischen Beats, kamen live erst richtig zur Geltung.

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Den sieben Musikern aus verschiedensten Ländern wie Mali, Brasilien und Guadalupe stand der Spielspaß ins Gesicht geschrieben und so brachte am 22. November 2015 jeder ein kleines Stück seiner Heimat mit nach München. Ludovic Navarre, der Kopf von St Germain, sagte in einem Interview, dass ihn neuere Musikrichtungen wie Dubstep kaum inspirieren und beeinflussen würden: „Wenn ich nach Musik suche, dann gehe ich meist zurück zu den Wurzeln, zu traditioneller Musik. Das ist für mich die größere Inspirationsquelle.“

 

 

Dadurch entstand der afrikanische Einfluss des neuen Albums. Die Band spielte mehrere traditionelle Instrumente, wie die Saiteninstrumente Ngoni und die Kora, eine Art westafrikanische Harfe. Zwischendurch gab es eindrucksvolle Jazzsolos auf dem Saxophon oder ein imposantes Trommelsolo des brasilianischen Schlagzeugers.

In Einklang miteinander und sichtlicher Freude an ihrem Tun, schafften die Musiker es, dass die traditionelle Musik perfekt mit den neueren Instrumenten wie dem Saxophon, dem Keyboard und Schlagzeug sowie mit den elektronischen Beats harmonierte. Ludovic Navarre, eigentlich der Star des Abends, hielt sich in einer Nebelwolke im hinteren Drittel der Bühne hinter seinem DJ-Pult eher bedeckt. Ein stiller Fadenzieher, der die Musiker zwar koordinierte, es aber auch nicht nötig hatte, ihnen die Show zu stehlen.

 

 

Die Band sprühte vor Energie und schaffte Musik, zu der man einfach tanzen musste. Direkt beim zweiten Song und dem Aushängeschild des neuen Albums „Real Blues“ kochte der Raum. Das Publikum war so vielfältig wie die Musik: Jung bis Alt und verschiedenste Nationalitäten versammelten sich für das Comeback. Diese Mischung elektrisierte und ließ die nicht ganz ausverkaufte Muffathalle toben – die Musiker dankten den Zuschauern mit breitem Grinsen in den Gesichtern und zwei Zugaben.

Die Synthese aus elektronischer Populärmusik und traditionellen Einflüssen, die Mischung aus Jazz, Blues und Deep House, erhebt das neue Album „St Germain“ zur Weltmusik. Musik um Barrieren einzureißen und Grenzen zu überschreiten sozusagen. Da der gebürtige Pariser St Germain einen Tag vor den furchtbaren Ereignissen beim Konzert der Eagles of Death Metal im Bataclan spielte, ist diese Art von Musik auch ein Zeichen der Völkerverständigung und des Miteinanders.

 

Fotocredit: Nico Pfau

 

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