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Beschlossene Sache: München bekommt ein/e Nachtbürgermeister *in

Joscha Faralisch

Schreibt für MUCBOOK — am liebsten über Musik, Kunst, Essen und Politik.
Joscha Faralisch

In Amsterdam, Paris oder Mannheim gibt es sie schon. Nun bekommt auch München eine/n Nachtbeauftragte*n, um den Dialog zwischen Stadt und Partyszene zu fördern.

Das Gerücht kursiert schon seit längerem, nun ist es beschlossen: München bekommt eine/n Nachtbürgermeister*in. Mit der Einrichtung einer „Fachstelle für nächtliches Feiern“ soll der Dialog zwischen Feiernden, Bar- und Club-Betreiber*innen und der Stadt München gefördert werden. Dabei geht es um die Repräsentation des Nachtlebens im Stadtrat – aber auch um dessen Schattenseiten: Um Themen wie sexuelle Belästigung, den Umgang mit Drogenhandel und -konsum, Lärm und Müll. 50.000 Euro wurden für Öffentlichkeitsarbeit, Schulungen und Honorare bereitgestellt. Beginnen soll das Projekt in der Müllerstraße.

Strenge Kontrollen, hohe Auflagen: München macht es Feiernden und Betreiber*innen oft schwer

Gerade in München scheint eine vermittelnde Instanz dringend nötig. Denn Regeln und Ordnungskräfte gelten hier als besonders streng. Feiernde und Betreiber*innen klagen über viel zu hohe Auflagen und harte Kontrollen. So wie Florian Schönhofer, Inhaber des Café Kosmos, der schon seit Langem auf die Notwendigkeit einer solchen Stelle hinweist. „Es ist natürlich gut, dass nun Kommunikationskanäle geschaffen werden, wo man bisher aneinander vorbeiredet“ zeigt er sich optimistisch. Zwar sei es schon wieder „typisch München“, dass die Stelle nicht „Nachtbürgermeister*in“ heißen dürfe. Denn unabhängig von der Bezeichnung ginge es vor allem um Befugnisse und ein echtes Mitspracherecht: „Wenn nur drüber geredet wird, bringt das am Ende auch nichts.“ Dabei geht es Schönhofer nicht um eine unkritische Verteidigung der Gastronomie-Szene, sondern viel mehr darum, das Nachtleben als Teil Münchens anzuerkennen. „Wir müssen einsehen, dass wir in einer Großstadt leben. Und da ist es wichtig, Dinge kontrolliert zuzulassen anstatt sie nur zu verdrängen.“ Schließlich gehe es ja nicht nur um Clubs und Kneipen, sondern auch um öffentliche Plätze und illegalen Drogenkonsum. „Wenn ich die Leute an einer Stelle vertreibe, gehen sie eben an eine andere und es wird noch schlimmer.“ Daher sei es wichtig, dass jemand die Stelle übernimmt, der das Nachtleben mit seinen Problemen kennt und Verständnis mitbringt. Zum Beispiel „ein*e Streetworker*in mit Gastro-Erfahrung“.

New York, Paris, Mannheim: In anderen Städten gehören Nachtbürgermeister*innen längst dazu

Ganz neu ist die Diskussion nicht: Bereits im April 2018 stellte die Fraktion Die Grünen – Rosa Liste im Stadtrat den Antrag. Vorbilder waren Städte wie New York, Amsterdam und Paris, in denen Nachbürgermeister*innen schon lange als Schnittstelle zwischen Betreiber*innen, Mitarbeiter*innen, Besucher*innen, Anwohner*innen und der Stadt fungieren. In Deutschland war Mannheim Vorreiter. Seit über einem Jahr gibt es eine solche Stelle dort bereits. Mit Erfolg: Es konnte bereits ein Abkommen verabschiedet werden, in dem sich Stadt und Clubbetreiber*innen auf gemeinsame Richtlinien im Szene-Stadtteil Jungbusch geeinigt haben.

Ob wir für das Glockenbachviertel bald ein ähnliches Abkommen haben und wer in Zukunft die Interessen des Münchner Nachtlebens vertritt, werden wir wohl in Kürze erfahren.

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