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Blackout Problems: Interview&Tourbeginn

Gloria Grünwald

Gloria Grünwald

Gloria ist ein Münchner Kindl, das leider kein Bayrisch sprechen kann. Hört, macht und schreibt gerne über: Musik.
Gloria Grünwald

Die Münchner Mario, Marcus und Michael von Blackout Problems sind wahre Vollblutmusiker. In den letzten Jahren haben sie auf unzähligen Bühnen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Osteuropa gespielt. Nebenbei haben sie mit ihrem Alternative Rock Sound experimentiert und an neuen Songs gearbeitet. Das Ergebnis ihrer Selbstfindungsphase, das neue Album HOLY, präsentieren die Jungs am Sonntag im Strom.

Vor der anstehenden Tour ist die Band noch fleißig im Proberaum. MUCBOOK hat die Jungs dort getroffen und mit ihnen über die neue Platte geplaudert. Die vier – seit Kurzem ist für Live-Auftritte Kumpel Moritz an der zweiten Gitarre am Start – schaffen schnell Platz zwischen Instrumenten und mit Merchandise-Artikeln vollgestopften Regalen.

MUCBOOK: Wenn ihr Blackout Problems in drei Adjektiven beschreiben müsstet, welche drei wären das?

Michael: laut, energiegeladen,…
Mario: …emotional.

MUCBOOK: Ihr lebt in München und seid als Band auch schon ganz schön viel in Deutschland rumgekommen. Wie beurteilt ihr die Münchner Musikszene und die Situation für junge Bands in München im Vergleich zu anderswo?

Mario: Ich glaube, das Schwierigste für eine Münchner Band ist, einen Proberaum zu finden. In München sind Proberäume unfassbar teuer. Einen erschwinglichen Raum zu finden, der groß genug ist, um viel Zeug zu lagern und trotzdem Platz zum Spielen zu haben… das ist glaube ich ein Riesendefizit, das München hat.
Michael: Ein anderes Problem ist noch, dass es in München echt viele Bands gibt, aber es verläuft sich halt ein bisschen. Wenn ich jetzt an eine kleinere Stadt wie Linz zum Beispiel denke, dann gibt es da so dreißig bis vierzig Leute, die die Szene am Laufen halten. Da ist es auch leichter, eine starke Szene zu formen. Das verläuft sich in München leider. Ich finde, in München sollte man probieren, mehr Sachen mit anderen Bands zusammen auf die Beine zu stellen. Also: ein Aufruf an alle Münchner Bands!

v.l.n.r.: Moritz (Gitarre), Mario (Gesang, Gitarre), Michael (Schlagzeug) mit Mucbook Print, Marcus (Bass, Gesang)

v.l.n.r.: Moritz (Gitarre), Mario (Gesang, Gitarre), Michael (Schlagzeug) mit Mucbook Print, Marcus (Bass, Gesang)

MUCBOOK: Ihr wart in den letzten zwei bis drei Jahren viel unterwegs und habt unzählige Livekonzerte gespielt. Von kleineren Clubkonzerten über Festivalauftritte und Acoustic Sessions war da alles dabei. Wo oder was spielt ihr denn selbst am liebsten: auf größeren Open Air Bühnen oder drinnen in intimer Atmosphäre?
Mario: Das ist uns erstmal völlig egal. Hauptsache, wir spielen gut und die Leute haben Bock auf uns! Das ist wirklich ganz unterschiedlich. Ich persönlich bin extremer Fan von kleinen, überfüllten Clubs, weil da immer sehr wilde Dinge passieren. Das ist schon irgendwo mein Favorit, aber wir haben auch schon Konzerte auf größeren Bühnen gespielt, die ich auf gar keinen Fall missen möchte.

MUCBOOK: Es kommt also immer auch auf das Publikum an.
Mario: Publikum ist immer Nummer 1, ja!

MUCBOOK: Ihr arbeitet mittlerweile mit einem Management und Booker zusammen. Sicher eine Entlastung, weil ihr vorher alles selbst gemacht habt. Sogar das Merchandise. War’s denn schwierig für euch, etwas von der Verantwortung in andere Hände zu geben?

Mario: Wir haben immer noch die Verantwortung. Es ist immer noch so, dass wir in allen Entscheidungen das letzte Wort haben. Das Management arbeitet ja für uns, der Booker genauso. Und wenn jetzt ein Angebot reinkommt und wir sagen, dass wir da keinen Bock drauf haben, dann zwingt uns auch niemand dazu. Was ich sagen will: Wir können schon selbst entscheiden, was wir machen wollen und was nicht.

MUCBOOK: Ständig auf Tour zu sein ist auch ganz schön stressig, kann ich mir vorstellen. Ist das auch ein Grund, warum das neue Album HOLY erst 2016 erscheint? Ihr habt euch ja relativ viel Zeit gelassen dafür.

Marcus: Da hat es hat viele Faktoren gegeben. Wir haben natürlich viel live gespielt. Das hat uns aber nie daran gehindert, Songs zu schreiben oder zu proben, um auf neue Ideen zu kommen. Es waren einfach ein paar andere Steine, die uns in den Weg gelegt worden sind. Und natürlich hat es auch etwas damit zu tun, dass wir uns erst einmal selbst finden mussten. Wir hatten hunderttausend verschiedene Ideen, jeder hier hat unterschiedliche Einflüsse. Diese Ideen mussten erst einmal auf einen Nenner gebracht werden. Und dementsprechend hat es bis zum Album ein bisschen länger gedauert.

MUCBOOK: Du hast gerade Steine im Weg erwähnt. Gab es denn auch mal einen Moment, wo ihr an der ganzen Sache gezweifelt habt?

Marcus: Zweifel, jein. Mit der Musik machen wir das, was wir wollen, und deswegen zweifeln wir nicht an der Musik an sich. Aber natürlich, wenn du mit jemandem zusammenarbeitest – einem Label zum Beispiel – und du gehst eigentlich von einem guten Verhältnis aus und bekommst dann von einem auf den anderen Tag krassen Gegenwind. Wenn du denkst, du hast das letzte halbe Jahr an was richtig Coolem gearbeitet, dann ist das natürlich erstmal ein Schlag ins Gesicht. Sowas kann einem echt den Boden unter den Füßen wegreißen. Da braucht man dann natürlich mal kurz, um das zu verarbeiten, aber wir haben uns letztendlich nicht unterkriegen lassen und versucht, immer weiter unser Ding zu machen.

MUCBOOK: Euer neues Album HOLY kommt am 5. Februar raus. Von dem, was ich bisher gehört habe, kann man schließen, dass es alles andere als ein seichtes Album ist. Im Gegenteil, es ist ein Album mit Aussage. Eure Texte sind durchaus gesellschaftskritisch.

Mario: Erstmal vielen Dank, dass du dir die Musik angehört hast und dich damit beschäftigt hast. Wir haben ganz viele Themen, die uns wichtig sind. Kurz auf den Punkt gebracht: Wir sehen die Welt mit Mitte Zwanzig durch unsere Augen und schreiben darüber. Da gibt es leider Gottes viele Dinge, die uns nicht gefallen, die wir echt scheiße finden. Deswegen ist dieses Album auch so ein wütendes geworden. Wir sind an sich keine wütenden Menschen, aber irgendwie haben uns einfach viele Dinge, die passiert sind, dazu gemacht. Ich glaube, dass wir auf keinen Fall die einzigen sind, denen es gerade so geht. Viele denken, dass zurzeit Dinge passieren, die einfach unter aller Sau sind. So: „Was ist eigentlich los auf dieser Welt?“. Da wird es dir wahrscheinlich ähnlich gehen. Wir sind im Endeffekt auch nur Jungs, die die Welt so erfahren, so sehen, wie sie ist und das verarbeiten wir in unserer Musik. Deswegen ist sie ehrlich.

MUCBOOK:  Im Musikvideo zu Follow Me habt ihr ja auch Bilder und Videoschnipsel von den aktuellen Geschehnissen verarbeitet – also von der Flüchtlingskrise, PEGIDA Demos, aber auch ältere Bilder, die aus dem zweiten Weltkrieg stammen. Ist das eine Warnung?

Mario: Wir haben Schnipsel aus drei ‚Epochen‘ in diesem Video. Die eine ist die Zeit von 1939-45, dann sind Bilder aus Rostock und Lichtenhagen Anfang der 90er Jahre dabei und dann haben wir Bilder, die vor etwa drei Monaten entstanden sind, verarbeitet. Wir haben diese Bilder aneinandergereiht, ohne jetzt groß einen Kommentar dazu abzugeben. Klar, am Anfang des Videos steht dieses Zitat von Rou Reynolds, dem Sänger von Enter Shikari. Das lassen wir jetzt einfach mal so stehen. Wir haben uns gedacht wir schneiden das alles aneinander und die Eindrücke sprechen für sich. Ich glaube schon, dass es als eine Warnung zu verstehen ist.
Ich hätte mit 15 niemals gedacht, dass das Thema Fremdenhass und Rechtsradikalismus irgendwann in naher Zukunft so aktuell sein wird. Als Kind habe ich immer gedacht, das ist doch alles so weit weg, das interessiert doch keinen Menschen mehr.

Moritz: Mich macht das gerade richtig wütend, wieder darüber nachzudenken. Weil wir mittendrin sind. Es ist erschreckend.
Mario: Ich hätte auch nie gedacht, dass es so normal sein wird, dass auch in München jeden Montag Menschen für ‚ihre Sache‘ auf die Straße gehen mit Deutschlandflaggen, darunter Rechtsextreme. Gott sei Dank gibt es in München weitaus mehr Gegendemonstranten und das soll auch so bleiben. München hat absolut bewiesen, wie weltoffen es ist und wie Menschen hier willkommen geheißen werden.

MUCBOOK:  Auch im Video zu One sieht man Bilder aus Großbritannien, wo ihr für die Dreharbeiten hingefahren seid. Ich habe da den Strand von Brighton und die White Cliffs von Dover erkannt. Auch auf dem Albumcover ist das abgebrannte Gerüst des Brighton West Pier zu sehen. Warum? Was verbindet die Blackout Problems mit englischen Küstenstädten?

Marcus: Wir haben für das Album und die Videos zu „One“ und „Follow Me“ versucht, den Kontrast zwischen Natur und Urbanität, vor allem den Kontrast zwischen Mensch und Natur zu verbildlichen. Vor allem auch, wie der Mensch in die Natur eingreift, sprich: den Pier ins Meer baut, und wie er dann auch von Menschenhand wieder zerstört wird. Deswegen ist einerseits dieses Artwork entstanden und andererseits haben wir die Gelegenheit genutzt, um die Videos dort zu drehen, weil es natürlich schön ist dort. Wir wollten schon immer einen gemeinsamen Ausflug nach England machen. Das haben wir jetzt geschafft! (lacht).
Mario: Es gibt auch nichts Schöneres als im Sprinter zu acht, Arsch an Arsch, zu sitzen…
Moritz: …dreizehntausend Stunden…

MUCBOOK: Eure Tour zum neuen Album führt euch wieder quer durch Deutschland und Österreich. Los geht’s am Sonntag in München. Auf welches Konzert freut ihr euch am meisten?

Michael: Wir freuen uns auf jedes!
Mario: Wir spielen in vielen Städten, in denen wir noch nie gespielt haben oder in denen wir noch nie waren. Wir waren zum Beispiel noch nie in Trier oder in Markneukirchen ganz an der tschechischen Grenze. Aber natürlich freuen wir uns, auch wieder in Städte zu kommen, wo wir mittlerweile schon gute Freunde gefunden haben: nach Wien, wo’s so schön ist, oder nach Berlin, nach Stuttgart,…
Michael: …Ulm!
Mario: Das ist schon wirklich etwas Besonderes für uns. Dass wir das überhaupt machen dürfen. Voll abgefahren! Das ist unsere erste richtig große Tour.

MUCBOOK: Was wünscht ihr euch 2016 für die Blackout Problems?

Mario: Wir haben Gott sei Dank eine super tolle Crew! Das sind wirklich unsere besten Freunde und mit denen dürfen wir dieses Jahr einmal komplett durch’s Land fahren, nach Österreich, eventuell noch in die Schweiz. Wir dürfen auch wieder nach Prag fahren. Hoffentlich kommt Ende des Jahres noch Holland dazu, das wäre wunderschön. Aber ansonsten ist schon vieles in Erfüllung gegangen, was wir uns gewünscht haben. Und in der Zukunft werden wir dann sehen, wo es hingeht. Auf jeden Fall wünschen wir allen, die sich das Album kaufen, ganz viel Spaß damit!


 

In aller Kürze:
HOLY – die Premiere
am 31.01. im Strom, Einlass: 19.30 Uhr, Beginn: 20.00 Uhr
Support: Big Spin & Sandlotkids
Tickets gibt es hier für ca. 16 €

außerdem vormerken:
Blackout Problems Acoustic Session
am 03. März beim Titus Instore-Gig


Fotocredit: (1) Ilkay Karakurt, (2) Gloria Grünwald

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