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„Music for the sexy times“: Vök im Interview

Sharon Brehm

Sharon Brehm

Freigeist, Frohnatur und Foodfetischistin // liebt den Alltag und ist auch sonst eher ein Glückskind // steht total darauf, Dinge zu zerdenken, wenn es sie nicht gerade wahnsinnig macht //
Sharon Brehm

Am 21. Februar spielte die isländische Band Vök im Strom. Mit ihrem Mix aus elektronischen Träumereien und skandinavischem Minimalismus verzauberten die sympathischen Isländer das Publikum. Vor dem Konzert holten wir uns aber noch von Margrét Rán (25) und Andri Már Enoksson (28) Tipps für Kälte – und Kontrolle.


Mucbook: Im Rahmen eurer Tour habt ihr bereits ein paar Konzerte in Europa gespielt. Wie lief es bisher?

Margrét: Es läuft eigentlich ziemlich gut. Wir haben in Paris gestartet, sind dann in die Schweiz und gestern haben wir in Mailand gespielt.

Andri: Italien ist für uns noch Neuland, also ist alles noch sehr intim und klein. Deutschland ist im Vergleich dazu mehr „Rock’n‘Roll“. Oder vielleicht ist kraftvoll das passendere Wort. Das deutsche Publikum interagiert einfach viel mit uns, tanzt, ist sehr präsent.

Margét: Wir lieben es, in Deutschland zu spielen und haben auch schon in einigen deutschen Städten gespielt. Aber es ist unser erstes Mal in München. Deswegen haben wir noch nicht viel außer dem Hotel mitbekommen.

Was bedeutet euer Name Vök?

Andri: Anscheinend gibt es in Norddeutschland ein ähnliches Wort: „Wake“. Aber offensichtlich kennt man es in Süddeutschland nicht. Man könnte es mit „Eisloch“ übersetzen, aber eigentlich ist die Bedeutung komplexer. Ein Vök kann auch ein Loch in der Wolkendecke sein, wenn die Sonne durchkommt. Es kann bedeuten, dass das Licht durch das Dunkel dringt.

Margét: Ich kannte das Wort auch nicht, aber Andri hat „Vök“ damals vorgeschlagen. Es hat mir sofort gefallen wegen seiner Einsilbigkeit. Außerdem kommt darin ein isländischer Buchstabe vor und es sieht einfach schön und minimalistisch auf Papier aus.

Zwischen eurem Sieg beim isländischen Musikwettbewerb „Músíktilraunir“ und eurem Album „Figures“ liegen vier Jahre. Was habt ihr in der Zwischenzeit gemacht?

Margét: Wir haben einfach viel gelernt. Schließlich haben wir bei null angefangen…

Andri: … wir wussten nichts, wir kannten niemanden, wir hatten keine Ahnung, was wir da eigentlich tun.

Margét: Und in all den Jahren, haben wir schlichtweg gelernt, eine Band zu sein, die Instrumente zu spielen und das Musikbusiness zu verstehen

Was wäre dann euer Tipp für Newcomer-Bands?

Margét: Startet die Band erst, wenn ihr schon Lieder habt [lacht].

Andri: Unsere ersten Gigs dauerten vielleicht 10 Minuten, weil wir nur drei Lieder hatten, also spielten wir diese Songs immer und immer wieder…

Margét: … und wenn ihr Songs habt, performt sie. Isoliert eure Musik nicht. Ihr müsst eure Arbeit einem Publikum zeigen.

Was ist denn der perfekte Moment, um eure Musik zu hören?

Margét: [lacht] Es ist eine lustige Geschichte, denn wir gründeten die Band, weil wir – bitte ein fancy Wort einfügen – „Sexy Music“ machen wollten.

Andri: Music for the sexy times [lacht].

Margét: Ich freue mich auch immer, wenn mir Leute schreiben, dass sie sich zu unserer Musik küssen oder miteinander schlafen.

Das sieht man gewissermaßen auch euren letzten Musikvideos an. In Songs wie „Show me“ oder „Breaking Bones“ bekommt man das Gefühl, dass es darum geht, Kontrolle zu verlieren. Ist diese Assoziation gewollt?

Andri: Ja, das ist beabsichtigt, denn Beziehungen im Allgemeinen drehen sich um Verletzlichkeit. Wenn du jemandem nicht deine verletzliche Seite zeigen kannst, dann habt ihr auch keine gemeinsame Zukunft. Also ist Kontrolle abzugeben ein wichtiger Aspekt beim Verlieben und Lieben.

Margét: Außerdem ist es wirklich einfach die Kontrolle zu verlieren.

Andri: Und es macht Spaß. Manchmal.

 

Was ist euer Lieblingssong auf dem Album?

Andri: Ich liebe „Floating“. Denn du weißt nie, was das Leben für dich bereithält. Egal, wo du hingehst, du triffst so unterschiedliche Charaktere und manchmal zieht es dich in unterschiedliche Richtungen. Auch das hat mit Kontrollverlust zu tun. Und es ist wahrscheinlich der düsterste Song auf dem Album. Deswegen mag ich ihn am meisten.

Margét: Ich glaube, meiner ist „Polar“. Heute.

Warum „Polar“? Warum „heute?

Margét: Weil mein Lieblingssong stark von meiner Laune abhängt. Ich liebe es, „Polar“ live zu performen, weil der Song so kraftvoll ist. Der Bass, die Aussage des Songs.

Andri: „Polar“ handelt davon, Verantwortung zu übernehmen und sich die Kontrolle zurückzuholen. Es ist also das genaue Gegenteil davon loszulassen.

Margét: Ja, manchmal braucht es auch ein „Fuck you, ich mach was ich will“ [lacht].

Eine letzte Frage. Zurzeit ist es so furchtbar kalt in München und ihr kommt aus Island. Welche Tipps habt ihr um die Kälte zu überleben?

Margét: Um ehrlich zu sein, ich war etwas naiv und dachte „ich fahre in die Sonne“.

Andri: Ich wusste, dass es Winter in Europa ist [lacht]. Der Unterschied ist, dass es in Island sehr windig ist, aber es wird nie so richtig kalt. Auch ist eine andere Kälte. Die feuchte Kälte hier oder in Italien kriecht einem in Mark und Bein.

Margét: Aber unser Tipp aus Island: Liebe Münchnerinnen und Münchner: Tragt 66North! Das ist eine Modemarke aus Island und die hält sogar Seemänner warm.

Danke für das Interview!


Beitragsbild: © Sharon Brehm

 

 

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