Community Mobil
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10 Meter lang, 7 Tonnen schwer – das fahrende Gemeinschaftskulturzentrum bezieht den ersten Standort

Yannik Gschnell

Ex-Prakti und immer noch nicht weggekommen.
'99 // Liebe für Politik, Musik & gute Menschen.
Yannik Gschnell

Endlich geht es los! Münchens neues Community Mobil feiert seinen ersten Einsatz. Seit dem vierten September steht der Siebentonner auf dem Treffpunkt MOly, am stillgelegten S-Bahnhof Olympiazentrum. Rollt bald ein Wahrzeichen der Gemeinschaftskultur durch unsere Stadt?

Vor etwa einem halben Jahr haben wir bereits von Alfred Weiß und seinem zugegeben etwas größenwahnsinnigen Projekt berichtet. Kurz gefasst will Weiß der Community einen Raum und Möglichkeiten bieten, um gemeinnützige Projekte umzusetzen – in einem Bus. Grundlegend dabei soll der Sharing-Gedanke sein, von Kleidertausch bis hin zu Foodsharing. Auch die Verschenkkultur soll im Bus einen festen Platz bekommen, etwa in Form eines „zu verschenken“-Regals.

Der Büssing „Konsul“ Baujahr 1968 ist dafür besonders geeignet, weil er „Sitzplätze, Liegeplätze (Schlafplätze), eine Küche, eine Markise für Aktionen im Freien und einiges an Stauraum besitzt“, so Weiß im Gespräch mit Mucbook im Mai.

10 Meter lang, 7 Tonnen schwer – kreativer Raum auf 4 Rädern

Community Mobil

© Alfred Weiß

Seit Mai, als Weiß den „Konsul“ kaufte, hat sich einiges getan: Die Idee hinter dem Community Mobil wurde konkreter. „Der Bus soll Menschen zusammenzubringen und eine Diskussionsplattform bieten. Ich möchte die Lust an gesellschaftlicher Teilnahme fördern. Da das Projekt noch in den Kinderschuhen steckt, suche ich aktuell eigentlich nach allem.“ Heißt konkret: Helfer, eine Werkstatt und Leute mit guten Ideen.

Besonderen Wert legt Weiß auf das Thema konstruktive Konfliktlösung. „Die Leute reden zu viel übereinander und zu wenig miteinander.“

Von außen macht der Bus mit seinen zehn Metern Länge und zweieinhalb Metern Breite schon einiges her, nur farblich spiegelt er noch nicht sein offenes und kreatives Inneres wider. Das könnte sich auf dem Treffpunkt MOly ändern, der noch bis zum dritten Oktober am stillgelegten S-Bahnhof Olympiazentrum sattfindet. Dort feiert das „Community Mobil“ seinen ersten Einsatz. „Ich würde den Bus gerne via Graffiti verschönern,“ so Weiß. Trifft sich gut, dass beim MOly auch einige Graffitiaktionen stattfinden.

Erster Einsatz für das „Community Mobil“

Die ersten Probleme gab es allerdings schon vor dem ersten Einsatz.  „Als ich den Bus zum Treffpunkt fahren wollte sprang er nicht an. Danach begann die wilde Telefoniererei. Zwei KFZ- Experten im Bekanntenkreis und Herr Weiß, mein Namenskollege, der Präsident vom Omnibusclub München, halfen mir bei der Erstdiagnose und erste Ersatzteilanrufe gab es auch schon. Im Endeffekt war dann aber der ADAC die Rettung und mit Starthilfe sprang der Bus schlussendlich doch an. Mit einem Tag Verspätung kam ich dann beim MOly an. Aussage Herr Weiß: „Wer einen Oldtimerbus besitzt, der hat nie wieder Langeweile.““

Mit dem ersten Einsatz des Community Mobils ist Weiß trotzdem sehr zufrieden: „Das Projekt und der Bus sprechen viele Leute an, es gab einige Interessenten.“ Von diesen Interessenten scheint aber keiner so viel Zeit investieren zu wollen oder können, wie Alfred Weiß selbst. Dabei bräuchte er genau solche Leute, ein Kernteam mit dem er das Projekt weiter ausbauen kann. „Ich mache mir hin und wieder Gedanken, ob ich mich nicht vielleicht etwas übernommen habe. Der Bus muss immerhin gewartet und auch noch fertig umgebaut werden.“

Neue Standorte gesucht!

Weiß will den Standort des Busses alle 2-12 Wochen ändern. Stellplätze sucht er überall, wo kreative, offene Menschen Interesse an seinem Projekt haben. Den Gastgebern steht es frei, das Community Mobil mit zu nutzen. Die wichtigsten Anforderungen an einen potentiellen Stellplatz sind, dass er öffentlich zugänglich ist und der Bus dort hin- und wieder wegfahren kann. Natürlich sind zusätzliche Angebote wie WLan oder Strom gern gesehen, aber nicht essenziell.

Eine ausführliche Anforderungsliste findet ihr hier.

Community Mobil

©Alfred Weiß

Standort und Unterstellmöglichkeit kommen also aus der Community, aber wie wird der Rest des Projekts finanziert? Zunächst macht Weiß auf seiner Website klar, dass es ihm beim „Community Mobil“ nicht um Gewinnmaximierung geht.

Das Projekt sei für Ihn eine reine Herzensangelegenheit und kein Geschäft. Der Bus wurde aus Weiß‘ privater Kasse gezahlt. Auf lange Sicht soll sich das Projekt aber selbst finanzieren.

Einen ersten Schritt in diese Richtung wird es nach der anfänglichen Experimentier- und Testphase geben. Wenn man eine klarere Vorstellung vom Ausmaß des Projekts hat, soll ein Crowdfunding gestartet werden.

Es wird spannend zu sehen, wie sich das Projekt in Münchens Kreativszene etablieren wird. Alfred Weiß hat seinen Teil getan, jetzt liegt es an den Bürgern, das volle Potential des „Community Mobils“ auszuschöpfen.


Beitragsbild: © Alfred Weiß

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