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„Ein bisschen größenwahnsinnig“ – mit diesem Bus will ein Münchner unseren Alltag verändern

Julius Zimmer

Mich fasziniert das Absurde im Alltag. Das ist einer der Gründe, warum ich mich in meiner Wahlheimat München so wohl fühle: Hier erwachen Widersprüche zum Leben. "Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Herz auszufüllen. Wir müssen uns den Münchner als einen glücklichen Menschen vorstellen."
Julius Zimmer

Ein Mann, ein zehn Meter langer Bus und eine verrückte Idee: Alfred Weiß ist 43 Jahre jung, arbeitet als Pfleger und hat eine interessante Leidenschaft. Vor drei Jahren hat er in Berlin einen alten Feuerwehrtransporter erstanden und hilft seitdem Initiativen, Organisationen und Freunden in seiner Freizeit beim Transport von Dingen.

Er geht bei Wohnungsauflösungen zur Hand, rettet alte Sachen vor der Schrottpresse und transportiert Möbel jeder Art von A nach B.

„Ich würde das jederzeit wieder machen“

alfred weiss

20.000 Kilometer hat er dabei schon zurückgelegt. Sein Fazit: “Ich würde das jederzeit wieder machen!” Denn sehr oft ist die Transportmöglichkeit der “Missing Link”, der verhindert, dass Projekte ins Laufen kommen.

Doch ein Bus reicht Weiß noch nicht. Der Münchner hat sich vor kurzem noch einen zweiten zugelegt: Einen Büssing “Konsul”, Baujahr 1968. Das Gefährt ist zehn Meter lang, wiegt siebeneinhalb Tonnen und wird Münchens erstes “Community Mobil”.

Was das genau ist, erklärt Weiß im Interview mit dem Münchner Stadtmagazin MUCBOOK. Sein Traum ist es, mit dem Bus verschiedenen Stationen im Großraum München anzusteuern und dort einen öffentlichen Ort des Austausches anzubieten.

“Der Bus soll einen kostengünstigen und kreativen Raum in München verfügbar machen. Er wird offen für Treffen, Begegnungen und Aktionen sein. Wir werden überall dort hinfahren und anlegen, wo wir Willkommen sind!”

Repair-Cafés, Wohnexperimente und Workshops

Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt: Ob Repair-Café, gemeinsames Kochen, Kleidertausch, Musik-Workshops, temporäre Wohnexperimente – das alles soll es bald im Community Mobil geben.

Platz ist in dem alten Omnibus dafür allemal. In den 60er und 70er Jahren fuhren Reisegruppen mit diesem Modell durch ganz Europa. Sogar die Bundeswehr nutzte den “Konsul” für Truppentransporte.

“Der Bus besitzt Sitzplätze, Liegeplätze (Schlafplätze), eine Küche, eine Markise für Aktionen im Freien und einiges an Stauraum”, erklärt Weiß. Der Sharing-Aspekt ist dem zweifachen Vater dabei besonders wichtig.

“Dinge vorm Wegwerfen zu retten, sich gegenseitig unterstützen und zu schauen wie man gemeinschaftlich Konflikte und Probleme anpackt – das ist es was mich motiviert”. Der Community Bus ist ein Experiment, das diesen Ansatz mobil verkörpern soll.

Die Gemeinschaftskultur steht dabei ganz besonders im Vordergrund. Über einen Internetauftritt will Weiß die Menschen auf den Bus aufmerksam machen. Das ist die zweite Natur des Projekt, “die geistige Komponente”, wie er selbst sagt.

©Alfred Weiß

©Alfred Weiß

Über das Netz können die Menschen mitverfolgen was in und um den Bus herum passiert, welche Aktionen geplant sind und wo sich das “Community Mobil” gerade aufhält.

Es soll die Möglichkeit geben dort seine Erfahrungen, seine Wünsche und seine Idee mit anderen Nutzern zu teilen.

Alfred und das „Community Mobil“ brauchen eure Hilfe

Als wir ihn fragen, wann es denn losgehen soll, lacht Weiß. “Es gibt noch einige Sachen, die zu organisieren sind. Heute habe ich den Kaufvertrag für den “Konsul” besiegelt, jetzt fehlen noch die Internetseite und geeignete Standplätze”.

Besonders für die Unterbringung des “Community Mobil” sucht der Aktivist noch nach Hilfe. Als Gegenleistung für einen Stellplatz bietet er die temporäre Nutzung des Busses an:

“Der Gastgeber des Stellplatzes soll auch was haben von seiner Gastfreundschaft. Er kann den Bus einige Zeit auch alleine nutzen. Strom wäre schön, ist aber keine Grundbedingung. Umso schneller ich jedoch einen Platz finde, umso schneller kann das Projekt auch starten!

Wer Alfred Weiß bei seinem außergewöhnlichen Projekt helfen will, der kann sich unter muenchenguru@gmail.com bei ihm melden.

“Ich weiß, dass ich ein bisschen größenwahnsinnig bin”, erklärt er und lacht dabei kurz auf. “Aber ich weiß auch, dass das “Community Mobil” eine echte Chance ist, um unsere Gesellschaft wieder näher zusammenzubringen – und das brauchen wir in diesen Zeiten mehr denn je”.

5 Comments
  • S. Siebert
    Posted at 09:50h, 08 Mai

    Coole Idee! In einer Stadt, in der nachbarschaftliche Gelegenheiten auszusterben drohen, genau der richtge Ansatz. Unterstütze ich in jeder Hinsicht. Frage: Muss der Stellplatz in München sein, oder geht auch Umland?

  • Alfred Weiß
    Posted at 12:41h, 08 Mai

    Hallo Herr Sieber,
    vielen Dank für Ihre positive Rückmeldung.
    Hier die Person , die „den Alltag verändern will“.
    Das ist a bisserl dick aufgetragen :-), aber Impulse möchte ich schon setzen.
    Das Projekt braucht ja mehrere Stellplätze, allein schon vom Konzept her.
    Von dem her ist der Plan, jetzt dringend (innerhalb der nä. 3-4 Wochne) 1 Stellplatz
    zu bekommen, der geschützt u. geeignet ist.
    Und dann Stellplätze zu „sammeln“ für die nä. Stationen.

  • Monika Hollmann
    Posted at 22:44h, 08 Mai

    Hallo Alfred, wir kennen uns vom TN, ich bin die Musikerin. Stellplatz kann ich keinen anbieten. Ich denke aber grad an den Kolumbusplatz beim Familienbaum in der Hebenstreitstraße oder eine Kooperation mit der Kuturjurte… Evtl. tut sich da was auf? Es gibt ja auch ein paar Wagenplätze in und um München. – OLGA usw. Hast Du da mal nachgefragt?

    Liebe Grüße
    Monika Hollmann

  • Monika Hollmann
    Posted at 22:44h, 08 Mai

    KULTURJURTE meinte ich.

  • Alfred Weiß
    Posted at 09:13h, 14 Mai

    Guten Morgen Monika,

    danke für Deine Ideen !
    Mit dem Emanuel von der Kulturjurte bin ich eh im Gespräch, kenne ich schon länger.
    Olga hat keinen Platz , habe angefragt.
    Aber der Familienbaum wäre vielleicht eine Idee.
    Werde dem nachgehen :-).
    Schönen Sonntag
    Alfred

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